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Odenwaldschule-Lehrer schweigt zu Kinderporno-Verdacht

Schulen Odenwaldschule-Lehrer schweigt zu Kinderporno-Verdacht

Der Fall des Kinderporno-Verdachts gegen einen Lehrer der Odenwaldschule hat Wunden des Missbrauchsskandals wieder aufgerissen. Kritiker wie der Landkreis Bergstraße sehen die Zukunft akut gefährdet, wenn sich das Reform-Internat nicht grundsätzlich ändert.

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Die Odenwaldschule wird von mehreren Seiten kritisiert.

Quelle: B. Roessler/Archiv

Darmstadt/Heppenheim. Zuletzt war wegen der bekannt gewordenen sexuellen Übergriffe vor Jahrzehnten mit einer abnehmenden Schülerzahl gerechnet worden. Der wegen des möglichen Besitzes von Kinderpornos entlassene Lehrer schweigt - und die Ermittlungen gegen ihn ziehen sich in die Länge.

Eine Aufklärung des neuen drohenden Skandals werde voraussichtlich sechs Monate und damit relativ lange dauern, sagte der stellvertretende Sprecher der Staatsanwaltschaft Darmstadt, Noah Krüger, am Dienstag. An der Schule war vor vier Jahren ein lange zurückliegender sexueller Missbrauch mit schließlich mehr als 100 Opfern bekanntgeworden.

Es nehme Zeit in Anspruch, bis die Computerdaten des Verdächtigen ausgewertet seien, meinte Krüger. Erfahrungsgemäß sei Kinderpornografie auf Computern "versteckt und verschlüsselt". Beweise gegen den 32-Jährigen gebe es noch nicht, auch keine Anhaltspunkte, dass der Lehrer Schüler missbraucht habe.

In Australien sei 2012 ein Kinderporno-Forum im Internet aufgeflogen, sagte Krüger. Eine E-Mail-Adresse habe zu dem Lehrer geführt. Je nach Lage des Falles könnten bis zu fünf Jahre Haft drohen. Das Strafmaß sei vergleichbar mit Diebstahl und Körperverletzung.

Am Osterwochenende war bekanntgeworden, dass die Wohnung des Lehrers an der traditionsreichen Schule am 9. April durchsucht worden war. Einer Mitteilung des Reform-Internats zufolge wurde dem Mann fristlos gekündigt. Das hessische Kultusministerium wartet nun ab, zu welchen Ergebnissen die Staatsanwaltschaft bei ihren Ermittlungen kommt. "Daran sind wir gebunden", sagte Sprecher Christian Henkes. "Davon hängen dann weitere Schritte ab."

An der Schule waren vor Jahrzehnten Schüler von Lehrern sexuell missbraucht worden. Ein Abschlussbericht nennt als Zahl mindestens 132 Opfer. Der Skandal kam erst viele Jahre später an die Öffentlichkeit.

Einige Kritiker werfen der Odenwaldschule vor, sich danach nicht wirklich verändert zu haben und fordern, die Einrichtung zu schließen. So gebe es durch Wohngruppen noch immer eine zu große Nähe zwischen Lehrern und Schülern.

Laut Schul-Sprecherin Gertrud Ohling-von Haken hat "der Missbrauch der Vergangenheit keinen Zusammenhang mit dem aktuellen Fall". Die Form von Wohngruppen sei deutlich verändert worden. Lehrer und Schüler würden nicht zusammen in einer Wohnung leben, sondern die Lehrer in ihrem eigenen, abgeschlossenen Bereich.

Bei ihrem Umgang mit dem Kinderporno-Verdacht machte die Odenwaldschule nach Ansicht des Landkreises Bergstraße einen schweren Fehler. Sie habe die nach dem Missbrauchsskandal versprochene Transparenz nicht eingehalten und sei erst aufgrund von "recherchierenden Medien" an die Öffentlichkeit gegangen, teilte der stellvertretende Landrat Matthias Schimpf (Grüne) mit. Dies habe "zu einem schweren Vertrauensschaden" geführt. Wenn die Schule sich nicht grundsätzlich ändere, "ist ihre Zukunft meines Erachtens akut gefährdet".

Diese Vorgehensweise habe die ohnehin schon kritische Haltung des Landkreis der Odenwaldschule gegenüber "eher noch verstärkt". Landrat Matthias Wilkes (CDU) hatte nach Bekanntwerden der Übergriffe 2010 entschieden, im Rahmen der Jugendhilfe keine Mädchen und Jungen mehr als Internats-Schüler zu überweisen.

dpa

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