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Behörden nehmen Odenwaldschule wegen Kinderpornos in die Zange

Schulen Behörden nehmen Odenwaldschule wegen Kinderpornos in die Zange

Nach dem Missbrauchsskandal vergangener Jahre muss die Odenwaldschule wegen einer Kinderporno-Affäre erneut um Ruf und Zukunft bangen. Die Aufsichtsbehörden zwingen das südhessische Reform-Internat nach einem abgelaufenen Ultimatum zu einem Krisengespräch, um die ganze Wahrheit über den Fall eines inzwischen geständigen Lehrers zu erfahren.

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Die Odenwaldschule ist erneut in der Kritik.

Quelle: Boris Roessler/Archiv

Heppenheim. "Die Odenwaldschule hat eine Bringschuld", sagte der stellvertretende Landrat des Kreises Bergstraße, Matthias Schimpf (Grüne), am Freitag in Heppenheim. Die Schule, die vor einigen Jahren bereits wegen eines vertuschten Missbrauchsskandals die Schlagzeilen beherrschte, hätte laut Schimpf viel früher informieren müssen - schon im vergangenen Sommer, als es erste Hinweise von Schülern gab.

Am Freitagmittag ließ die Schule aus Sicht von Schimpf ein Ultimatum des Landkreises verstreichen. Dieser hatte das Internat aufgefordert, Fragen zu dem Fall zu beantworten. Die Schule habe sich gemeldet. "Die Fragen wurden aber nicht beantwortet", sagte Schimpf. "Ich halte nichts davon, heute über eine Schließung zu spekulieren. Aber die Odenwaldschule ist gut beraten, mit den Aufsichtsbehörden zu reden." Die Schule widersprach dieser Darstellung. "Aus unserer Sicht waren die Fragen beantwortet", sagte Sprecherin Gertrud Ohling-von Haken. "Wir haben uns extra einen Anwalt genommen."

Das Krisengespräch ist für kommenden Dienstag (29. April/14.00 Uhr) beim Landkreis im südhessischen Heppenheim geplant. Teilnehmen sollen Vertreter von Jugend- und Schulbehörden, die dem Sozial- und Kultusministerium im Land unterstehen. Der Landkreis hat mit seinem Jugendamt die Aufsicht über das Internat der Schule, das staatliche Schulamt Heppenheim ist für den Schulbetrieb zuständig.

Unterdessen gestand der mittlerweile fristlos entlassene Lehrer, er habe Kinderpornos aus dem Internet heruntergeladen. Laut Staatsanwaltschaft Darmstadt ist noch nicht klar, ob es sich um Filme oder Fotos handelt. Die Wohnung des 32-Jährigen war am 9. April von der Polizei durchsucht worden.

Der Beschuldigte will die Kinderpornos im Frühjahr 2011 aus dem Internet gezogen haben - Monate vor seiner Zeit an der Odenwaldschule. Öffentlich gemacht hatte die Schule den Fall erst zehn Tage nach der Durchsuchung, am selben Tag, an dem auch die ersten Zeitungen darüber berichteten.

Am Freitagnachmittag begrüßte die Schule das Geständnis des Lehrers: "Es ist gut, dass wir jetzt in diesem Punkt Klarheit haben", teilte die Präventionsbeauftragte des Trägervereins, Regina Bappert, mit. Das Geständnis bestätige die Schule in ihrer Entscheidung, sofort dafür Sorge zu tragen, dass der Lehrer nicht mehr zurückkomme. Es seien nicht nur arbeitsrechtlich alle notwendigen Schritte umgehend eingeleitet worden, sondern auch alle Aufsichtsbehörden, Mitarbeiter und Elternvertreter verantwortlich informiert worden.

Vor Jahrzehnten waren an der Schule mindestens 132 Schüler von Lehrern sexuell missbraucht worden, die Übergriffe kamen aber erst vor wenigen Jahren an die Öffentlichkeit. Die Schule hatte daraufhin Reformen versprochen, um für die Schüler Sicherheiten einzubauen.

Die Staatsanwaltschaft teilte mit, ein im Zusammenhang mit dem Anfangsverdacht gegen den Lehrer eröffnetes separates Ermittlungsverfahren sei wieder eingestellt worden. Dies habe nichts mit der Kinderporno-Durchsuchung zu tun, sondern mit den erst jetzt bekannt gewordenen Äußerungen von Schülern aus dem vergangenen Sommer. Schüler hatten berichtet, der Lehrer habe ein "merkwürdiges und komisches" Verhalten an den Tag gelegt.

Sexuelle Übergriffe und damit ein strafrechtliches Verhalten des Mannes seien aber nicht festgestellt worden, sagte Staatsanwalt Noah Krüger. "Dafür gab es keine konkreten Anhaltspunkte."

dpa

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