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Drittes Ultimatum für Odenwaldschule - Keine Ermittlungen gegen Arzt

Schulen Drittes Ultimatum für Odenwaldschule - Keine Ermittlungen gegen Arzt

Angesichts der neuen Missbrauchsvorwürfe nehmen die Aufsichtsbehörden die Odenwaldschule in die Zange. Der Landkreis Bergstraße kündigte am Donnerstag ein erneutes Ultimatum für nächste Woche an, damit Vorfälle im Zusammenhang mit einem Kinderarzt aufgeklärt werden könnten.

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Odenwaldschule: Wegen jüngster Mißbrauchsvorwürfe unter Druck.

Quelle: Arne Dedert

Darmstadt/Heppenheim. Bisher seien die Fragen dazu völlig unbefriedigend beantwortet worden. "Die Odenwaldschule muss sich angewöhnen, Sachverhalte klar und nachvollziehbar darzustellen", sagte der stellvertretende Landrat Matthias Schimpf (Grüne). Der Schule liege eine klare Struktur vor, wie geantwortet werden müsse, doch sie halte sich nicht daran.

Die Antworten auf die Fragen hatte der Landkreis ebenfalls mit Hilfe eines Ultimatums eingefordert. Vor dessen Ablauf am Donnerstag um 12.00 Uhr hatte die Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass sie im Fall des Kinderarztes kein Ermittlungsverfahren einleitet. Der Mann habe sich nichts zuschulden kommen lassen. Es gebe keine Hinweise für "ein Verhalten des Arztes, welches geeignet wäre, Zweifel an der Eignung, Zuverlässigkeit oder Befähigung des Arztes hervorzurufen oder strafrechtlich relevant wäre".

Die neue Frist läuft am Freitag kommender Woche (23.) um 11.00 Uhr ab. Insgesamt handelt es sich bereits um das dritte Ultimatum für die Odenwaldschule innerhalb weniger Wochen. Der Landkreis arbeitet dabei eng mit dem vorgesetzten Sozialministerium zusammen. Das Ministerium hatte Anfang der Woche angekündigt, die Betriebsgenehmigung für das private Reforminternat bei Heppenheim zu prüfen. Der Odenwaldschule könnte damit die Schließung drohen.

An der Odenwaldschule waren 2010 lang vertuschte sexuelle Übergriffe an die Öffentlichkeit gedrungen. Offiziell wird die Zahl von 132 Opfern genannt. Kritiker gehen von wesentlich mehr Betroffenen aus.

Ermittlungen laufen derzeit gegen einen Lehrer, der den Besitz von Kinderpornos gestanden hat. Auch in diesem Fall hatte der Landkreis ein Ultimatum gestellt - und war mit der Antwort so unzufrieden, dass er die Schulleitung zu einem Krisengespräch einbestellte und weitere Auflagen verhängte.

Die Odenwaldschule kündigte am Donnerstag offiziell an, bis spätestens Ende September 2014 ein neues Internatskonzept vorzulegen, das sich von der heftig kritisierten engen Beziehung zwischen Lehrern und Schülern verabschieden könnte. Internatsleiterin Juliana Volkmar hatte am Dienstag bereits erklärt, dass in den als "Familien" bezeichneten Internatsgruppen Lehrer nicht mehr gleichzeitig Betreuerrollen übernehmen und mit den Schülern eng zusammenwohnen dürften. Diese Aufgabe könnten etwa Sozialpädagogen übernehmen.

Der Vorstand des Trägervereins habe nun einer Veränderung zugestimmt und werde sich auch mit diesem Aspekt befassen, sagte eine Schulsprecherin.

Zudem gab die Odenwaldschule bekannt, dass auch die jüngsten Vorwürfe wissenschaftlich aufgearbeitet würden. Ergebnisse sollen voraussichtlich 2016 vorliegen. Die Untersuchung sei am Montag begonnen worden.

dpa

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