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13:42 11.04.2011
Der erste Mensch im All: Juri Gagarin 1961. Quelle: dpa (Archivbild)

108 Minuten machten Juri Gagarin weltberühmt und zum Aushängeschild des Kommunismus: Als der sowjetische Kosmonaut vor 50 Jahren, am 12. April 1961, als erster Mensch ins Weltall flog, werteten Moskau und der Ostblock den Flug als Zeichen ihrer technischen Überlegenheit.

Tassilo Römisch (57) aus dem sächsischen Mittweida, Fachmann für Weltraumgeschichte, kann sich noch an den Tag erinnern, als seine Lehrerin die Klasse darüber informierte, ein „Sowjetbürger“ habe als erster Mensch im Weltall die Erde umrundet. „Wir waren wie versteinert und haben uns dann mächtig gefreut.“ Nach dem „Sputnikschock“ von 1957 war der erste bemannte Weltraumflug bereits der zweite Imagesieg über den Westen. Die Raumfahrt blieb bis zum Fall des Eisernen Vorhangs und dem Zusammenbruch des sozialistischen Staatensystems Teil des Kalten Krieges.

In Peenemünde auf der Ostsee-Insel Usedom, wo einst die Nationalsozialisten an den V2-Raketenwaffen forschten, wird an diesem Dienstag (12. April) eine Ausstellung eröffnet, die die Geschichte der Raumfahrt vom Gagarin-Flug bis zum Bau der ISS dokumentiert. Römisch, der nach eigenen Angaben die mit 90 000 Originalobjekten größte Privatsammlung zur Raumfahrt besitzt, zeigt rund 250 seiner Stücke - darunter einen Raumfahrthandschuh Juri Gagarins, den dieser einst beim Training trug. Gagarin-Büsten oder Alltagsgegenstände, wie ein Rasierapparat „Sputnik“ oder Schreibtischgarnituren im Raumfahrtdesign, demonstrieren die Raumfahrtbesessenheit vor 50 Jahren. Sie wurde Bestandteil der Alltagskultur.

Zivile Raumfahrtausstellung in einer Waffenschmiede der Nazis? Die Exposition am politisch sensiblen Ort soll keine Devotionalienschau sein, versichern die Ausstellungsmacher. „Uns ging es darum, die Geschichte der Raumfahrt in ihren historischen, politischen und ideologischen Kontext zu stellen“, sagt Kurator Christian Mühldorfer-Vogt. „Im Rahmen des Kalten Krieges wiesen die jeweiligen Blöcke der Weltraumfahrt eine immer höhere politische Bedeutung zu.“ In Reaktion auf den Gagarin-Flug habe US-Präsident John F. Kennedy nur wenige Wochen später angekündigt, dass bis zum Ende des Jahrzehnts ein Mensch auf den Mond gebracht werden solle. Führender Kopf des amerikanischen Mondflugprogramms war Wernher von Braun, der bis 1945 die Entwicklung der V2-Waffen in Peenemünde verantwortete.

Für den Verein Politische Memoriale, der sich um die Gedenkstättenarbeit in Mecklenburg-Vorpommern kümmert, hat eine solche Ausstellung im Museum Peenemünde durchaus ihre Berechtigung. „Peenemünder Forscher wurden von den Russen und Amerikanern in Dienst genommen, die Raumfahrt - wie man an Gagarin sieht - jahrzehntelang politisch instrumentalisiert“, sagt der Pädagogische Leiter des Vereins, Martin Klähn. Solange dieser Bezug zur politischen und ideologischen Ebene sichtbar sei, habe er keine Probleme mit der Ausstellung.

Die Schau widmet sich in sechs Räumen unterschiedlichen Themenbereichen - vom Sputnikstart über den Gagarin-Flug und das Kopplungsmanöver zwischen Sojus- und Apollorakete 1975 bis zum gemeinsamen Raumfahrt-Projekt ISS. „Das Jahr 1975 war eine erste, wenn auch zunächst nicht tragfähige Zäsur, im Weltall auf Zusammenarbeit zu setzen“, sagt Römisch. Erst 1995, nach dem Zusammenbruch des Ostblocks, habe es wieder eine Kopplung zwischen amerikanischer Raumfähre und der russischen Mir-Raumstation gegeben. Zeitgenössische Quellen, wie Artikel aus dem SED-Blatt „Neues Deutschland“, der englischen „Times“ oder dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ und Erklärtafeln stellen die Ereignisse in den jeweiligen historischen Kontext.

Zu den ungewöhnlichen Objekten der Schau gehört sicher das Frontfenster einer russischen Buran-Raumfähre. Das Buran-Programm sollte das sozialistische Pendant zum Space Shuttle der Amerikaner werden. Nur einmal, im November 1988, startete eine Buran-Fähre in den Orbit. Fünf Jahre später wurde das Programm eingestellt.

dpa

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