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Wissen Studie deckt falsche Versprechen auf
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19:38 24.08.2015
Reiswaffeln gelten als gesunder Snack. Laut einer Foodwatch-Studie werden dagegen zu süße oder zu fettige Kinder-Lebensmittel beworben. Quelle: Patrick Pleul/dpa
Berlin

Foodwatch dringt darauf, Werbung für ungesunde Kinderlebensmittel zu verbieten. Eine freiwillige Selbstbeschränkung der Industrie beim Kindermarketing sei wirkungslos, teilte die Verbraucherorganisation am Montag in Berlin mit. In einer Untersuchung analysierte die Verbraucherorganisation 281 Kinderprodukte wie Müsli, Frühstücksaufstriche und Softdrinks auf ihre Nährwerte. 90 Prozent davon seien im Sinne der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht ausgewogen. In den meisten Fällen seien die Produkte zu süß oder zu fettig und förderten damit Übergewicht bei Kindern.

Zahlreiche Lebensmittelunternehmen hatten sich 2007 im Rahmen einer EU-Initiative dazu verpflichtet, bestimmte Regeln beim Anpreisen von Kinderlebensmitteln einzuhalten. Nach Einschätzung von Foodwatch sind diese Selbstbeschränkungen jedoch zu lasch.

So sollten beispielsweise Frühstücksflocken mit einem Zuckergehalt von mehr als 15 Prozent im Sinne der WHO nicht mehr für Kinder beworben werden; im Rahmen der EU-Initiative lag der Zuckeranteil hingegen bei 30 Prozent. Hinzu kommen laut Foodwatch weitere Schlupflöcher. Für die klassische Werbung im Fernsehen gebe es zwar Einschränkungen; bei Aktionen im Supermarkt könnten jedoch alle Kinderprodukte beworben werden.

Industrie wehrt sich

Oliver Huizinga, Foodwatch-Experte für Kindermarketing, sagte, die freiwillige Selbstbeschränkung der Lebensmittelhersteller habe seit Jahren nicht dazu geführt, dass sich Kinder besser ernährten. Gefordert sei die Politik, allen voran Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) und Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU). Sie müssten konkrete gesetzliche Maßnahmen vorantreiben. Huizinga betonte, die Politik könne nicht nur an die Verantwortung der Eltern appellieren – vor allem deshalb nicht, weil deren Bemühungen durch die Industrie untergraben würden.

Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde als Branchen-Spitzenverband kritisierte die Studie scharf. "Foodwatch verunglimpft sichere und qualitativ hochwertige Lebensmittel aufgrund von Nährwertprofilen, die eine reine Empfehlung und keine verpflichtende Vorgabe darstellen, erst vor wenigen Monaten veröffentlicht und zudem in einem intransparenten Verfahren bestimmt wurden", erklärte BLL-Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff.

"Schlichtweg Süßigkeiten"

Es würden wissenschaftlich nicht belegte Kausalzusammenhänge behauptet. So blieben die Autoren der Studie etwa die Antwort schuldig, warum 94 Prozent der Kinder in Deutschland nicht adipös sind, obwohl sie den gleichen medialen, gesellschaftlichen und gesetzlichen Bedingungen ausgesetzt sind, wie die sechs Prozent betroffenen adipösen Kinder. Die Einteilung von Lebensmitteln in gut und schlecht oder gesund und ungesund sei ernährungswissenschaftlich nicht begründbar.

Dagegen erklärte der Geschäftsführer der Deutschen Diabetes Gesellschaft, Dietrich Garlichs, die meisten als Kinderlebensmittel bezeichneten Lebensmittel seien "schlichtweg Süßigkeiten". "Marketing für 'Kinderlebensmittel' muss per Gesetz eingedämmt werden, sonst werden wir die Welle der Fehlernährung und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen nicht stoppen", erklärte Garlichs.

epd/afp

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