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Prozesse

Nach Tod von Asylbewerberin: Ex-Freund muss in Psychiatrie

Eine Liebesbeziehung endet im August 2015 in einem Wiesbadener Asylbewerberheim tödlich. Der 25 Jahre alte Täter ist psychisch schwer erkrankt. Die Staatsanwältin sieht ein Versagen der Behörden vor der Bluttat.
Ein Angeklagter vor Gericht.

Ein Angeklagter vor Gericht.

© Daniel Naupold/Archiv

Wiesbaden. Weil er im religiösen Wahn seine Ex-Freundin in einem Asylbewerberheim in Wiesbaden tötete, ist ein 25-Jähriger vom Landgericht dauerhaft in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen worden. Auch seine scheinbar geplanten Handlungen, wie etwa die Flucht nach der Tat nach Holland, seien laut Gutachten mit der psychischen Krankheit erklärbar, sagte der Richter am Montag in Wiesbaden.

Der Mann hatte nach Überzeugung von Gericht, Staatsanwalt und Verteidigung seine 23 Jahre alte Ex-Freundin im August 2015 getötet, wenige Tage nachdem sie aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen war. Die Tat spiegele eine hohe Emotionalität und ein "overkill" ("Übertöten") wider, sagte die Staatsanwältin.

Sein Mandant habe in der Zeit vor der Messerattacke nach mehreren Aufenthalten in der Psychiatrie darum gekämpft, dass es ihm besser gehe, sagte der Verteidiger. "Er hat den Kampf verloren. Er hat den Menschen verloren, der ihm am wichtigsten war." Der 25-Jährige erklärte weinend, er vermisse seine Ex-Verlobte und könne sich ein Leben ohne sie nicht vorstellen.

Der Mann leide an paranoider Schizophrenie und sei schuldunfähig, erklärte die Staatsanwältin - und sprach von einer besonderen Tragik: "Und wieder einmal haben wir das Ende einer Liebesbeziehung strafrechtlich aufzuarbeiten." Der Mann stammt wie das Opfer aus Eritrea, beide kannten sich seit Kindheitstagen und waren verlobt.

Die Staatsanwältin und die Vertreterin der Nebenklage beklagten jedoch auch ein Versagen von Justiz und Behörden. Sozialamt und Amtsgericht hätten auf Warnungen des Betreuers des 25-Jährigen nicht oder nur schleppend reagiert.

Der Beschuldigte sei auch Opfer geworden eines Systems, das irgendwo versagt habe, sagte die Staatsanwältin. Der Richter hielt dieser Kritik entgegen, es habe ein enges Netz von Betreuern gegeben. Niemand habe geahnt, dass der 25-Jährige zu so einer Tat fähig sei.

dpa


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