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Kind fast verhungert - Mutter muss dreieinhalb Jahre in Haft

Prozesse Kind fast verhungert - Mutter muss dreieinhalb Jahre in Haft

Weil sie ihre Tochter beinahe verhungern und verdursten ließ, ist eine junge Mutter zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht Marburg sprach die 24-Jährige am Mittwoch des versuchten Totschlags und der Misshandlung von Schutzbefohlenen schuldig.

Marburg. Das damals 13 Monate alte, abgemagerte Mädchen war im Februar 2012 vom Jugendamt aus der Wohnung der Mutter in Gladenbach geholt worden. Es konnte auf der Intensivstation der Uni-Kinderklinik in Marburg gerettet werden. Die Anklage hatte auf versuchten Mord plädiert und sechs Jahre Haft gefordert. Die Verteidigung wollte eine Bewährungsstrafe erreichen.

Zu Beginn des Prozesses vor knapp zwei Wochen hatte die Mutter die Vernachlässigung ihrer Tochter eingeräumt. Sie sei damals nach der Trennung von ihrem Mann allein, in einer schwierigen Lage und krank gewesen.

Das auf 3600 Gramm abgemagerte Kind hätte dem Vorsitzenden Richter zufolge nur noch einen oder zwei Tage überlebt. Einen Mordversuch sah die Kammer zwar nicht. Es sei aber "eine böswillige Vernachlässigung" aus "eigensüchtigen Motiven" zu erkennen. Eine Bewährungsstrafe komme daher nicht infrage. Das Gericht habe zudem den Eindruck, dass die Angeklagte ihre erhebliche Schuld nicht wirklich einsehe.

Die Verteidigung befand, dass in dem Prozess die Erschöpfung der Angeklagten wegen einer unerkannten Blutkrankheit nicht ausreichend berücksichtigt worden sei. Der Anklagevertreter sagte in seinem Plädoyer, die 24-Jährige habe über Wochen hinweg jedes Hilfeangebot bewusst und aktiv umgangen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

dpa

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