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Anklage sieht Betreiber in der Verantwortung

Tod am Hoherodskopf Anklage sieht Betreiber in der Verantwortung

Wer ist schuld am Tod von Sina Erb? Dieser Frage geht die Gießener Staatsanwaltschaft inzwischen seit zwei Jahren nach. Doch jetzt geht es voran. Die Anklageschrift liegt vor.

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Der Sprungturm kurz nach dem Unfall Ende August 2015 auf dem Hoherodskopf.

Quelle: Payer

Gießen. Gute zwei Jahre nach dem tödlichen Sturz der damals 12 Jahre alten Sina Erb aus Hosenfeld (Kreis Fulda) von einem sogenannten Free-Fall-Tower auf dem Freizeitgelände am Hoherodskopf bei Schotten (die OP berichtete) hat die Staatsanwaltschaft Gießen Anklage gegen drei Männer erhoben. Im August 2015 war das Kind bei einem unkontrollierten Sprung aus etwa neun Metern seitlich von der Anlage gestürzt.

Das Mädchen war in der Höhe unsicher geworden und hatte beim Absprung wohl noch versucht, sich an einer Strebe des Turmgerüsts festzuhalten. Statt ins Sprungkissen war sie deshalb seitlich auf die Umrandung geprallt und schlug von dort mit dem Kopf auf einem Felsbrocken auf. Einen Monat nach dem Unfall starb die 12-Jährige im Krankenhaus an ihren schweren Kopfverletzungen.

Angeklagt werden sollen aus Sicht der Staatsanwaltschaft die 43- und 41-jährigen Betreiber des dortigen Kletterparks sowie ein 27-Jähriger, der während des Unglücks vor Ort auf dem Turm als Einweiser gearbeitet hatte. Den dreien werde „vorgeworfen, durch Fahrlässigkeit den Tod der 12-Jährigen verursacht zu haben“, so Thomas Hauburger, der Sprecher der Gießener Staatsanwaltschaft, in einer Mitteilung.

Anklageerhebung ist gute Nachricht für Familie

Den Betreibern werde demnach unter anderem zur Last gelegt, „die Aufbauanweisung im Hinblick auf den freizuhaltenden Sicherheitsbereich missachtet zu haben“. Auch bei der Positionierung der Absprungplattform sollen sie Gebote der Verkehrssicherung nicht eingehalten haben.

Dem Einweiser wirft die Staatsanwaltschaft vor, dass er den Sprung nicht abgebrochen habe, obwohl das verängstigte und überforderte Mädchen „deutlich erkennbar nicht in der Lage war, den Sprung sicher auszuführen, und bereits einen Sprungversuch abgebrochen hatte“. Über die Eröffnung eines Hauptverfahrens muss nun das Landgericht Gießen entscheiden.

Für die Familie Erb ist die Anklageerhebung eine gute Nachricht. Denn 18 Monate lang hatte sich bei den Ermittlungen nach dem Unglück kaum etwas bewegt, wohl auch durch die Erkrankung eines zuständigen Bearbeiters. Erst nachdem die OP und andere Medien nachhakten, kam wieder sichtlich Bewegung in den Fall. Das seit wenigen Wochen vorliegende Gutachten zur Todesursache des Kindes führte letztlich zur Anklage wegen fahrlässiger Tötung.

TÜV-Gutachten moniert fehlerhaften Aufbau

Es ergab, dass Sina mit dem Kopf auf einen Felsen neben der Anlage aufgeschlagen war. Schon im Frühjahr 2016 hatte ein TÜV-Gutachten den fehlerhaften Aufbau der Anlage moniert. Auch der Marburger Sportanlagen-Experte Josef Payer hatte in der OP schwere Vorwürfe gegen den Betreiber erhoben.

Der Anwalt der Familie, Christopher Gaul, hält angesichts der Vorwürfe der Staatsanwaltschaft jetzt ein erhebliches Strafmaß für möglich, wie er gegenüber der OP sagte. Für fahrlässige Tötung sieht der Gesetzgeber eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe vor.

Mit der Anklageschrift steht allerdings auch fest, dass sich für die Staatsanwaltschaft derzeit keine ausreichende Hinweise auf Versäumnisse der Behörden und des Vermieters beziehungsweise Herstellers der Sprungkissenanlage ergeben haben. Die Anlage auf dem Hoherodskopf war vor Inbetriebnahme und während des Betriebs weder von der Kommune noch vom Regierungspräsidium geprüft oder abgenommen worden. Grund dafür ist offenbar eine Gesetzeslücke, die genau dies bei Anlagen dieser Art nicht vorsieht.

von Michael Agricola

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