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15:08 24.12.2015
Familie Storch im Vollmondlicht: An Weihnachten erleben wir den höchsten und am längsten sichtbaren Vollmond des Jahres. Quelle: Patrick Pleul/dpa
Hamburg

An diesem Weihnachtsfest wird ein spektakulärer Vollmond am südlichen Himmel stehen. Es sei der höchste und am längsten sichtbare Vollmond des Jahres, sagte Thomas Kraupe, Direktor des Hamburger Planetariums. Überdies sei das Ereignis selten: Zuletzt gab es 1977 einen Vollmond zu Weihnachten, das nächste Mal soll es erst im Jahr 2034 wieder soweit sein. Schon Heiligabend ist der Mond "fast voll" und steht über dem Sternbild Orion. Dabei wird er eingerahmt vom Wintersechseck – es wird von den hellsten Sternen des Winters gebildet. "Sozusagen eine Funkelnde 'Schneeflocke' um den Mond", sagte Knaupe.

Astronomen rätseln seit langem

Aber der echte "Stern von Bethlehem" war vermutlich kein Vollmond. "Generationen von Astronomen haben versucht, das Rätsel dieses Sterns zu klären", sagte Kraupe. Die zahlreichen bildhaften Darstellungen zeigten oft einen Schweifstern über dem Stall. Grundlage ist das zweite Kapitel des Matthäus-Evangeliums. Dort heißt es, dass weise Magier aus dem Morgenland einen Stern "im Aufgang" gesehen hätten und ihm gefolgt seien, bis sie schließlich in Bethlehem vor der Krippe standen.

Es gebe wenig Anhaltspunkte dafür, dass der Weihnachtsstern wirklich ein Komet gewesen sei, sagte Kraupe. Traditionell stünden Kometen auch eher für Unheil, für Tod, Seuchen oder Katastrophen - zu der Geburt eines göttlichen Kindes passten sie daher nicht.

Der Stern war wohl kein Stern

"Auch eine Supernova, also die Explosion eines Sterns, kann man nahezu ausschließen", sagte Kraupe. Mit den ausgefeilten Optiken heutiger Instrumente ließen sich die Reste solcher Sternenexplosionen aufspüren - riesenhafte Strukturen in den Weiten des Alls, farbigen Blüten gleich. "Doch in der fraglichen Gegend ist nichts Derartiges gefunden worden", sagte Kraupe: "Aller Voraussicht nach war der Weihnachtsstern kein Stern."

Was aber dann? "Die wahrscheinlichste Erklärung ist die dreifache Begegnung der Planeten Jupiter und Saturn im Jahr 7 vor Christus", sagte Kraupe. Vieles deute darauf hin, dass dieses Ereignis die babylonischen Sternkundigen auf ihren Weg geführt hätte – entsprechende Notizen über diesen astronomischen Vorgang seien mittlerweile auf babylonischen Keilschrifttafeln aus der Zeit entziffert worden.

Nur alle 750 Jahre

Der Planet Jupiter galt damals unter dem Namen "Marduk" als höchste Gottheit Babylons. Der Saturn hieß "Kewan" und war der Herrscher über Israel. Beide Planeten standen im Sternbild Fische, das Palästina symbolisierte. "Die ersten Christen haben später den Fisch als Symbol für ihren Glauben verwendet – diese ganzen Geschichten sind von kaum überbietbarer Symbolik", sagte Kraupe.

Ein dreifaches Treffen von Jupiter und Saturn sei ein äußerst seltenes Ereignis und komme nur alle 750 Jahre vor. Es sei ein "scheinbares Aufeinandertreffen", sagte Kraupe. Es entsteht dadurch, dass alle Planeten in derselben Richtung die Sonne umlaufen und die Erde die äußeren Planeten mehrfach überholt. Das führe bei bestimmten Konstellationen zu dem Eindruck, dass Jupiter und Saturn stehenbleiben und mehrfach ihre Richtung ändern.

Die Datierung des "Planeten-Treffs" auf das Jahr 7 v. Chr. sei indes kein Problem, sagte Kraupe. Die meisten Historiker seien sich einig, dass Jesus nicht im Jahr Null geboren wurde. Überdies sei der Weihnachtstermin erst im 4. Jahrhundert festgelegt worden - wegen seiner Nähe zur Wintersonnenwende und dem damals populären römischen "Fest der unbesiegbaren Sonne" am 25. Dezember.

epd/wer

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