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Schulen

Odenwaldschule stellt sich neu auf: Geld fehlt

Die Odenwaldschule in Südhessen will mit neuem Führungspersonal und stark veränderten Strukturen aus der Krise kommen. Gut ein halbes Jahr nach dem Rauswurf des Leitungsteams an der privaten Internatsschule sind drei wichtige Führungsposten neu besetzt.
Zum 1. August gibt es nun auch einen neuen Schulleiter.

Zum 1. August gibt es nun auch einen neuen Schulleiter.

© Arne Dedert/Archiv

Heppenheim. Schulleiter wird zum 1. August Rainer Blase (49), wie die Schule am Donnerstag in Heppenheim mitteilte. Die Arbeit bereits aufgenommen haben Internatsleiterin Sonya Mayoufi (41) und Geschäftsführer Marcus Halfen-Kieper (47).

"Das ist ein ganz klarer Neuanfang", sagte Halfen-Kieper. Verloren gegangenes Vertrauen müsse zurückgewonnen werden. "Das ist ein steiniger und harter Weg. Wir werden aber an Bord bleiben."

Für Ende Februar haben die Aufsichtsbehörden nach Angaben des Landkreises Bergstraße eine Entscheidung über die Betriebsgenehmigung der Odenwaldschule geplant. "Das sind umfängliche Unterlagen", sagte die Sprecherin des hessischen Sozialministeriums, Esther Walter. Die Schule braucht eine neue Genehmigung, weil sie nach neuerlichen Missbrauchs-Verdächtigungen im vergangenen Jahr auf Drängen der Behörden Struktur und Organisation verändert.

Vor fünf Jahren war an der Reformschule ein jahrelang vertuschter sexueller Missbrauch von mindestens 132 Schülern ans Tageslicht gekommen. Seitdem war keine Ruhe eingekehrt. Wegen unterschiedlicher Ansichten über die Neuausrichtung mussten im vergangenen Sommer Schulleiter Siegfried Däschler-Seiler, Internatsleiterin Juliana Volkmar und der langjährige Geschäftsführer Meto Salijevic gehen. Schon davor hatte es personelle Wechsel an der Spitze gegeben, aber nicht einen solchen drastischen Einschnitt.

Die neuerlichen Missbrauchs-Verdächtigungen bestätigten sich 2014 nicht. Die Aufsichtsbehörden bemängelten aber fehlende Transparenz seitens der Schule und sahen sich zum Einschreiten gezwungen. Sie forderten eine strikte Trennung von Internat und Schule, eine neue Rechtsform und eine sichere Finanzierung. Nun soll die Odenwaldschule eine gemeinnützige GmbH werden und kein eingetragener Verein mehr sein. Alleingesellschafter der GmbH soll eine Stiftung werden. In der GmbH sollen dann die drei neuen Leiter noch gleichberechtigte Geschäftsführer werden, die verschiedene Bereiche vertreten.

Ein großes Problem ist aus Sicht der Schule das Geld. "Wir sind zur Zeit ein Zuschussgeschäft", sagte der Vorsitzende des Odenwaldschule-Vereins, Gerhard Herbert. Laut Halfen-Kieper werden in den nächsten beiden Jahren insgesamt rund zwei Millionen Euro zusätzlich gebraucht. Deshalb sei die Schule auch mit Banken im Gespräch. "Unsere Chance auf die Genehmigung wird 100 Prozent sein, wenn wir Finanzierungszusagen haben."

An der Odenwaldschule ist die Zahl der Schüler nach Bekanntwerden des Missbrauchs deutlich zurückgegangen. "Im vergangenen Jahr gab es einen herben Einbruch", sagte Halfen-Kieper. Inzwischen gebe es 149 Schüler, 80 im Internat und 69 in der Schule. Wichtig sei, dass über die Jugendhilfe wieder Schüler nach Heppenheim geschickt werden. Dies hatte der Landkreis Bergstraße wegen des Missbrauchsskandals gestoppt. Halfen-Kieper zeigte sich aber zuversichtlich.

Für Missbrauchsopfer nimmt die Odenwaldschule nach Ansicht des Opfervereins "Glasbrechen" nach wie vor zu wenig Geld in die Hand. Der häufige Personalwechsel komme teuer, meinte der Vorsitzende Adrian Koerfer. "Geld scheint vorhanden zu sein - nur nicht für die Opfer der Odenwaldschule", teilte er mit. "Wo es am Geld fehlt, fehlt es am Bewusstsein."

dpa


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