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18:08 14.06.2017
Sport ist in jedem Fall gut, aber gezielt lässt sich der Speck nicht wegtrainieren. Quelle: iStockphoto
Hannover

In den Fitnessstudios gehört er zu den Klassikern: der Bauch-Beine-Po-Kurs, kurz BBP. Seit mehr als einem Vierteljahrhundert ist er von den Kursplänen nicht mehr wegzudenken. Was selten ist in der schnelllebigen Fitnessszene mit laufend neuen Trends – sicher aber auch ein wenig dem Namen geschuldet: Bauch, Beine, Po, das sind die Stellen, an denen sich am häufigsten ungeliebte kleine Polster befinden. Die Bezeichnung suggeriert, dass man diese wieder los wird, wenn man nur häufig genug zum Kurs geht. Zwar versprechen die Anbieter das so nicht – bei ihnen ist eher nüchtern von Kraft- oder Kraftausdauertraining die Rede – dennoch haben viele Teilnehmer die Hoffnung, dass sie davon einen flachen Bauch bekommen oder wieder in die zu eng gewordene Jeans passen. Ob diese Hoffnung allerdings berechtigt ist? Bringen solche Kurse tatsächlich das Fett an Bauch oder Po zum Schmelzen – oder am Ende doch nur das Konto der Studio-Mitglieder?

Zuerst die gute Nachricht: Wer Muskeln an einer bestimmten Stelle trainiert, sorgt dafür, dass das Gewebe dort fester und straffer wird. Für einen knackigen Po oder feste Oberschenkel ist das schon mal ein guter Anfang. Die schlechte Nachricht ist: überflüssiges Fett verschwindet damit noch lange nicht. Die University of California in Irvine, südöstlich von Los Angeles, hat bereits 1971 anhand einer Studie untersucht, ob es möglich ist, gezielt Fett an bestimmten Stellen zu verbrennen. Dafür haben die Forscher das Unterhautfett von Tennisspielern an beiden Armen verglichen. Das Ergebnis: Der Fettanteil war im Spielerarm genauso hoch wie im weniger trainierten Arm. Damit sahen die Forscher es als bewiesen an, dass die Idee der „spot reduction“ nicht funktioniert. Lokale Fettverbrennung gilt in der Sportwissenschaft bis heute als Mythos.

Entscheidend ist die negative Energiebilanz

Zwar ist es richtig, dass Muskeln Energie verbrauchen, wenn sie trainiert werden, aber diese Energie holen sie sich nicht aus dem umliegenden Gewebe: „Als Erstes werden beim Training im Muskel eingelagerte Glykogen- und Fettreserven angezapft“, erklärt Professor Patrick Diel von der Sporthochschule Köln. Nur leider sind die Fettzellen, die zwischen den Muskelfasern liegen, nicht wirklich relevant: „Die Menge ist so gering, dass sie keinen Effekt auf den Umfang haben“, sagt der Experte. Das Unterhautfett, das wir eigentlich loswerden wollen, bleibt von Crunches & Co. unberührt. Aber erst, wenn diese Fettpölsterchen weg sind, kann man sehen, dass der Körper durch das Training gestrafft wurde. Entscheidend dafür ist eine negative Energiebilanz: Wir müssen mehr Energie durch Bewegung verbrauchen, als wir sie in Form von Kalorien aufnehmen.

Klar, Sport hilft dabei. Doch selbst wenn die Energiebilanz negativ ist und wir Gewicht verlieren, nehmen wir nicht unbedingt an den gewünschten Stellen ab: Fett wird überall gleichmäßig verbrannt – wie Eis, das in der Sonne schmilzt. Für ansonsten schlanke Frauen ist es daher fast unmöglich, nur ihr Bäuchlein loszuwerden.

Mit genügend Sport lässt sich der Energieverbrauch tunen

Dennoch ist Muskeltraining sinnvoll fürs Abnehmen, egal ob wir im BBP-Kurs trainieren, an Geräten oder vor dem Fernseher mit Kniebeugen und Liegestütz. Nicht, weil der Bauch dadurch flach wird, sondern weil es hilft, das Gewicht zu kontrollieren. Der Grund: Wenn wir nichts dagegen tun, wird unsere Muskulatur mit zunehmendem Alter schwächer, gleichzeitig steigt der Körperfettanteil.

Sportwissenschaftler Ingo Froböse, Leiter des Zentrums für Gesundheit durch Sport und Bewegung der Deutschen Sporthochschule Köln, rechnet vor: Wer durch Training die Muskelmasse in seinem Körper um ein Kilo erhöht, verbrennt pro Tag etwa 50 bis 70 Kalorien mehr. Der Grund: „Unsere Muskulatur verbraucht in Ruhe etwa 30mal mehr Energie als unser Fettgewebe“, sagt der Experte. Mit genügend Sport können wir Stoffwechsel und Energieverbrauch so tunen, dass sich die Pasta gar nicht erst auf den Hüften festsetzt.

Denn genau da liegt das Problem: 67,1 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen in Deutschland sind zu dick, wie eine Studie des Robert-Koch-Instituts ergeben hat. Und sie bewegen sich zu wenig: Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt pro Woche mindestens 2,5 Stunden Bewegung, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes vorzubeugen. Das schaffen immer weniger Menschen – nach einer aktuellen Befragung des Marktforschungsinstituts GfK mittlerweile nicht mal mehr die Hälfte der Deutschen. Das zu ändern, hat jeder selbst in der Hand. Dabei hilft auch der BBP-Kurs.

Von Monika Herbst/RND

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