Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Wissen E-Mail-Anbieter im Test: Sicherheit geht vor
Mehr Welt Wissen E-Mail-Anbieter im Test: Sicherheit geht vor
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:59 23.08.2017
Server, die Sortierstellen im Mailverkehr: Bei einfacher Verschlüsselung kann hier mitgelesen werden. Quelle: STRATO
Berlin

Die Auswahl an E-Mail-Anbietern ist überwältigend groß. Um sich in diesem Dschungel zurechtzufinden, kann man die Anbieter zunächst grob in zwei Kategorien teilen: einerseits die reinen Mailing-Dienstleister, die sich voll auf diesen Service spezialisiert haben; andererseits Anbieter, die neben E-Mails auch ein Nachrichtenportal betreiben, Web-Hosting oder andere Dienstleistungen bieten.

Im Test der Stiftung Warentest belegten die beiden großen Namen dennoch die letzten Plätze. Das lag nicht am Leistungsumfang, sondern an Vertragsinhalten. „Wir fanden bei beiden Anbietern Mängel in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, die zu Abwertungen führten“, sagt Christian van de Sand vom Magazin „Test“. Genauer heißt das, dass eine Weitergabe der Nutzerdaten nicht ausgeschlossen werden kann. So könnten persönliche Daten etwa für personalisierte Werbung genutzt werden. In Sachen Handhabung belegten beide Anbieter dagegen die Spitzenpositionen.

Werbefrei, aber kostenpflichtig sind reine E-Mail-Anbieter wie Posteo, Mailbox.org oder Mail.de. Sie setzen auf aufgeräumte Benutzeroberflächen mit Adressbuch und Kalender. Für den Service verlangen Posteo und Mailbox.org einen Euro im Monat.

Ob Nulltarif oder kostenpflichtig: Alle Anbieter haben reichlich Platz für E-Mails. Selbst die Schlusslichter dieser Kategorie bieten im kostenlosen Service immerhin ein Gigabyte Speicher an. Das reicht für den Normalgebrauch locker aus, jede E-Mail ist im Regelfall nur ein paar Kilobyte groß.

Die größten Unterschiede gibt es bei der Sicherheit. „Jeder Anbieter wirbt mit Schutz und Verschlüsselung, aber nicht alle bieten denselben Schutz“, stellt van de Sand fest. Die Deutschen sind in Datenschutzdingen zwar sensibel, aber trotzdem verschlüsseln nach Angaben des Digitalverbands Bitkom nur 15 Prozent der Nutzer ihre Mails.

Frank Timmermann arbeitet beim Institut für Internet-Sicherheit der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen und kennt sich mit Verschlüsselungsverfahren aus: „Der gängigste Schutz ist die Transportweg-Verschlüsselung“, sagt er. Dabei wird die Mail beim Transport verschlüsselt, liegt auf den Servern aber offen. E-Mails können damit unterwegs nur schwer abgegriffen werden. Über den eigenen Mail-Server und den des Adressaten könnten Hacker allerdings Zugriff erlangen. Auch die E-Mail-Provider selbst können die Mails auswerten, etwa für personalisierte Werbung.

Bei der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (E2E) wird die E-Mail auf dem eigenen Rechner ver- und beim Empfänger wieder entschlüsselt. Es ist das sicherste, aber auch das umständlichste Verfahren. „Für die Verschlüsselung benötigt man extra Software“, sagt Timmermann. „Um die Mail wieder zu entschlüsseln, braucht der Empfänger den passenden Schlüssel. Den müssen Sender und Empfänger vorher ausgetauscht haben.“ Bekannte Verfahren heißen PGP und S/Mime. PGP kann bei vielen Anbietern durch die Browser-Erweiterung „Mailvelope“ nachgerüstet werden. S/Mime findet man zum Beispiel in Outlook.

Sind E-Mail-Provider ohne E2E-Verschlüsselung schlecht? Van de Sand gibt Entwarnung: „Kein Anbieter ist im Test durchgefallen. Es kommt auf das Sicherheitsbedürfnis an, ob sich ein Wechsel zu den Testsiegern lohnt.“ Das sind Posteo und Mailbox.org. Wer seine Mails nicht für sensible Daten nutzt, aber Wert auf einfache Bedienung legt, liegt bei Gmail und Outlook nicht falsch.

Von Benjamin Krüger/dpa/RND