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12:11 15.06.2017
Kraftvoller Energiespeicher: Der falsche Umgang mit einem E-Bike oder Pedelec kann verheerende Folgen haben. Quelle: Foto: dpa
Hannover

Gefährliche Energiespeicher: Die Explosion eines Pedelec-Akkus hat am Dienstag einen Großbrand in einem Parkhaus in der Innenstadt Hannovers ausgelöst. Das Gerät flog aus bislang ungeklärter Ursache in einem benachbarten Fahrradgeschäft in die Luft und verursachte einen Schaden von etwa 500 000 Euro. Es ist nicht der erste Fall, bei dem sich die Lithium-Ionen-Akkus als Gefahrenquellen herausstellten. Zuletzt erlangte deshalb das Smartphone Samsung Galaxy Note 7 ungewollte Berühmtheit.

Aber auch bei Elektrofahrrädern kommt es immer wieder zu folgenschweren Zwischenfällen. So fing im August 2016 im niedersächsischen Bad Bevensen der Akku eines E-Bikes während der Fahrt Feuer. 2013 starb dort ein Hotelgast, weil ein überhitzter E-Bike-Akku das Gebäude in Brand gesetzt hatte. Auch in Weil am Rhein (Baden-Württemberg) brannte es im vergangenen April in einem Mehrfamilienhaus aufgrund eines defekten Akkus. Elektronik- und Pedelec-Experten erklären, was es bei den Energiespeichern zu beachten gibt, um sicher mit dem Elektrofahrrad unterwegs zu sein.

Warum kann der Akku eines Pedelecs plötzlich explodieren?

Das kann mehrere Ursachen haben. Die meisten Fahrräder werden heute von Lithium-Ionen-Akkus betrieben. „Das falsche Laden oder eine Manipulation am Akku kann zu einer solchen Reaktion führen. Ich habe schon erlebt, dass Leute ihren Kindersitz am Akku festgeschraubt hatten“, sagt Dirk Zedler, Diplom-Ingenieur und Fahrrad-Sachverständiger. Schon kleinste Produktionsfehler können bei der hohen Energiedichte zu Bränden führen, ebenso kleinste Beschädigungen. Auch Kurzschlüsse in den Zellen, eine Überladung oder eine sogenannte Tiefentladung können Feuer verursachen.

Woran erkenne ich gute Batterien?

Laut einer neuen EU-Norm müssen die Batterien gegen Überladung, Tiefentladung, Kurzschluss, extreme Temperaturen und Erschütterungen gesichert werden. E-Bikes müssen im Gegensatz zu normalen Fahrrädern mit einem CE-Zeichen versehen sein. Damit zeigt der Hersteller an, alle geltenden Vorschriften eingehalten zu haben. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) rät, Pedelecs ohne dieses Zeichen zu meiden. Außerdem setzen die Experten auf Elektrofahrräder mit einem GS-Siegel (für geprüfte Sicherheit), das darauf hinweist, dass hohe Ansprüche an die Produktsicherheit erfüllt sind.

Was muss man sonst beachten?

„Auf den richtigen Umgang kommt es an“, sagt Sachverständiger Zedler. „Wir haben ja früher auch nicht mit dem Feuerzeug in einen Benzintank geschaut.“ Die Verbraucher müssten sich im Klaren darüber sein, dass sie es mit einem kraftvollen Energiespeicher zu tun haben. Deswegen sollten die Batterien immer nur mit den vorgesehenen Ladegeräten, in trockenem Zustand und bei Raumtemperatur auf einer nicht brennbaren Unterlage geladen werden. Aber: „Eine zu warme Umgebung wie der Heizungskeller ist nicht zu empfehlen“, betont Gunnar Fehlau vom Pressedienst-Fahrrad (pd-f). Außerdem sei es von Vorteil, wenn der Raum mit einem Rauchmelder ausgestattet ist.

Sind in der kalten Jahreszeit besondere Dinge zu beachten?

Die chemischen Prozesse in der Batterie verlangsamten sich bei Kälte, sagt Hannes Neupert von der Battery Safety Organization BATSO. Dies könne dazu führen, dass die Leistungsfähigkeit der Batterie abnimmt oder die Schutzelektronik der Batterie diese sogar oft ohne große Vorwarnung ganz abschaltet. Die meisten Batteriesysteme laden nicht mehr, wenn die Zellen Temperaturen von unter acht Grad Celsius ausgesetzt sind. Daher rät Neupert, die Batterie mit ins Warme zu nehmen, wenn das Pedelec längere Zeit bei Minusgraden abgestellt wird.

Wie entsorge ich einen Akku richtig?

„Verbrauchte Akkus dürfen nicht in den Hausmüll geworfen werden“, sagt der Geschäftsführer des Zweirad-Industrie-Verbandes, Siegfried Neugebauer. Aufgebrauchte Akkus sollten entweder zum Fachhändler oder zu einer öffentlichen Sammelstelle gebracht werden, um die enthaltenen wertvollen Rohstoffe zu recyceln. Bei äußerlich stark beschädigten Akkus – mit Rissen oder starken Deformationen des Gehäuses – ist Vorsicht geboten. Der ADFC rät, mechanisch beschädigte Akkus keinesfalls mehr zu benutzen und sie auch nicht selbst zu öffnen.

Von Ann-Christin Schneider/RND

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