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Flüchtlinge

Deutschkurse und Spenden: Viele unterstützen Flüchtlinge

Spenden, kümmern, Kontakte knüpfen: Viele Hessen reagieren auf die weiter wachsende Zahl von Flüchtlingen mit großer Hilfsbereitschaft. Im ganzen Land gebe es viel ehrenamtliches Engagement, sagte Eugen Deterding, Referent für Flucht und Asyl bei der Diakonie Hessen.
Die Ankunft der Flüchtlinge löste eine Welle der Hilfsbereitschaft aus.

Die Ankunft der Flüchtlinge löste eine Welle der Hilfsbereitschaft aus.

© Arne Dedert/Archiv

Gießen/Marburg. "In dieser Dimension haben wir das vorher nicht gekannt." Zuletzt berichtete die mittelhessische Stadt Marburg von einer Welle der Hilfsbereitschaft. Dort leben seit Anfang der Woche Asylsuchende in einem Zeltdorf. Hunderte Bürger hätten bereits ihr Engagement zugesagt, erklärte Sprecherin Sabine Preisler.

Die Stadt will eine Anlaufstelle für Flüchtlinge und Bürger einrichten. Dort soll es die Möglichkeit zur Begegnung geben, für Engagement, Beratung, Deutschkurse oder Kinderbetreuung. "Es gilt derzeit vor allem, die vielen Angebote von Ehrenamtlichen sinnvoll zu koordinieren." Auch im Internet sind die Bürger aktiv: Eine Facebook-Gruppe mit dem Titel "Den Flüchtlingen in Cappel helfen" hat bereits mehr als 1100 Mitglieder.

Die Zelte im Stadtteil Marburg-Cappel sollen über den Sommer als Notunterkunft der überfüllten hessischen Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge dienen, bis Kasernen im osthessischen Rotenburg und in Büdingen (Wetteraukreis) genutzt werden können. Derzeit betreut die Erstaufnahmeeinrichtung an mehreren Standorten über 7000 Menschen. Knapp 2000 kommen derzeit - "so kurz wie möglich" - in Zelten unter, wie das zuständige Regierungspräsidium Gießen mitteilte. Zelte für Flüchtlinge stehen auch in Wetzlar und Gießen. Dort kümmern sich ebenfalls Bürger - zudem in den Kommunen, wo die Flüchtlinge nach ihrer Zeit in der Erstaufnahme Gemeinschaftsquartiere beziehen.

Ehrenamtliches Engagement ergänze die hauptamtliche Flüchtlingsarbeit in besonderer Weise, sagte Diakonie-Mitarbeiter Deterding weiter. Der Fokus der Profis liegt demnach unter anderem auf der Beratung und Aufklärung der Asylsuchenden in rechtlichen Fragen. Dank freiwilliger Hilfe sei eine Willkommenskultur in der Breite der Bevölkerung möglich.

Die Hessen helfen mit ganz verschiedenen Initiativen: Dazu gehören neben Deutschkursen und Kinderbetreuung auch Spendenaktionen, gemeinsame Kochabende zum Kontaktknüpfen, Unterstützung bei Behördengängen oder Angebote zur Jobvermittlung.

Jobs für Asylbewerber - das ist auch dem Deutschen Gewerkschaftsbund Hessen-Thüringen (DGB) ein Anliegen. Flüchtlinge sollen nach dessen Ansicht künftig schneller eine Arbeit aufnehmen können. Der Staat müsse schon aus finanziellen Gründen ein großes Interesse haben, die Menschen rasch auf dem Arbeitsmarkt zu integrieren - auch wenn ihr Asylantrag noch nicht entschieden sei, sagte die Bezirksvorsitzende Gabriele Kailing. Davon würde nicht nur die Wirtschaft bei der Suche nach Fachkräften profitieren. Auch könnten Flüchtlinge mit Arbeit selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen, so dass die öffentliche Hand dafür weniger Geld aufbringen müsse.

Der Flüchtlingsseelsorger bei der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Hermann Wilhelmy, berichtet ebenfalls von großem Engagement in der Bevölkerung. Das gebe es auch dort, wo Flüchtlinge erst noch kommen sollen wie beispielsweise in Büdingen. Dort wird derzeit eine Kaserne zu einer weiteren Erstaufnahmestelle umgebaut.

Pfarrer Wilhelmy wies darauf hin, dass der freiwillige Einsatz auch belastend für die Helfer sein könne. Schwierige Momente gebe es etwa dann, wenn einmal geknüpfte Beziehungen durch Abschiebungen bedroht seien.

dpa


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