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Ehefrau mit 23 Stichen getötet: Mann muss jahrelang ins Gefängnis

Prozesse Ehefrau mit 23 Stichen getötet: Mann muss jahrelang ins Gefängnis

Weil er seine Frau mit 23 Messerstichen getötet hat, muss ein Mann aus dem mittelhessischen Breidenbach acht Jahre in Haft. Das Marburger Landgericht verurteilte den Studenten am Freitag wegen Totschlags im Affekt.

Marburg. Der 31-Jährige hatte gestanden. In der Ehe habe es viel Streit gegeben. Auch unmittelbar vor der Tat im Februar habe seine 27 Jahre alte Frau ihn beschimpft und mit einem Gegenstand beworfen. Er habe seine Frau getötet, könne sich an die Tat selbst aber nicht erinnern.

"Es ist nicht auszuschließen, dass es sich um eine Affekt-Tat handelt", sagte Richter Carsten Paul. Die Staatsanwaltschaft hatte acht Jahre und neun Monate Haft wegen Totschlags unter erheblich verminderter Schuldfähigkeit gefordert. "Man kann Zweifel an den Angaben des Angeklagten haben, aber wir haben zum Tathergang nur seine Aussage", erklärte der Staatsanwalt. "Es haben sich keinerlei Anhaltspunkte für einen Vorsatz ergeben." Dass der Mann Zeugen gegenüber Monate vor der Tat gedroht hatte, seine Frau umzubringen, könne die Ehe nicht gerettet werden, hat der psychiatrische Gutachter als "nicht ernstzunehmend" bezeichnet. Bereits im Mai 2013 hatte der Mann seine Frau tätlich angegriffen und verletzt. Psychisch krank sei er aber nicht, sagte der Gutachter. Wegen häuslicher Gewalt war die Frau zwischenzeitlich zu ihren Eltern gezogen.

Nach der Bluttat in der rund 7000 Einwohner zählenden Gemeinde im Landkreis Marburg-Biedenkopf war der Mann geflohen, europaweit wurde nach ihm gefahndet. Zeugen hatten sein Auto am Tattag vor dem Haus gesehen, blutige Fußspuren in der Wohnung machten ihn ebenfalls verdächtig. Sein Auto wurde in Paris sichergestellt. Schließlich stellte er sich in Dortmund der Polizei.

Die Vertreter der Familie der Getöteten plädierten für eine zehnjährige Haftstrafe. "Der Angeklagte hat die Schuld der Familie seiner Frau zugeschoben und kein wirkliches Bedauern über seine Tat erkennen lassen", stellte ein Nebenklägervertreter fest. Die Verteidiger betonten dagegen, dass ihr Mandant unter der Tat leide. Sie plädierten für eine Haftstrafe von sechs Jahren und eine Aufhebung des Haftbefehls.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

dpa

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