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Pilotenstreik bei Lufthansa wird immer härter

Pilotenstreik und kein Ende: Auch am dritten Tag der zwölften Streikwelle hat sich keine Lösung für den festgefahrenen Tarifkonflikt zwischen der Lufthansa und ihrem Cockpit-Personal abgezeichnet.
Die Fronten sind verhärtet.

Die Fronten sind verhärtet.

© Hendrik Schmidt

Frankfurt/Main. Am Freitag fielen erneut rund 700 Kurz- und Mittelstreckenflüge aus, bevor am Samstag wieder die Langstrecke bestreikt werden sollte. Erneut müssen rund 20 000 Passagiere ihre Pläne ändern, wenn nur rund die Hälfte der 160 geplanten Übersee-Verbindungen bedient wird. In der Frachtsparte sollen 60 Prozent der Flüge ausfallen.

Da am Freitag gleichzeitig auch noch die italienischen Fluglotsen die Arbeit niederlegten, sagte Lufthansa 790 von 1400 geplanten Verbindungen ab. Rund 94 000 Passagiere waren nach Unternehmensangaben allein am Freitag vom Ausstand betroffen. Mit nunmehr vier Streiktagen war die zwölfte Streikwelle die bislang längste und hat insgesamt 220 000 Passagiere getroffen.

Die Töchter Germanwings und Eurowings wurden nicht bestreikt und dienten auf einigen Strecken als Ausweichmöglichkeit. Bezogen auf die gesamte Lufthansa-Gruppe würden am Freitag rund drei Viertel der Flüge abheben können, betonte ein Lufthansa-Sprecher: "Nach den letzten Streiktagen konnten wir durch Erfahrungswerte bereits viel ausgleichen."

Besonders ärgerlich ist der Streik für viele Wochenend-Pendler. "Gerade der Freitag ist bei uns immer der verkehrsreichste Tag", sagte ein Sprecher der Münchner Flughafens, wo etwa 330 Starts und Landungen auf den Kurz- und Mittelstrecken entfielen.

Wer am Frankfurter Flughafen auf eine andere Gesellschaft umgebucht hatte, konnte im Einzelfall von einem weiteren Streik ausgebremst werden. Die Gewerkschaft Verdi hatte ab Freitagmittag die Beschäftigten des Bodenabfertigers Acciona zu einem Warnstreik bis 20.00 Uhr aufgerufen. Das spanische Unternehmen fertigt in Frankfurt die Jets mehrerer ausländischer Airlines ab und zahlt nach Verdi-Angaben unter dem Niveau des größeren Anbieters Fraport.

In der Streikzeit waren in Frankfurt die Umläufe von bis zu 80 Jets bedroht. Man werde alles daran setzen, die Maschinen am Abend noch vor Einsetzen des Nachtflugverbots um 23.00 Uhr in die Luft zu bringen, sagte ein Flughafensprecher.

Ein Ende der Streikwelle bei der Lufthansa ist nicht abzusehen. Mögliche weitere Streiks werde man wie bislang mit einem Vorlauf von 24 Stunden ankündigen, sagte die Tarifexpertin der Vereinigung Cockpit (VC), Ilona Ritter. Sie forderte Lufthansa erneut zu ernsthaften Gesprächen über eine Gesamtlösung auf.

Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg schloss Ausstände über die Osterfeiertage nicht aus. Die Gewerkschaft halte sich "alle Optionen offen - auch Streiks über Ostern", sagte er der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (Samstagausgabe).

Anlass für die mittlerweile zwölfte Streikwelle ist das Scheitern der Tarifgespräche zwischen Lufthansa und der VC. Der größte Streitpunkt betrifft die Übergangsversorgung bis zur Rente der rund 5400 Piloten, die nach dem Konzerntarifvertrag bezahlt werden.

Es geht aber auch um die Betriebsrenten und Gehälter der Piloten. Man wolle keineswegs in die Geschäftspolitik der Lufthansa eingreifen, aber auch den zum Ausbau stehenden Billigbereich des Konzerns tariflich begleiten, sagte die VC-Vertreterin.

Der nächste Tarifkonflikt steht mit der Gewerkschaft Verdi an, die ab Montag mit der Lufthansa über die Einkommen von rund 33 000 Lufthansa-Beschäftigten am Boden verhandelt. Verdi will dabei ausdrücklich nicht über die Betriebsrenten sprechen, die Lufthansa wegen zu hoher Kosten dringend reformieren will. Dieser Punkt ist auch bei den Piloten und den Flugbegleitern strittig.

Von der Politik hat das Unternehmen noch einmal besseren Schutz vor Streiks verlangt. Für die "kritische Verkehrsinfrastruktur" müssten frühzeitige Schlichtung, rechtzeitige Ankündigungsfristen und eine Grundversorgung sichergestellt werden, erläuterte Personalvorstand Bettina Volkens in einem Brief an mehrere Bundestagsfraktionen in Berlin. Derartige Regelungen gebe es bereits in wichtigen EU-Staaten wie Frankreich, Italien und Spanien.

dpa


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