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Kliniken und Heime werden vor Bombenentschärfung evakuiert

Notfälle Kliniken und Heime werden vor Bombenentschärfung evakuiert

Ein Bombenfund hält am Wochenende viele Frankfurter in Atem. Am Tag vor der Entschärfung läuft die Evakuierung in zwei Krankenhäusern und mehreren Altenheimen bereits auf Hochtouren.

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Eine Polizeiabsperrung.

Quelle: Patrick Seeger/Archiv

Frankfurt/Main. Einen Tag vor der Entschärfung einer Weltkriegsbombe in Frankfurt ist in der Bankenstadt die größte Evakuierung in der Geschichte der Bundesrepublik angelaufen. Patienten aus zwei Krankenhäusern in der Sperrzone wurden am Samstag verlegt, wie Sprecher von Polizei und Feuerwehr berichteten. Die Evakuierung des Bürgerhospitals war am späten Nachmittag beendet, auch beim Marienkrankenhaus war es nach Angaben eines Feuerwehrsprechers fast so weit. "Die Evakuierung der Altenheime wird noch länger dauern", sagte er. Auch am Sonntagmorgen hätten die Einsatzkräfte damit sicherlich noch zu tun. Wie viele Heimbewohner insgesamt von der Maßnahme betroffen sind, konnte er nicht sagen.

Von der größten Geburtsstation Hessens im Frankfurter Bürgerhospital wurde am Samstag das letzte Baby verlegt, wie Steffen Kunzmann, Chefarzt der Neonatologie, sagte. Bereits seit Donnerstag seien nach und nach Neugeborene wegtransportiert worden. "Die Solidarität der umliegenden Kliniken ist fantastisch. Alle haben sofort ihre Unterstützung angeboten", erklärte Kunzmann. Insgesamt waren 20 Babys betroffen.

"Bei der Verlegung ist wichtig, dass alle Patienten, nicht nur die Neugeborenen, auf dem Niveau weiterbehandelt werden können, auf dem sie auch im Bürgerhospital behandelt werden", betonte Uwe Schweigkofler. Der Leitende Arzt des Notfall- und Rettungsteams der Frankfurter Unfallklinik, in die ein Großteil der erwachsenen Patienten verlegt wird, hatte die Evakuierung des Bürgerhospitals geleitet, die er als "großen logistischen Aufwand" bezeichnete. Am Samstag mussten aus dem 320-Betten-Haus laut Klinikangaben etwas mehr als 100 Patienten verlegt werden. Patientinnen der Gynäkologie wurden in das Klinikum Frankfurt Höchst gebracht.

Auf der Nibelungenallee bildeten Rettungswagen vor der Klinik eine lange Warteschlange, bevor sie auf den Klinikhof fahren und Patienten übernehmen konnten. "Während der Transporte gab es keinerlei Komplikationen, weder organisatorisch noch medizinisch. Alle unsere Patienten sind wohlbehalten in den anderen Krankenhäusern angekommen", berichtete Prof. Dr. Oliver Schwenn, Ärztlicher Direktor des Bürgerhospitals, nach der Aktion. Dort würden sie nun von den Pflegekräften und Ärzten des Hospitals betreut, bis sie nach der Entschärfung der Bombe wieder zurückgebracht werden können.

Im Bürgerhospital selbst begannen Mitarbeiter nach Angaben des Krankenhauses, dieses "in eine Art Schlafzustand" zu versetzen. Medizingeräte wurden ausgeschaltet, Fenster geschlossen und die Betten für die Rückkehr der Patienten vorbereitet. Bis zum Abend sollte die Maßnahme abgeschlossen sein. "Dann würden wir hier sozusagen gerne die Kette vorlegen und abschließen", sagte Klinikgeschäftsführer Wolfgang Heyl. "Wir würden gerne alle irgendwann heute Abend nach Hause gehen", sagte auch der Sprecher der Feuerwehr.

Die Stadtpolizei verteilte am Samstag im Sperrgebiet Flyer, mit denen die Anwohner noch einmal auf die Evakuierung hingewiesen wurden. Über den Kurznachrichtendienst Twitter informierte auch die Feuerwehr zur Evakuierung. "Verlassen Sie die Wohnung "urlaubsreif"", hieß es dort unter anderem. Auch baten die Einsatzkräfte betroffene Frankfurter darum, Nachbarn zu informieren, die vielleicht noch nichts von der Evakuierung gehört hätten.

Wegen der Entschärfung der am Universitäts-Campus Westend entdeckten Luftmine müssen am Sonntag fast 70 000 Bürger ihre Häuser und Wohnungen verlassen. "Wir gehen von ungefähr 69 000 Betroffenen aus", sagte Polizeisprecher Alexander Kießling. Damit Einbrecher und andere Kriminelle das nicht ausnutzen können, wollte die Polizei bereits am Samstag mit mehr Kräften als sonst in den betroffenen Stadtteilen unterwegs sein.

dpa

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