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09:25 27.04.2011
Psychologen raten Paaren zu gewisser Distanz. Quelle: Kristoffer Finn

Am Anfang ist alles noch sehr aufregend: das Kennenlernen, die ersten Verabredungen und gemeinsame Ausflüge. Doch dieses kribbelnde Gefühl des frisch Verliebtseins lässt im Laufe einer Beziehung nach - und nach einigen Jahren finden sich beide in einer gewissen Routine wieder. Das heißt aber nicht, dass nach fünf Jahren Partnerschaft automatisch Langeweile herrschen muss.

Auch die Beziehung von Jessica und Mark ist heute anders als zu Beginn. „Als wir uns kennengelernt haben, hatte ich immer Schmetterlinge im Bauch, wenn ich Mark gesehen habe“, erzählt die 31-jährige Jessica. Das hat sich mittlerweile geändert - stattdessen spürt sie vor allem ein Gefühl von Vertrautheit und Nähe.

Das ist häufig so, wie die Diplom-Psychologin Elke Rohmann von der Fakultät für Psychologie der Ruhr-Universität Bochum berichtet. „Gerade in westlichen Kulturen beginnt eine Beziehung meist mit einer romantischen Phase, wo man möglichst viel zusammen sein möchte, den anderen sexuell stark anziehend findet und traurig ist, wenn man ihn nicht sieht.“ Das lasse mit der Zeit etwas nach.

„Das heißt aber nicht, dass man nicht mehr ineinander verliebt ist“, sagt die Expertin. „Stattdessen wächst der Anteil der kameradschaftlichen Liebe.“ Die romantische Liebe sei jedoch immer noch da, nur nicht mehr in so starkem Ausmaß wie zu Anfang. „Es ist also nicht schlimm, wenn nach einiger Zeit das Kribbeln im Bauch nachlässt, wenn man den anderen sieht - dafür entsteht ein Gefühl der Nähe, Verbundenheit und Kameradschaft.“

Dabei muss man aber aufpassen, dass aus Routine nicht Langeweile wird. „In jeder Beziehung bestehen gewisse Routinen, das ist völlig normal“, sagt der psychologische Psychotherapeut Hans-Jürgen Herzog aus Schweinfurth. Dennoch müssten festgefahrene Muster immer mal wieder durchbrochen werden. „Man sollte auch nach fünf Jahren etwas Neues probieren.“ Zum Beispiel die Abende anders als bisher gestalten, die Aufgaben im Haushalt anders verteilen oder neu regeln, wer sich um die gemeinsamen Finanzen und Termine kümmert.

Ein anderer Aspekt sei, sich gegenseitig Freiheiten zu gewähren. „Vertrauen und Nähe sind gut, aber allzu große Nähe kann schaden“, sagt Paartherapeut Herzog. In einer Partnerschaft müsse man nicht alles miteinander unternehmen und immer wissen, was der andere wann genau macht. „Wenn man sich stattdessen Freiheiten gewährt, können Neugier und Spannung entstehen - statt Langeweile oder dem Gefühl der Enge.“

Dazu könne auch gehören, sich ein Hobby zu suchen oder ein bestehendes zu pflegen. „Jeder sollte auch seine eigenen Aktivitäten haben“, rät Herzog. „Gemeinsamkeiten sind zwar gut, aber jeder braucht seine eigene Nische, in die er oder sie sich zurückziehen kann.“ Das könnten Treffen mit Freundinnen oder Freunden, das Singen im Chor oder andere Hobbys sein.

Das machen auch Mark und Jessica. „In der ersten Zeit unserer Beziehung haben wir möglichst alles zusammengemacht“, erinnert sich Jessica. Doch dann spürte jeder von ihnen den Drang: „Ich möchte auch mal etwas alleine machen“. Auch weil sie nicht immer Lust auf das hatten, was der andere wollte. Zuerst hatten sie Sorge, dass sie sich auseinanderleben könnten. „Das war aber nicht so“, sagt Jessica. „Wir freuen uns darauf, uns nach Verabredungen ohne den anderen wiederzusehen und uns zu erzählen, was wir erlebt haben.“

Darüber hinaus gehört das Werben um den anderen ebenfalls zu einer Partnerschaft - auch nach fünf oder mehr Jahren. „Es ist wichtig, dem anderen Komplimente zu machen, zärtlich zu sein und sich für ihn zu interessieren“, sagt Elke Rohmann. Bei Konflikten sollte man bereit sein, auf die Bedürfnisse des Partners einzugehen und Kompromisse zu finden.

Wichtig ist auch, sich nach einiger Zeit nicht zu sehr gehen zu lassen. „Viele tragen, wenn sie zusammen sind, immerzu Jogginghose oder pflegen ihre Haare nicht“, sagt Diplom-Psychologe Herzog. „Man muss für den Partner aber geheimnisvoll bleiben und dafür sorgen, dass der andere einen weiter respektieren kann.“ Wenn einer sich die Zähne putzt und der andere im gleichen Raum auf der Toilette sitzt - das löse jegliche Distanz. „Auf die Dauer ist ein gewisser Abstand aber besser.“

dpa

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