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Am Thema vorbei: Parlamentarier rastet aus

Verbale Entgleisung Am Thema vorbei: Parlamentarier rastet aus

Die Geschichte des hessischen Landtags ist nicht gerade arm an verbalen Entgleisungen. In kaum einem Landesparlament muss der Ältestenrat so häufig zusammentreten wie in Wiesbaden, um die Qualität zu wahren.

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Zum Thema Kinderförderungsgesetz hatte der CDU-Mann Rolf Müller nichts zu sagen, dafür musste er Einiges in Richtung seines SPD-Kollegen Gerhard Merz loswerden. Foto: Archiv

Wiesbaden. Dann wird die Minderqualität von Zwischenrufen beraten und entsprechende Rügen erteilt. Das hat dem hessischen Hohen Haus den zweifelhaften Ruf eingetragen, dort gehe es deutlich rüder zu als anderswo. Am Donnerstagabend wurde dieser Verdacht eindrucksvoll bestätigt.

Es hatte ganz harmlos angefangen. Die letzten noch nicht ins verlängerte Wochenende abgereisten Abgeordneten diskutierten in zweiter Lesung die Vor- und Nachteile des Kinderförderungsgesetzes, wobei sich für die SPD der Gießener Gerhard Merz mit einer pointierten - andere meinten eher polemischen - Rede ausführlich zur Sache einließ.

Minutenlange Schimpftirade

Dem familienpolitischen Experten der Sozialdemokraten fuhr plötzlich ein Kontrahent in die Parade, mit dem an dieser Stelle gar nicht gerechnet werden konnte. Rolf Müller (CDU), überwiegend im Fach Hochschulpolitik beheimatet, meldete sich für eine „Kurzintervention“ und nutzte diese zu einer rund dreiminütigen Schimpfkanonade in Richtung Merz, die sich gewaschen hatte. Von „Autist“ war da die Rede, von „unglaublicher Arroganz“ und davon, dass es der Kollege im Leben „nicht weit gebracht“ habe - gerade noch zum Politiker habe es für den Politikwissenschaftler Merz noch gereicht. Zum eigentlichen Thema, dem Kinderförderungsgesetz, nahm Müller übrigens gar nicht Stellung.

Nicht nur der Angesprochene schnappte während der Schimpftirade des Gelnhäuser Christdemokraten nach Luft. SPD-Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel sprach hinterher von „so noch nie erlebten persönlichen Ausfällen“, die Grünen forderten am Freitag eine Entschuldigung für Müllers „Ausraster“; entweder von ihm selbst, ansonsten von der Fraktionsleitung.

„Geschiedene Leute“

Warum der eigentlich als Gemütsmensch geltende langjährige Landessportbund-Vorsitzende derart die Fassung verlor, ist bislang ungeklärt. Sicher ist, dass ihm Gerhard Merz dauerhaft die kollegiale Zusammenarbeit aufgekündigt hat. „Wir sind geschiedene Leute“, rief der Gießener Müller bereits nach dessen Tirade im Plenum zu und dieses bekräftigte Merz am Freitag noch einmal: „Mit dem will ich nichts mehr zu tun haben.“

von Georg Haupt

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