Volltextsuche über das Angebot:

28 ° / 17 ° Regenschauer

Navigation:
Weiter lange Facharzt-Wartezeiten: Servicestelle kritisiert

Gesundheit Weiter lange Facharzt-Wartezeiten: Servicestelle kritisiert

Ein Hautarzt aus Fulda ist Spitzenreiter: Er würde einen Kassenpatienten 224 Tage auf eine Behandlung warten lassen, wie eine Untersuchung der Grünen zeigt. Die neue zentrale Terminvergabe für Fachärzte hat demnach nichts an der Lage geändert.

Voriger Artikel
Tödliche Schüsse auf Ehefrau: 15 Jahre Haft für Täter
Nächster Artikel
Ein Verletzter und hoher Schaden bei Lkw-Unfall auf Autobahn

Arzt mit Stethoskopr.

Quelle: Rolf Vennenbernd/Archiv

Wiesbaden. Auch mehrere Monate nach Einführung der neuen Servicestelle für Facharzt-Termine müssen viele Kassenpatienten noch lange Wartezeiten auf sich nehmen. Bei Testanrufen im Auftrag der hessischen Bundestagsabgeordneten und Grünen-Politikerin Kordula Schulz-Asche bekamen gesetzlich Versicherte im Schnitt einen Termin nach 38 Tagen - und damit 27 Tage später als Privatversicherte. Nur zwei Praxen hätten auf die Ende Januar eingerichtete Servicestelle verwiesen, heißt es in der am Freitag veröffentlichten Studie.

Ärztevertreter wiesen die Kritik zurück. "Dringende Behandlungen und Notfälle leiden in Deutschland nicht unter Wartezeiten", erklärte der Präsident der Landesärztekammer Hessen, Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach. Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KV) sprach von Einzelfällen, die bei beliebten Spezialisten auftreten könnten. Zudem sei es der Gesetzgeber, der die ärztliche Versorgung einschränke. Auch die Patienten verhielten sich nicht immer hilfreich, wenn sie etwa hintereinander wegen des selben Problems mehrere Fachärzte aufsuchten oder zu zugesagten Terminen nicht erschienen.

Die KV betreibt die Terminservicestelle auf Weisung des Bundesgesetzgebers und erklärte sie bereits in einer Zwischenbilanz im März für überflüssig. Daran habe sich nichts geändert, sagte ein Sprecher. Es komme weiterhin nur ein Bruchteil der erwarteten Anrufe, Ende April wurden im Schnitt 115 pro Tag gezählt, 38 Termine würden durchschnittlich täglich vermittelt. Nachgefragt sind besonders Termine beim Neurologen. Aktuell sähen die Zahlen ganz ähnlich aus.

Dass nur zwei Praxen auf die Servicestelle hingewiesen hätten, zeige, dass das Konzept nicht funktioniere, erklärte Schulz-Asche. Die unterschiedlichen Vergütungen für privat und gesetzlich Versicherte müssten abgeschafft werden, um Ärzten keinen Anreiz mehr für die Bevorzugung der einen Gruppe zu bieten.

Die Landtags-SPD forderte die KV auf, mehr für die Servicestelle zu werben. Wenn sich weiterhin nichts an den langen Wartezeiten für gesetzlich Versicherte ändere, müsse gegebenenfalls über Konsequenzen nachgedacht werden, erklärte die Abgeordnete Daniela Sommer. Die Linksfraktion forderte unter anderem eine flächendeckende Versorgung mit Allgemeinmedizinern, die feststellen könnten, welche Facharzt-Behandlungen tatsächlich erforderlich seien.

Bei den Testanrufen im Auftrag der Grünen ergab sich der größte Unterschied zwischen gesetzlich und privat Versicherten in Fulda (41 Tage längere Wartezeit) sowie Hanau und Darmstadt (je 34 Tage mehr). Am geringsten war die Differenz in Frankfurt (17 Tage). Spitzenreiter sei ein Hautarzt aus Fulda gewesen, der dem Kassenpatienten einen Termin nach 224 Tagen angeboten hatte, dem Privatversicherten nach 7. Bei 20 bis 30 Prozent der Praxen habe die Versicherungsart keinen oder kaum einen Unterschied gemacht. Das Ergebnis sei noch schlechter als bei einem ähnlichen Testlauf im Jahr 2013, erklärte Schulz-Asche.

Für die Untersuchung wurden im April und Mai 370 Facharztpraxen zweimal hintereinander telefonisch um einen Termin gebeten - einmal für einen Kassenpatienten und einmal für einen Privatversicherten. Die Grünen bezeichnen die Studie als repräsentativ. Pro Stadt beziehungsweise Region seien je nach Einwohnergröße 40 bis 70 Praxen angerufen worden.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Panorama

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr