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Welt Zwei ungleiche Partner im Gleichschritt
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16:31 26.04.2018
Auslaufmodell: Die Tornados der Bundeswehr sind in die Jahre gekommen. Jetzt planen Deutschland und Frankreich gemeinsam einen neuen Kampfjet. Quelle: dpa
Berlin

Militärisch kämpfen Berlin und Paris seit Jahrzehnten in völlig unterschiedlichen Gewichtsklassen.

Frankreich, die mit Flugzeugträgern und Atomraketen bewaffnete Grande Nation, schreckt in Krisenregionen wie zuletzt Syrien nicht davor zurück zu intervenieren. Mit der Hypothek zweier verschuldeter Weltkriege hat sich Deutschland sicherheitspolitisch aus gutem Grund mehr Zurückhaltung auferlegt. Sehr zum Unmut einiger Nato-Partner, die der Bundesregierung vorwerfen, dem wirtschaftlichen Gewicht des Landes militärisch kaum Rechnung zu tragen und sich aus der Verantwortung zu stehlen.

Wenn zwei so ungleiche Partner beschließen, nach Jahren getrennter Wege gemeinsam aufzurüsten, geschieht das nicht ohne Druck von außen. Der neue amerikanische Egoismus unter einem erratischen US-Präsidenten Donald Trump und die wachsende Furcht an der Nato-Ostflanke vor einer neuen russischen Bedrohung zwingen Frankreich und Deutschland zum Umdenken. Beide Länder üben den Gleichschritt, um Europa in unsicheren Zeiten militärisch unabhängiger und schlagkräftiger zu machen. Das ist gut so.

Die Gründung der europäischen Verteidigungsunion „Pesco“ Ende 2017 bildete den Anfang. Nun kommt mit dem Bau eines deutsch-französischen Kampfjets ein milliardenschweres Prestigeprojekt hinzu. Das Flugzeug soll den in die Jahre gekommenen Tornado ablösen und später auch den Eurofighter und die französische Rafale.

Beim Bau dieses sogenannten Future Combat Air System (FCAS) wollen die Konzerne Airbus und Dassault zusammenarbeiten. Deutsche und Franzosen entscheiden sich damit gegen den Kauf fertiger US-Systeme und für mehr Eigenständigkeit – ein klares Signal in Richtung Washington.

Europäische Verteidigungsressourcen zu bündeln, ist vernünftig. Gegenwärtig leisten sich die Europäer 178 unterschiedliche Waffensysteme. Nicht selten gibt es sinnlose Überschneidungen. Ein Blick zurück zeigt allerdings auch, dass es bei früheren Gemeinschaftsprojekten immer wieder hakte.

Beispiel: der A400M. Zu viele Akteure an zu vielen Orten haben die Auslieferung des Transportflugzeugs um fast zwölf Jahre verzögern lassen. Solche Nachlässigkeiten werden sich Paris und Berlin in Zukunft nicht leisten können.

Außerdem müssen beide Länder den Beweis antreten, dass sie nicht nur eine reine Rüstungsunion schmieden. Denn viel dringender als gemeinsame Kampfflugzeuge, Panzer und Gewehre benötigt Europa eine Verteidigungsunion mit einer einheitlichen geostrategischen Ausrichtung. Andernfalls wird sich bei der nächsten Krise wieder das altbekannten Muster zeigen: eine aufgesplitterte Truppe, deren Akteure nicht miteinander, sondern gegeneinander arbeiten.

Von Jörg Köpke

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