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Experte: Nachholbedarf der Polizei in Sachen Social Media

Polizei Experte: Nachholbedarf der Polizei in Sachen Social Media

Viele Polizeistellen twittern inzwischen oder kommunizieren über Facebook. Das reicht aber nicht aus, meint ein Experte. Vor allem jüngere Menschen könnten so nicht erreicht werden.

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Weste und Kappe eines Social-Media-Polizisten.

Quelle: Frank Rumpenhorst/Archiv

Frankfurt/Main. Die deutsche Polizei hat nach Einschätzung eines Experten bei ihrer Arbeit in sozialen Internetkanälen deutlichen Aufholbedarf. "Viele Länder sind mit der sichtbaren Verankerung der Polizei im digitalen Raum sehr viel weiter", sagte der Cyberkriminologe von der Fachhochschule der Polizei des Landes Brandenburg, Thomas-Gabriel Rüdiger, der Deutschen Presse-Agentur.

In Österreich beispielsweise werde bis 2020 jeder Polizist mit einem dienstlichen Smartphone mit eigenen Apps für den Dienst ausgestattet. "Davon ist Deutschland meilenweit entfernt." In Finnland, den Niederlanden und der Schweiz gebe es iCops mit eigenen Accounts zur Kommunikation mit den Bürgern. "Es ist, als ob wir in Deutschland nur die Wachen besetzen und keine Streifen rausschicken. Da sehe ich einen großen Nachholbedarf."

Alleine in den Niederlanden habe die Polizei rund 2500 Social-Media-Accounts, in Deutschland seien es dagegen nur etwa 300. Dabei arbeiteten in Deutschland etwa 270 000 Polizisten, in den Niederlanden aber nur ungefähr 63 000.

"Wir brauchen eine flächendeckende Präsenz der Polizei im Netz, auch um den "Broken Web Phänomen" zu begegnen - also dem Gefühl eines weitestgehend rechtsfreien Raums", forderte Rüdiger. "Die zufällige Sichtbarkeit der Polizei hat eine Auswirkung darauf, ob wir meinen, dass Normen und Regeln gelten oder nicht." Dies kenne jeder aus dem Straßenverkehr. "Diese Masse an Präsenz fehlt im digitalen Raum in Deutschland."

Ein anderes Problem: "Wir lassen ganze Altersgruppen in der Kommunikation aus", kritisiert der Experte. "95 Prozent der gesamten Social-Media-Kommunikation der Polizei im Netz läuft über Facebook und Twitter." Kinder und Jugendliche seien darüber aber nicht erreichbar. Weniger als zehn Polizei-Accounts nutzten auch Instagram und Snapchat, aber selbst darüber seien nicht mehr alle jungen Menschen zu erreichen. "Die Niederländer sind da viel flexibler, sie nutzen auch mal ein Online-Spiel, über das Kinder und Jugendliche erreichbar sind." In Deutschland machten das nur zwei Beamte in Niedersachsen.

dpa

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