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18:03 03.08.2015
Die beiden Analog-Astronauten, Carmen Köhler aus Berlin (l) und der Spanier Inigo Munoz Elorza, haben ihren ersten Einsatz auf dem Kaunertaler Gletscher. Quelle: dpa
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Der silbrige Raumanzug der beiden Spaziergänger glitzert unter tiefblauem Himmel. Carmen Köhler aus Berlin und ihr spanischer Kollege Inigo Munoz Elorza haben am Montag auf dem Kaunertaler Gletscher in Tirol als sogenannte Analog-Astronauten ihren ersten größeren Ausflug in voller Montur absolviert. "Das Runterbeugen und das Hochkommen ist schwierig", sagt die 35-Jährige. 48 Kilogramm wiegt der aluminiumbedampfte Raumanzug aus feuerfestem Kevlar im Wert eines Ferraris. Das Motto der Aktion: Üben für die Reise zum Mars.

Wie auf dem Roten Planeten

Die beiden Forscher gehören zum Team des Österreichischen Weltraum Forums (ÖWF), das auf dem Gletscher im Kaunertal in 2700 Metern Höhe "ideale Bedingungen" vorgefunden hat, ist Expeditionsleiter Gernot Grömer begeistert. Im unwegsamen Gelände gibt es unter dickem Geröll massenhaft Eis - wie auf dem Roten Planeten. Zwei Wochen lang werden rund 100 Forscher und Mitarbeiter aus 19 Nationen Arbeitsabläufe üben, die zeitverzögerte Kommunikation proben, zwölf Experimente starten.

In dem unwegsamen Gelände proben Forscher des Österreichischen Weltraum Forums (ÖWF) in einer zweiwöchten Feldsimulation die bemannte Reise zum Mars. Quelle: dpa

"Ich hoffe, dass es woanders auch Leben gibt"

Köhler und ihr spanischer Kollege spielen eine zentrale Rolle. Sie haben in einer fünfmonatigen Ausbildung die Lizenz zum Tragen des Raumanzugs erworben und gehören nun zu dem handverlesenen Kreis von acht ÖWF-Analog-Astronauten. Köhler ist eigentlich Mathematikerin und Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst. Die Faszination fürs All entstand bei ihr durch die Science-Fiction-Reihe "Star Trek". "Ich hoffe, dass es woanders auch Leben gibt", sagt sie nach der Strapaze mit strahlendem Lachen.

Rund 1000 Tage wird eine Reise zum Mars wohl dauern, knapp die Hälfte davon ist reine Reisezeit. Aktuell laufen weltweit mehrere Experimente zur Vorbereitung der Reise, die als eine der größten technologischen Herausforderungen der Menschheit gilt. Das ÖWF geht davon aus, dass in etwa 20 bis 30 Jahren der Versuch gewagt wird, Astronauten zu dem durchschnittlich 200 Millionen Kilometer entfernten Mars zu schicken.

20 Minuten verzögerte Kommunikation

Während die grobe Organisation des Abenteuers unter Wissenschaftlern schon recht klar sei, hake es bei vielen Alltagsfragen, meint Grömer. Schon die wegen der riesigen Entfernung um 20 Minuten verzögerte Kommunikation sei höchst gewöhnungsbedürftig. "Das ist wie ein langsamer Chat", sagt Grömer. Dieser Umstand sorge dafür, dass die Mars-Astronauten über viel mehr Entscheidungsfreiheit verfügten als alle Vorgänger - aber auch über noch viel mehr Wissen und Fähigkeiten verfügen müssten.

Unter den Projekten, die bei "Amadee-15" auf dem Gletscher erprobt werden, ist auch eine Wasserdampf-Dusche. Bisher wurde die Körperhygiene im All mit feuchten Tüchern erledigt. Daraus könnte ein seelenerfrischender Akt werden, meinen die ÖWF-Experten. Sofern die Dusche bei geringstem Wasserverbrauch wie erhofft funktioniere, sei dies auch eine mögliche Anwendung für wasserarme Regionen auf der Erde.

Zahnschmerzen als Forschungsthema

Psychologen aus Warschau wollen genauer herausfinden, wie Menschen ticken müssen, die unter Extrembedingungen miteinander auskommen sollen. Auch einem besonders lästigen Problem - auf Erden wie im All - widmen sich die Forscher: dem Zahnschmerz. Was passiert, wenn ein Nerv nervt? Ein 3D-Drucker soll bei Zahn-Operationen im Weltraum helfen und den passenden Zahnersatz herstellen.

Die aktuelle Philosophie der extremen Minimierung des Risikos sieht Grömer durchaus zwiespältig. Die legendären Erkundungsabenteuer der Polarforscher und Weltumsegler seien viel gefährlicher gewesen als das, was Astronauten heute erwarte, meint er. "Das Leben beginnt bekanntlich außerhalb der Komfortzone", sagt der Mann, der auch ein wenig Österreich-Know-How auf den Mars schicken will.

Von Matthias Röder, dpa

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