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Welt Zwei neue Herzen für zwei Schwestern
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14:18 30.11.2018
Lilli Kuhn und Olga Hilz haben beide im Herzzentrum ein neues Spenderorgan bekommen. Quelle: Sebastian Kahnert/dpa
Dresden

Als Olga Hilz die Augen aufschlägt, blendet sie zunächst grelles Licht. Sie liegt in einem Krankenhausbett im Universitätsklinikum Carl Gustav Carus. „Lebe ich noch?“, fragt die 66-Jährige verwundert. Die Krankenschwestern nicken bejahend. Olga lebt wieder, und das nun schon seit vier Monaten. Denn sie bekam ein neues Herz transplantiert – genau wie ihre Schwester Lilli Kuhn einige Jahre zuvor. Beide litten an einer erblichen Herzschwäche, bereits ihr Vater, ihre Schwester und ihre Nichte erlagen der Krankheit, wie die „Dresdner Neusten Nachriten“ berichten.

Die 59-Jährige Lilli wurde vor neun Jahren operiert. Dass mit ihrem Herz irgendetwas nicht stimmte, merkte sie allerdings schon früher, im März 2004. Damals erkrankte sie an einer Grippe. „Nachdem ich mich davon erholt hatte, fühlte ich mich immer noch nicht gut“, erinnert sie sich. „Vieles war sehr anstrengend für mich, häufig blieb mir einfach die Luft weg. Damals tippte ich schon auf das Herz als Ursache“. Immer wieder war sie deswegen im Krankenhaus, 2005 setzte man Lilli sogar einen Herzschrittmacher ein. „Ich fühlte mich trotzdem noch nicht besser, zudem sammelte sich Wasser in meinem Körper an“, berichtet sie.

„Man hängt einfach an seinem Leben“

Im Jahr 2008 wurde Lilli ins Herzzentrum eingeliefert. Man diagnostizierte ihr eine undichte Herzklappe. „Da wurde dann schnell klar, dass eine Transplantation unumgänglich ist.“ Im Oktober desselben Jahres wurde Lilli Kuhn schließlich auf die Warteliste für ein Spenderherz gesetzt. HU-Liste heißt diese – kurz für High Urgency, zu Deutsch „Hohe Dringlichkeit“. Einfach war diese Situation für sie damals nicht. „Es ist komisch, zu hören, dass man austherapiert ist und auf die Warteliste gesetzt wird. Man hängt einfach an seinem Leben“, sagt Lilli.

2009 verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand drastisch. „Ich konnte kaum noch zehn Meter gehen, das Atmen fiel mir schwer.“ Am 1. August 2009 kam für Lilli der erlösende Anruf, nur ein paar Stunden später wurde sie operiert. Über das neue Herz wusste sie nur, dass es von einer 52-jährigen Frau gespendet wurde.

Bis auf wenige Ausnahmen haben vor allem die HU-Patienten die Chance, ein Organ zu bekommen. Lillis Schwester Olga kam 2014 im Alter von 62 Jahren auf die Warteliste mit normaler Dringlichkeit. Sie wusste, die Chance auf ein Spenderherz war gering. „Klar lebt man weiter, und man hofft, dass es einfach schnell geht“, sagt Olga. Sie wartete. Vier lange Jahre.

Olgas Glück: Eine seltene Blutgruppe

Am 11. Juli dieses Jahres teilte man ihr schließlich am Telefon mit, dass man ein Herz für sie habe. Ihre seltene Blutgruppe war ihr ganzes Glück – und sorgte dafür, dass sie trotz eines schier aussichtslosen Listenplatzes ein Spenderherz erhielt. „Als ich das meinem Mann erzählt habe, kullerte im eine Träne über seine Wange“, erzählt Olga sichtlich gerührt.

Ihre Schwester Lilli begleitete sie damals ins Krankenhaus, stand ihr zur Seite. Für den 12. Juli war die komplexe, mehrstündige Operation angesetzt. Das Spenderherz hatte wenige Stunden vorher noch in der Brust einer 35-Jährigen geschlagen. Die Ärzte mussten sich beeilen: Denn zwischen Entnahme und Transplantation dürfen maximal fünf Stunden liegen. Zudem besteht bei Herztransplantationen das Risiko, dass das Hohlorgan durch den Transport oder fehlende Durchblutung Schäden davonträgt und nicht „anspringt“. Doch der Eingriff glückte, Olga erhielt ihr Spenderorgan. „Ich habe bedauert, dass jemand gehen musste. Und umso dankbarer war ich“, sagt sie heute.

Nach der Operation fühlte Olga einen richtigen Antrieb. Sie wollte aufstehen, etwas machen. „Mit 66 Jahren – da fängt das Leben an, oder?“, fragt sie lachend. Dann wird sie nachdenklich. „Für mich hat das wirklich gestimmt – mir wurde in diesem Alter ein neues Leben geschenkt. Man lebt danach viel bewusster. Ich weiß, das ist nun meine zweite Chance. Ich schätze die Lebenszeit, die ich nun gewonnen habe“, sagt sie. Aller vier Wochen muss Olga nun zur Blutabnahme, sie nimmt Medikamente. „Man hat neue Pflichten und muss regelmäßig zu Untersuchungen – aber das setze ich nicht mehr aufs Spiel“, sagt Olga.

Zahl der verfügbaren Spenderorgane sinkt

Eine Transplantation ist eine einzigartige Therapieform. „Es gibt keine andere, die Erkrankten eine derart neue Lebensqualität ermöglicht“, erklärt Oberarzt Sems-Malte Tugtekin. Dennoch versterben trotz der höchsten Dringlichkeitsstufe oft Personen während des Wartens. „Bekommt jemand ein Herz, der nicht einmal auf der HU-Liste steht, wie Frau Hilz, ist das wirklich ein Sechser im Lotto.“

Die Diskrepanz zwischen Wartenden und verfügbaren Spenderorganen sei in letzten Jahren sehr dramatisch geworden: 2017 gab es bundesweit nur 257 Herztransplantationen – 2007 lag diese Zahl noch bei knapp 400. Zur Zeit warten laut der Vermittlungsstelle für Organe Eurotransplant 37 Menschen in Sachsen auf ein Spenderherz. „Das ist ärgerlich. Wir haben eine optimale Therapieform, aber können sie aufgrund mangelnder Spenderorgane nicht anwenden“, so Tugtekin weiter.

Eine Lösung für ihn stellt die Widerspruchslösung dar – wie auch Gesundheitsminister Jens Spahn jüngst gefordert hatte. Die Zustimmung zur Organspende gilt als getroffen, wenn der Betroffene nicht explizit widerspricht. „Es kämen mehr Organspender in Frage, die Angehörigen hätten Klarheit über den letzten Willen des Betroffenen“, zählt Tugtekin die Vorteile auf. Die beiden Schwestern pflichten ihm bei. „Es ist ja nicht zu viel verlangt, sich damit zu auseinanderzusetzen. Schließlich kann es jeden treffen“, gibt Lilli Kuhn zu bedenken. „Dabei hat der Mensch damit die Möglichkeit, viele andere Erkrankte zu retten.“

Von RND/DNN

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