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Experte: Hessen Plattform für illegalen Kulturgüter-Handel

Kriminalität Experte: Hessen Plattform für illegalen Kulturgüter-Handel

Mit der illegale Plünderung von Kulturgütern und dem Verkauf werden weltweit Milliarden verdient. Die zwielichtigen Angebote an Museen und Sammler schlagen auch in Hessen auf.

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Michael Müller-Karpe ist Kriminalarchäologe.

Quelle: Fredrik von Erichsen/Archiv

Wiesbaden. Im Kampf gegen den illegalen Handel mit gestohlenen Kulturgütern will das Hessische Landeskriminalamt (LKA) auf eine engere Zusammenarbeit mit Museen und privaten Sammlern setzen. "Die Ermittlungsbehörden sind darauf angewiesen, dass sie bei merkwürdigen Angeboten von vermeintlichen Kulturgütern informiert werden", sagte LKA-Experte Eckhard Laufer der Deutschen Presse-Agentur in Wiesbaden. "Es gibt ein riesiges Dunkelfeld auf dem Markt. Da ist es sehr schwer, einen Überblick zu bekommen."

Die Plünderungen fänden oft in Bürgerkriegsregionen wie derzeit etwa im Jemen statt oder in Ländern mit antiker Hochkultur, erklärte der Kulturgüterschutzexperte des LKA. Organisierte Banden versuchten dann, die Objekte vor allem über das Internet, über Auktionen oder per Mail direkt bei Sammlern in finanzkräftigen Regionen wie den USA, dem arabischen Raum oder auch in Europa lukrativ zu verkaufen.

"Auch in Hessen kommen immer wieder Fälle vor", sagte Laufer. Zwar würden diese nicht extra in der Polizeilichen Kriminalstatistik aufgeführt. Das hessische LKA registriere aber etwa fünf bis zehn Fälle pro Jahr. Die Höhe der verursachten Schäden sei für Hessen schwer zu ermitteln. "Hessen ist aber auch eine Marktplattform."

Weltweit werde der Schaden durch Plünderungen und illegalen Kulturguthandel auf sechs bis acht Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Neben dem materiellen Schaden sei aber vor allem der Informationsverlust für die Herkunftsländer von besonderer Bedeutung.

Auch der Mainzer Kriminalarchäologe Michael Müller-Karpe weist auf das Ausmaß dieser Machenschaften hin: "Wir haben es beim illegalen Handel mit Kulturgütern mit einem Kriminalitätsbereich zu tun, der als drittgrößte illegale Erwerbsquelle weltweit nach dem illegalen Waffen- und Rauschgifthandel gilt", sagt der Archäologe am Römisch-Germanischen Zentralmuseums in Mainz.

Die Ermittlungen bei diesen Delikten seien sehr umfangreich, berichtete der LKA-Experte Laufer. Oftmals fänden sich jedoch Hinweise im Antikenhandel kurz nach den Plünderungen. "Da zeigt sich dann, dass die Objekte mit Legenden einer legalen Herkunft in den antiken Markt eingeschleust werden sollen."

"Diese Plünderungen sind eine erhebliche gemeinschaftliche Schädigung und kein Kavaliersdelikt", erklärte der LKA-Experte. Beim Strafmaß sei auch eine Tendenz in Richtung Verschärfung festzustellen. Die Strafen reichten je nach Delikt von Geldstrafen bis zu einer Gefängnisstrafe nicht unter einem Jahr beim gewerbsmäßigen Handel mit den Objekten.

dpa

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