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Kehlmann als Poetik-Professor: Vergessen ist eine harte Übung

Literatur Kehlmann als Poetik-Professor: Vergessen ist eine harte Übung

Über die Geister der Vergangenheit, die sich selbst aus dem banalsten Blödsinn den Weg an die Oberfläche bahnen, spricht Autor Daniel Kehlmann in diesem Sommer in der Frankfurter Poetik-Dozentur.

Frankfurt/Main. In seiner Antrittsvorlesung am Dienstagabend verquickte er die Filme von Peter Alexander mit Texten von Ingeborg Bachmann und den Auschwitz-Prozessen.

Selbst aus den übelsten Unterhaltungsfilmen der 50er und 60er Jahre starre einen die Fratze des Wahnsinns an, sagte der 39 Jahre alte Autor. "Mühsam Ausgesperrtes wird plötzlich sichtbar - als erschienen Geister aus leerer Luft. Vergessen ist eine anstrengende Übung. Verdrängung ist harte Arbeit."

An einer Bachmann-Erzählung, in der Nazis und Verfolgte an einem Tisch sitzen, lobte Kehlmann, ihre Moral liege darin, dass es keine Moral gebe. "Die fürchterlichsten Verbrechen sind geschehen, aber aus diesem Umstand lässt sich nichts gewinnen. Verbrechensopfer werden nicht bessere Menschen, sie werden nur beschädigt."

Unter dem Titel "Kommt, Geister" spricht Kehlmann ("Die Vermessung der Welt") noch bis in den Juli hinein einmal die Woche an der Frankfurter Goethe-Universität. Die Stiftungsgastprofessur wurde bereits 1959 begründet.

dpa

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