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WDR will Film über Odenwaldschule trotz Kritik senden

Medien WDR will Film über Odenwaldschule trotz Kritik senden

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) will seinen Fernsehfilm über die Missbrauchsfälle an der Odenwaldschule trotz der Kritik ehemaliger Schüler wie geplant am Mittwoch senden.

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Szene aus dem ARD-Drama "Die Auserwählten".

Quelle: Katrin Denkewitz/WDR

Köln/Heppenheim. "Die Anwälte der Produktionsfirma und des Senders haben die Vorwürfe geprüft. Sie sind nicht zutreffend", teilte der WDR am Montag in Köln mit. Der Film "Die Auserwählten" mit Ulrich Tukur in der Hauptrolle steht am Mittwoch um 20.15 Uhr in der ARD auf dem Programm. Der "Spiegel" hatte berichtet, dass sich zwei ehemalige Schüler durch den Film in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt sehen.

Der Anwalt eines der beiden Schüler, Christian Schertz, teilte mit, sein Mandant sei ohne weiteres in der Filmfigur des Frank Hoffmann wiederzuerkennen. "Sollte der WDR jetzt dennoch diese Ausstrahlung vornehmen trotz Kenntnis der von uns mitgeteilten Umstände, wären auf jeden Fall Geldentschädigungsansprüche ausgelöst, die notfalls gerichtlich durchgesetzt werden müssten", schrieb Schertz.

An dem Internat in Heppenheim war im Jahr 2010 ein lange unter der Decke gehaltener Missbrauchsskandal hochgekocht. Vor Jahrzehnten hatten sich Lehrer demnach an mindestens 132 Schülern vergriffen. Opfer-Vertreter gehen von deutlich mehr Missbrauchten aus.

Der Spielfilm wurde am Originalschauplatz gedreht. Die Odenwaldschule unterstützt das Projekt. "Es ist wichtig, dass Täterstrukturen aufgezeigt werden", begründete Sprecherin Gertrud Ohling-von Haken. Die Haltung ändere sich auch nach der Kritik der Ex-Schüler nicht. "Die Odenwaldschule bedankt sich bei allen an diesem Film Beteiligten für eine einprägsame, seriöse Auseinandersetzung mit dem, was damals an der Schule passiert ist", hieß es am Montag an prominenter Stelle ihrer Internetseite.

Die Privatschule steckt gerade jetzt in einem Veränderungsprozess wie noch nie. Das Sozialministerium hat als Aufsichtsbehörde die Betriebserlaubnis auf das laufende Schuljahr begrenzt. Ein zu enges Lehrer-Schüler-Verhältnis wurde abgeschafft, Pädagogen eingestellt. Die Rechtsform soll verändert werden, weg vom eingetragenen Verein hin zur gemeinnützigen GmbH. Außerdem läuft die Suche nach neuen Chefs für gleich drei Bereiche: Schule, Internat und Geschäftsführung. Dies soll bis spätestens 1. Dezember erledigt sein.

Mit am meisten zu schaffen macht die zurückgehende Schülerzahl. "Wir brauchen mehr Schüler, um im schwarzen Bereich wirtschaften zu können", sagte der Vorsitzende des Schul-Trägervereins, Gerhard Herbert. Vor vier Jahren hatte die Schule noch mehr als 200 Schüler. Inzwischen sind es nur noch knapp 150. Die Odenwaldschule musste schon Immobilien verkaufen, "um die Liquidität aufzubessern", sagte Herbert.

Als gemeinnützige GmbH soll die Schule an der Spitze schlanker und beweglicher werden. Das Thema will der Trägerverein bei einem für den 17. Oktober geplanten Treffen klären. Mitte Oktober ist auch wieder ein Termin im Ministerium geplant - eine Art Zwischenbilanz.

dpa

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