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15:01 03.12.2015
Auf dem Weg ins All: Am Donnerstag hob Lisa Pathfinder vom Weltraumbahnhof Kourou im südamerikanischen Französisch-Guayana ab. Quelle: Stephane Corvaja/Esa/dpa
Hannover/Darmstadt/Kourou

Einsteins Relativitätstheorie auf der Spur: Für ein Mega-Projekt zum Erforschen von Gravitationswellen im All hat die Europäische Weltraumorganisation Esa am Donnerstag einen neuen Satelliten gestartet. "Lisa Pathfinder" hob am Morgen um 05.04 Uhr MEZ vom Weltraumbahnhof Kourou im südamerikanischen Französisch-Guayana an Bord einer Vega-Trägerrakete ab. Der Start war wegen technischer Probleme um einen Tag verschoben worden. Der Pfadfinder soll neue Technik für ein in etwa 20 Jahren geplantes großes Weltraumobservatorium testen, mit der diese Wellen künftig aufgespürt werden könnten.

"Die Grundlagenforschung dient dem besseren Verständnis der Welt, in der wir leben", meinte Esa-Generaldirektor Johann-Dietrich Wörner. "Die theoretischen Erkenntnisse Einsteins sind auch heute noch äußerst beeindruckend. Lisa Pathfinder wird uns der Bestätigung einer der Einsteinschen Vorhersagen näher bringen: der Existenz von Gravitationswellen." Gesteuert wird der Satellit vom Esa-Kontrollzentrum Esoc in Darmstadt.

Auch in Hannover wird gejubelt

Der Countdown läuft zwar weit entfernt auf dem Europäischen Weltraumbahnhof in Kourou an der Nordküste Südamerikas. Doch als die Rakete erfolgreich in Französisch-Guyana startet, ist der Jubel um 5.04 Uhr (Ortszeit Hannover) in der hannoverschen Callinstraße beträchtlich. Denn Wissenschaftler aus Hannover sind an der Satellitenmission LISA Pathfinder federführend beteiligt – und haben zur Feier interessierte Bürger eingeladen - und gemeinsam den Start verfolgt. „Dass die Technologie, die hochgeschickt wird, hier in Hannover entwickelt wurde, finde ich faszinierend“, sagt Besucher Bernd Oehlerking.

Feuertaufe im Weltraum

"Nach vielen Jahren von Entwicklungen und Erprobungen auf der Erde kommt nun endlich die Feuertaufe, die wir nur im Weltraum vornehmen können", sagte Paul McNamara, Esa-Projektwissenschaftler für Lisa Pathfinder. Gebaut hat den Satelliten Airbus Defence and Space. "Pathfinder testet die Technik im All, weil es auf der Erde zu viele Störungen gibt", sagte der Airbus-Direktor für Erdbeobachtung, Navigation und Wissenschaft, Eckard Settelmeyer.

Mit von der Partie am Weltraumbahnhof war der hannoversche Professor Karsten Danzmann, Direktor am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik. Der Wissenschaftler und sein Team haben die LISA-Pathfinder-Mission seit 1998 vorbereitet. "In unserem Gebiet braucht man nicht einfach Geduld, sondern ein langes Leben."

Video: http:wissen.hannover.de

2011 hatte die US-Raumfahrtagentur NASA ihren Beitrag zur Finanzierung angekündigt - etwa die Hälfte der Gesamtkosten. "Wir haben das dann so hingetüddelt, dass wir mit weniger Geld hinkommen." Weniger Geld, aber mehr Geduld. Dass die eLISA-Mission erst im Jahr 2034 starten soll, schreckt Danzmann, heute 60, nicht. Er wolle 120 werden, scherzt der Wissenschaftler, und schiebt nach: "Solche Sachen brauchen ein großes Team mit Leuten in allen Altersgruppen. Das hängt nie an einem Einzelnen."

Pathfinder Mitte Februar am Ziel

Der Satellit soll Mitte Februar 2016 rund 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt Richtung Sonne sein Ziel erreichen. Der Ort wird Lagrange-Punkt L1 genannt, dort heben sich Anziehung von Erde und Sonne auf. Eigentlich ein Ort zum perfekten Schweben. Doch selbst die Sonnenstrahlen sind bei diesem Experiment ein Störfaktor. "Das Licht pustet den Satelliten weg. Das wirkt vielleicht wie das Gewicht eines Blatts Papier. Mehr ist das nicht. Aber wir wollen auch solche Störkräfte aufspüren", erklärt Professor Danzmann. Wenn alles klappt, hält das System die Messeinrichtung stabil. Das wäre ein wichtiger Schritt hin zum Gravitationswellen-Observatorium im All. Arbeiten dürfte Pathfinder ziemlich wahrscheinlich dann ein Jahr lang.

Gravitationswellen: Schwer messbare Kräfte

Was das spätere Groß-Programm vorhat, soll der Pfadfinder im Kleinformat ausprobieren. In ihm befinden sich zwei jeweils zwei Kilogramm schwere Würfel mit einer Gold-Platin-Legierung und einer Kantenlänge von 46 Millimeter. Sie haben einen Abstand von 38 Zentimeter zueinander. Mit winzigen, etwa zehnmal pro Sekunde erfolgenden Triebwerksschüben soll der Satellit seine Position präzisieren.

Gravitationswellen - eine Vorhersage von Albert Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie - gehören zu den am schwersten fassbaren Kräfte im Universum. Die Wellen breiten sich im Vakuum mit Lichtgeschwindigkeit aus und verbiegen den Raum, ähnlich wie die Wellen eines ins Wasser geworfenen Steins eine Seeoberfläche kräuseln. Jeder beschleunigte Körper sendet der Theorie zufolge Gravitationswellen aus, die umso stärker sind, je mehr Masse der Körper hat und je schneller er sich bewegt. Die Wellen ließen sich bisher nicht direkt nachweisen. Es gibt aber auch kaum ernsthafte Zweifel an ihrer Existenz.

dpa/hil

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