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Bahnlärm im Mittelrheintal: Debatte über Nachtfahrverbot

Verkehr Bahnlärm im Mittelrheintal: Debatte über Nachtfahrverbot

Menschen ziehen weg, Ortschaften veröden. Der Lärm rumpelnder Güterzüge strapaziert Tag und Nacht mit Spitzenwerten von mehr als 100 Dezibel die Gesundheit der Menschen im engen Mittelrheintal.

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Die Lärmbelastung ist seit langem ein Politikum.

Quelle: B. Roessler/Archiv

Wiesbaden/Rüdesheim. "Der Bahn sind die Menschen in der Region vollkommen egal", sagt der SPD-Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises, Burkhard Albers.

Der in den vergangenen Jahren stark angewachsene Protest hat Bahn und die politischen Verantwortlichen im Bund nicht unbeeindruckt gelassen. Rund 50 Millionen Euro sind in den Lärmschutz im Rheintal geflossen, sagt Bahn-Sprecher Hans-Georg Zimmermann. Weitere 20 Millionen Euro kommen derzeit hinzu. Lärmschutzwände oder Schienenstegdämpfer, die Schwingungen der Gleise verhindern sollen, gehören dazu.

Aus Sicht von Bürgerinitiativen (BI) hat dies alles dem Mittelrhein, der zum UNESCO-Welterbe gehört, wenig gebracht. "Wir wollen Taten sehen", sagt BI-Sprecher Willi Pusch. Am 10. Mai wird nun in Rüdesheim zum dritten Mal demonstriert.

Dieses Mal hoffen die Organisatoren auf deutlich mehr als 1000 Teilnehmer, da sich das Bündnis verbreitert hat. Die Stadt Wiesbaden ist erstmals mit dabei. Auch alle Parteien haben sich dem Protest angeschlossen. Hessens Regierung, die sich im Kampf gegen den Bahnlärm bisher deutlich zurückhaltender gab als Rot-Grün in Rheinland-Pfalz, hat sich ebenfalls eine aktivere Rolle verordnet. Der Güterzugverkehr habe unerträgliche Ausmaße angenommen, stellt der neue Grünen-Verkehrsminister Tarek Al-Wazir fest. Er bringt Betriebsbeschränkungen durch den Bund ins Spiel.

Rund 220 Züge verkehren nach den Angaben der Bahn täglich zwischen Koblenz und Bingen/Rüdesheim auf der rechten Seite des Rheins, 200 sind es am Ufer gegenüber. Aber auf der rechten Seite, die Teil der Hauptverkehrsachse Rotterdam-Genua ist, verkehren fast nur Güterzüge. Die Bürgerinitiativen befürchten, dass mit der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels im Jahr 2016 der Verkehr weiter wächst.

Als Sofortmaßnahmen verlangt daher BI-Sprecher Pusch generell Tempo 50 und ein Nachtfahrverbot für die lauten Züge. "Wir haben gesehen, dass es am Frankfurter Flughafen geht", sagt auch Wiesbadens Bürgermeister und Umweltdezernent Arno Gossmann (SPD) mit Blick auf das am Airport seit 2011 geltende Nachtflugverbot.

Doch die Bahn ist strikt gegen ein solches Verbot. Dies würde nur den Verkehr von der Schiene auf die Straße verlagern, sagt Zimmermann. Derzeit untersucht die Bahn in den einzelnen Orten, was zusätzlich noch für den Lärmschutz getan werden kann. Konkrete Vorschläge sollen im Sommer gemacht werden.

Die Bahn setzt außerdem auf die neuen "Flüsterbremsen" bei Güterwaggons. Doch mit der vollständigen Umrüstung - dieses Ziel sieht auch der Koalitionsvertrag von Schwarz-Rot im Bund vor - soll es bis 2020 dauern. Bei den privaten Güterwaggonbetreibern gebe es dagegen außerdem massiven Widerstand, berichtet Pusch.

Hessen und Rheinland-Pfalz wollen nun den Druck auf Bundesebene erhöhen. Dazu gehört auch die Forderung nach einer Alternativstrecke, die beide Länder gerne in den neuen Bundesverkehrswegeplan aufgenommen sähen. Dieser "Bypass" würde von der Ruhr über Siegburg und Gießen nach Hanau führen.

Doch Optimismus wäre dabei verfrüht. Alle wissen, dass es bis zum Ausbau der neuen Strecke noch viele Jahre oder Jahrzehnte dauern kann. Die Bahn hat versprochen, den Lärm im Mittelrheintal unter anderem mit "Flüsterbremsen" zu halbieren. Doch auch dann wird es vielerorts immer noch sehr laut sein. "Es muss leiser werden. Leise wird es am Mittelrhein aber nie werden", räumt Bahnsprecher Zimmermann ein.

dpa

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