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Umweltpolitik

"Erhebliches Gefahrenpotenzial"? - In Biblis werden Kritiker gehört

Die einen bemängeln unvollständige Unterlagen, die anderen haben Bedenken wegen radioaktiver Strahlung oder Fragen zur Finanzierung des Rückbaus: Am Dienstag hat die mündliche Erörterung zur Stilllegung des Atomkraftwerks Biblis begonnen.
Mündlichen Erörterung zur Stilllegung des AKW Biblis.

Mündlichen Erörterung zur Stilllegung des AKW Biblis.

© B. Roessler/Archiv

Biblis. Bürger können dabei in der südhessischen Gemeinde Kritik und Fragen an den Betreiber RWE und das hessischen Umweltministerium loswerden.

Beim Ministerium waren 49 schriftliche Einwände gegen die im Mai veröffentlichten Pläne von RWE eingegangen - unterzeichnet von mehr als tausend Einwendern. "Grundsätzlich ablehnende Haltungen" waren laut Ministerium nicht darunter. Die Kritik richtet sich auch gegen die Vorhaben zum Strahlen- und Katastrophenschutz sowie zu Entsorgung und Endlagerung der Abfälle. Auch die Öffentlichkeit sei nicht ordentlich beteiligt worden.

"Der Abbau des AKW Biblis ist für viele Bürgerinnen und Bürger der Region ein hoch emotionales Thema", sagte Umweltministerin Priska Hinz (Grüne). "Darum ist es wichtig, dass wir mit allen Bedenken, Sorgen und Einwendungen sorgfältig und transparent umgehen." Das Umweltministerium hat den Veranstaltungsort für zunächst zwei Tage angemietet.

Die Erörterung ist Teil des Genehmigungsverfahrens zu Stilllegung und Abbau der beiden Reaktorblöcke. Nach Prüfung noch offener Fragen will das Ministerium über die Genehmigung entscheiden. Der Abbau des Kernkraftwerks selbst werde rund 15 Jahre dauern, heißt es bei RWE. Die beiden 1974 und 1976 errichteten Atomreaktoren Biblis A und B waren nach dem Beschluss zum Atomausstieg vom Netz gegangen. Einige Kritiker bemängelten am Dienstag, RWE habe noch nicht verbindlich erklärt, die Anlage endgültig stillzulegen.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Hessen sieht "ein erhebliches Gefahrenpotenzial" beim Abriss des Atomkraftwerks. Die fast 1000 Brennelemente würden in offenen Nasslagerbecken gelagert, die ständig gekühlt werden müssten. "Fällt die Kühlung eines Nasslagerbeckens aus, kann auch jetzt noch ein Störfall mit immensen Auswirkungen und radioaktiver Verseuchung des ganzen Rhein-Main-Neckar-Raums erfolgen", sagte Werner Neumann, Sprecher des BUND-Bundesarbeitskreises Energie.

Ein weiteres Problem sieht der BUND in der Wiederverwertung von Materialien nach dem geplanten Abbau der Reaktorblöcke. Dabei könnten tausende Tonnen radioaktiv belasteten Materials in die Umwelt gelangen. "Riesige Mengen von Radioaktivität mit einer Aktivität von Hunderten Billionen Becquerel werden dann auf Alltagsgegenstände verteilt, kommen aus der Abluft von Müllverbrennungsanlagen oder werden in Gebäude, Straßen und Sportplätze als Recyclingmaterial eingebaut, und niemand weiß wo."

dpa


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