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Das Müllproblem auf Hessens Straßen

Rast- und Parkplätze Das Müllproblem auf Hessens Straßen

Manche Parkplätze und Raststätten verkommen regelrecht zu Müllhalden. Aber auch an Straßen und Autobahnen wird hemmungslos Abfall weggeworfen. Bei allem Umweltbewusstsein - das Problem wird nicht kleiner. Illegal entsorgt wird dabei nicht nur der Alltagsmüll.

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Wiesbaden. Unzählige Plastikverpackungen, Altkleider und sogar Beutel mit Fäkalien: Der Autobahn-Rastplatz Pfefferhöhe an der Autobahn 5 im mittelhessischen Alsfeld hat ein Müllproblem. Der Abfall ist nicht nur an den Straßen und auf den Parkplätzen des Rasthofes präsent. Auch auf angrenzenden Wiesen und Äckern gerät der Abfall in den Blick.

Die Pfefferhöhe ist ein Negativbeispiel und kein Einzelfall in Hessen. Das Abfall-Ärgernis besteht an vielen Orten des Landes. Trotz des zunehmenden Umweltbewusstseins vieler Bürger: Die Müllberge an Hessens Straßen und auf Parkplätzen werden einfach nicht kleiner. "Das Müllproblem ist gleichbleibend groß - und zwar auf einem hohen Niveau", bewertet Martin Heiserholt vom Straßen- und Verkehrsmanagement Hessen Mobil in Wiesbaden. Die Behörde ist unter anderem zuständig für die Autobahnen samt ihrer Parkplätze und Raststätten sowie für Bundes- und Landesstraßen.

"Viele Verkehrsteilnehmer entsorgen ihren Müll wild und ungehemmt auf Straßen und Parkplätzen. Da ist viel Faulheit und Gedankenlosigkeit dabei", vermutet Heiserholt. So sieht es auch Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule (CDU): "Immer mehr Menschen werfen ihren Müll achtlos weg oder lassen ihn einfach liegen, insbesondere auf Straßen und Plätzen, oder auch wie hier in der offenen Landschaft." An der Pfefferhöhe auf dem Weg von Frankfurt nach Bad Hersfeld ist das Müllproblem eindrucksvoll zu beobachten. Da liegen Plastiktüten, Flaschen, Kaffeebecher, Taschentücher, Papier und Essensverpackungen und vieles mehr. All das wird im Vorbeigehen fallen gelassen, aus den Fahrzeugfenstern geworfen und bleibt am Straßenrand liegen.

Elektrogeräte, Autoteile und Möbel

Für Bürgermeister Paule sind das unhaltbare Zustände: "Denn Sauberkeit ist ein wesentlicher Bestandteil der Lebensqualität", sagt er. Doch gar nicht mal so selten bleibt es nicht beim Wegwerfen von anfallendem Alltagsmüll und Abfall auf Reisen. Auf Parkplätzen werden auch oftmals ganze Sperrmüll-Fuhren illegal entsorgt. Das kommt besonders dort vor, wo Parkplätze nicht wie etwa Rastanlagen bewirtschaftet werden. In der Dunkelheit der kleineren Parkplätze entsorge manche einer, was er im Keller stehen hat und nicht mehr benötigt - und wofür die fachgerechte Entsorgung aufwendig erscheint.

Elektrogeräte, Autoteile, Möbel und Sondermüll gehören etwa dazu. Wenn es aussieht wie auf einer Mülldeponie, greifen zuweilen erboste Reisende zum Telefonhörer und verständigen Hessen Mobil. "Aber wir können nicht ständig hinfahren und Müll aufsammeln. Dafür fehlen uns die Mittel" erklärt Heiserholt. Die Straßenränder würden überwiegend ein bis zwei Mal im Jahr vom Unrat befreit. "Jetzt im Frühling geht es wieder los mit den Reinigungsaktionen." Ende März und Anfang April startet Hessen Mobil flächendeckend mit der jährlichen Grundreinigung von Autobahnen, Bundes-, Landes- und Kreisstraßen.

"Das ist ein gesellschaftliches Problem"

Der Zeitaufwand für die Entsorgung der Abfälle sei immens und von steigender Tendenz, sagt Daniela Czirjak von Hessen Mobil. "Etwa 18.000 Tonnen Müll werden jährlich in Hessen an Straßen und auf Rastplätzen gesammelt und entsorgt", beziffert Czirjak. Davon liegen 3.000 Tonnen illegal entsorgt am Straßenrand, 15 000 Tonnen Müll werden auf Parkplätzen gesammelt. In jüngster Vergangenheit waren für die Müllsammlungen rund 30.000 Arbeitsstunden nötig, hinzu kamen noch rund 400 000 Euro Kosten für die Beauftragung von Fachfirmen sowie die allgemeine Abfallentsorgung, wie Hessen Mobil erläuterte.

Eine richtige Lösung für das Dauer-Aufgabe ist laut Hessen Mobil nicht in Sicht. "Das ist ein gesellschaftliches Problem", sagt Heiserholt. Eine große Kampagne, um darauf aufmerksam zu machen, könne sicher nicht schaden, findet er. Zwar gebe es immer mal wieder öffentlichkeitswirksame Müll-Sammel-Aktionen - doch dies sei nicht nachhaltig genug. Das Umweltministerium in Wiesbaden betreibt bereits die Kampagne "Sauberhaftes Hessen". Doch auch das Ministerium muss feststellen: "Die Vermüllung von Straßen und Landschaften ist einer der häufigsten Bürgerbeschwerden." Ebenso klagen die Städte und Gemeinden über die angewachsene Verschmutzung und steigende Reinigungskosten. Die hessischen Kommunen geben nach Ministeriumsangaben jährlich weit mehr als 200 Millionen Euro für die Reinigung öffentlicher Plätze aus. "Ein großer Teil der Gelder könnte eingespart und sinnvoller in Schulen und Kindergärten eingesetzt werden", gibt das Ministerium zu bedenken.

von Jörn Perske
und Philipp Weitzel

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