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Bildung

Weniger Kita-Personal als im West-Schnitt

Die Betreuungsverhältnisse in hessischen Kindertageseinrichtungen haben sich zwar leicht verbessert. Laut einer Studie liegen sie aber noch immer unterhalb des Durchschnitts aller westdeutschen Bundesländer. Die Bertelsmann Stiftung empfiehlt mehr Personal.
Gummistiefel hängen in der Kindertageseinrichtung an einer Wand.

Gummistiefel hängen in der Kindertageseinrichtung an einer Wand.

© Rolf Vennenbernd/Archiv

Gütersloh. Beim Personal pro Krippen- und Kindergartenkind schneidet Hessen nach einer Studie schlechter ab als die westdeutschen Bundesländer im Durchschnitt. Eine vollzeitbeschäftigte Fachkraft ist in Hessen für 3,8 ganztags betreute Krippen- oder für 9,8 Kindergartenkinder zuständig, wie die Bertelsmann Stiftung mitteilte. Damit sei der sogenannte Personalschlüssel für beide Altersgruppen etwas ungünstiger als im westdeutschen Durchschnitt (1 zu 3,6 und 1 zu 8,6). Im Kindergarten hat Hessen beim Personalschlüssel sogar die rote Laterne aller westdeutschen Bundesländer. Das zeigt der am Mittwoch zur Veröffentlichung freigegebene Ländermonitor der Stiftung zum Thema "Frühkindliche Bildungssysteme".

Die Studie - Stichtag der Datenerhebung war der 1. März 2015 - kommt zu dem Ergebnis, dass die Personalschlüssel in Hessen nur leicht besser geworden sind. So seien 2012 rechnerisch auf eine Erzieherin noch 4,1 Krippen- oder 10,0 Kindergartenkinder gekommen. Im Ländervergleich liegt Hessen bei der Verbesserung des Personalschlüssels in den Krippen im oberen Mittelfeld. Im Kindergarten dagegen gehört es in der Kategorie Verbesserung zusammen mit Bayern und Sachsen zu den schwächsten.

Um die Personalschlüssel auf das von der Bertelsmann Stiftung empfohlene Niveau zu heben, seien 7600 zusätzliche Vollzeitkräfte in Hessen notwendig. Die Kosten für dies Erzieher bezifferte die Stiftung auf jährlich rund 332 Millionen Euro. Verglichen mit den aktuellen Personalkosten in den Kitas von 1,3 Milliarden Euro wäre das ein Zuwachs von 26 Prozent. In ganz Deutschland fehlen den Angaben zufolge 107 000 Mitarbeiter.

Jedes vierte der unter Dreijährigen besucht in Hessen eine Kindertageseinrichtung. Bei den Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren sind es 94 Prozent. Um den Jungen und Mädchen vor der Schule eine gute Kita zu bieten, sei ein kindgerechtes Betreuungsverhältnis wichtig, betonte die Stiftung. "Trotz der Verbesserungen hat Hessen ähnlich wie die meisten anderen Bundesländer noch keinen pädagogisch sinnvollen Wert erreicht", urteilten die Forscher. Nach den Empfehlungen der Bertelsmann Stiftung sollte sich eine Erzieherin um höchstens drei Kleinkinder (unter drei Jahre) kümmern. Bei den Kindergartenkindern sollten es rechnerisch nicht mehr als 7,5 sein.

Das tatsächliche Betreuungsverhältnis im Kita-Alltag fällt nach Einschätzung der Stiftung sowieso schlechter aus als der rechnerische Personalschlüssel. Denn Erzieherinnen wendeten mindestens ein Viertel ihrer Zeit für Team- und Elterngespräche, Dokumentation und Fortbildung auf. Dazu kämen zunehmend längere Öffnungszeiten der Kitas ohne zusätzliches Personal. Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, betonte: "Der Kita-Besuch allein verbessert nicht die Bildungschancen der Kinder. Es kommt auf die Qualität der Angebote an."

Dräger forderte: "Bundeseinheitliche Rahmenbedingungen für Kitas sind für mehr Chancengerechtigkeit notwendig." Die Akteure im Kita-System müssten sich auf Standards verständigen. "Deren Finanzierung erfordert eine gewaltige Kraftanstrengung, die von Bund, Ländern, Kommunen, Trägern und Eltern nur gemeinsam zu stemmen ist."

Die Macher der Studien verdeutlichten: "Der Wohnort bestimmt die Bildungschancen eines Kindes." Denn zwischen den Bundesländern fielen die Personalschlüssel nach wie vor sehr unterschiedlich aus. Bundesweiter Spitzenreiter sowohl in den Krippen (1 zu 3,0) als auch in den Kindergärten (1 zu 7,3) ist Baden-Württemberg. Schlusslicht bei den jüngeren Kindern ist Sachsen (1 zu 6,4) und bei den älteren Kindern Mecklenburg-Vorpommern (1 zu 14,1).

dpa


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