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Agrar

Bauern in Hessen fürchten Gewinneinbußen trotz guter Ernte

Die Gewinne für Hessens Bauern stiegen zuletzt in die Höhe, auch die Getreideernte fiel gut aus, aber der Ausblick für das Wirtschaftsjahr 2014/2015 verdüstert sich: Der hessische Bauernverband rechnet mit Gewinnrückgängen von 30 Prozent für die Landwirte.
Bauern rechnen mit 30 Prozent Gewinnrückgang.

Bauern rechnen mit 30 Prozent Gewinnrückgang.

© Boris Roessler/Archiv

Alsfeld. Die Agrarpreise befänden sich auf Talfahrt und auf den Märkten herrsche großer Druck, begründete der Generalsekretär des hessischen Bauernverbandes, Peter Voss-Fels, die Prognose, als er am Donnerstag in Alsfeld die landesweite Erntebilanz vorstellte.

Trotz Wetterkapriolen in Hessen lag die Gesamterntemenge bis zum 30. Juni bei 2,2 Millionen Tonnen Getreide auf hohem Niveau - sechs Prozent über dem fünfjährigen Mittelwert. "Und das, obwohl die Niederschlagsverteilung im Frühjahr und Sommer alles andere als optimal gewesen ist", sagte Voss-Fels. Beim Raps lägen die Bauern mit einer Erntemenge von 287 000 Tonnen 14 Prozent über dem Vorjahresergebnis und 19 Prozent über dem mehrjährigen Mittel.

Je nach Region seien aber die Erntemenge und vor allem die Qualität sehr unterschiedlich ausgefallen. "Mengen und Qualitätsverluste trüben die Stimmung in den Spätdruschgebieten ganz erheblich", sagte Voss-Fels. Wegen durchnässter Flächen kamen etwa im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis Mähdrescher mit Raupenfahrwerken zum Einsatz. Herkömmliche Maschinen wären auf den Feldern steckengeblieben. "Für die Bauern waren die Erntebedingungen sehr nervenaufreibend. Menschen und Maschinen wurde alles abverlangt", sagte Voss-Fels.

Zusätzlich belasten die "unbefriedigenden Erzeugerpreise" die Betriebe. Sie seien im Vergleich zum Vorjahr um rund 15 Prozent gesunken. Für Brotweizen beispielsweise gebe es etwa 135 Euro je Tonne. Im Vorjahreszeitraum seien es 158 Euro je Tonne gewesen. Für Winterraps erlösen die Bauern aktuell im Durchschnitt 290 Euro je Tonne, 2013 waren es noch 340 Euro.

Bei den Zuckerrüben läuft nach Verbandsangaben alles auf eine Rekordernte von mehr als 80 Tonnen je Hektar heraus. Der Durchschnittsertrag habe in den vergangenen zehn Jahren bei rund 72 Tonnen je Hektar gelegen. Auch die Kartoffelerträge seien in diesem Jahr mit rund 40 Tonnen pro Hektar gut. Verheerend seien dagegen die Erzeugerpreise. Mit weniger als zehn Euro je 100 Kilogramm erreichten sie nur ein Drittel des Vorjahresniveaus.

Die Gewinne der Bauern lagen laut erster Auswertung der Betriebsergebnisse im am 30. Juni abgelaufenen Wirtschaftsjahr recht hoch. Wegen besserer Erzeugerpreise seien es 3900 Euro pro Monat pro Familienarbeitskraft gewesen. Im Vorjahr waren es nur 3100 Euro. Der Betrag sei aber nicht mit dem Nettolohn eines Arbeitnehmers vergleichbar. Davon müssen Sozialversicherungsbeiträge, Steuern und Investitionen finanziert werden.

Der Ausblick im Detail: Schweinehalter müssen sich auf niedrigere Erlöse einstellen, ebenso gehen die Ferkelpreise zurück. Nach einer ertragreichen Phase drohten nun auch bei den Milcherzeugerpreisen Senkungen. Die Ausbildungssituation ist in der hessischen Landwirtschaft hingegen gut. Derzeit bewege sich die Zahl der Auszubildenden stabil bei 180.

In Hessen gibt es rund 17 000 landwirtschaftliche Betriebe. 6000 davon werden im Vollerwerb betrieben und 11 000 als Nebenerwerb. Wegen des Strukturwandels in der Landwirtschaft geben pro Jahr zwei Prozent der Höfe in Hessen auf.

dpa


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