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12:10 30.07.2010
Jakob (l-r), Anton und Cosmo in Frankfurt mit Schultüten und Ranzen auf dem Weg zu ihrem ersten Schultag. Wären sie im Osten eingeschult worden, wären die Schultüten vermutlich größer. Quelle: dpa (Archiv)

Manche Unterschiede zwischen Ost und West halten sich einfach. Der zur Einschulung beträgt 15 Zentimeter, genauso wie vor der deutschen Einheit. „Im Westen sind die Schultüten 70 und im Osten 85 Zentimeter lang“, sagt Klaus Roth. Der Geschäftsführer der Firma Roth Edition im erzgebirgischen Lichtentanne muss es wissen. Sein 40-Mann-Betrieb stellt pro Jahr 600.000 Schultüten her. Eine Hälfte geht in den Ost- Markt, die andere in den West-Markt.

Warum es den Größen-Unterschied gibt, weiß Roth nicht. Er weiß nur: „In den alten Ländern wird Schulanfang weniger groß gefeiert.“ In den neuen ist das anders: Da geht es in großer Gesellschaft meist ins Restaurant. Auf Geschenke verzichten müssen zwar auch West- Schulanfänger nicht. Aber in ihrer Tüte, die auch noch rund statt eckig wie die im Osten ist, gibt es einfach weniger Platz für Präsente.

Sachsens Kultusminister Roland Wöller (CDU) hatte bei seiner Einschulung 1977 im baden-württembergischen Heilbronn zum Glück nur den Vergleich mit seiner zwei Jahre jüngeren Schwester: „Sie bekam damals auch eine Schultüte - damit sie nicht traurig ist. Die war aber viel kleiner als meine“, sagt der heute 40-Jährige.

Tatsächlich sind ab fünf Zentimetern aufwärts jede Menge Tüten- Größen im Umlauf, vor allem für die lieben Verwandten und auch zu Dekorationszwecken. Selbst für Omas gibt es gleich zwei Varianten:
Die „wohlhabendere“ verschenke ein 60 Zentimeter langes Exemplar, die „normale“ ein 50-Zentimeter-Stück, sagt Roth. So bleibt die Tüte von den Eltern in jedem Fall die größte - egal ob in Ost oder West.

Geschäftsmann Roth hofft darauf, dass sich Einschulungsfeiern auch mehr und mehr in Westdeutschland durchsetzen. Die Rechnung ist einfach: Je größer die Party ist, um so mehr Gäste kommen, also werden mehr Schultüten verschenkt. „Statistisch gesehen gibt es für jeden Abc-Schützen sieben Schultüten“, sagt Roth - und verweist darauf, dass es bundesweit immer noch mehr als 700.000 Schulanfänger gibt. Die Tütenbranche ist kreativ: Jedes Jahr werden auch neue Produkte mit neuen Designs auf den Markt geworfen. „Pink, Pferde, Prinzessinnen - da kann man nichts falsch machen“, sagt Firmenchef Roth zu den Dauerbrennern.

Der pensionierte Hamburger Lehrer Hans-Günter Löwe beschäftigt sich seit drei Jahrzehnten mit der Geschichte des ersten Schultags. Den 15-Zentimeter-Unterschied kann aber auch er nicht erklären. „Die Quellenlage ist einfach miserabel“, sagt der 67-Jährige. Deshalb könne er nur vermuten, dass die Hersteller in Ostdeutschland anders als die im Westen einfach in der Lage waren, etwas größere und eben auch eckige Tüten zu fabrizieren.

Löwe zufolge kam der Brauch im 19. Jahrhundert in Sachsen und Thüringen auf. Fabrikmäßig produziert wurden Zuckertüten bereits vor 100 Jahren im Erzgebirge beim Familienbetrieb Nestler - „um 1910“, genau sei das leider nicht zu belegen. Damals saß die Ehrenfriedersdorfer Firma Nestler, heute mit jährlich 1,8 Millionen Schultüten Marktführer, noch in Wiesa. „Seit der Zeit wanderte der Schultütenbrauch dann in das übrige Deutschland“, ist Löwe überzeugt.

Die promovierte Sprachwissenschaftlerin Ruth Geier von der TU Chemnitz weiß zu berichten, dass der Begriff Zuckertüte in den 1960er Jahren in Westdeutschland abgelöst wurde - „aus gesundheitspolitischer Korrektheit“. Auf die Idee einer patentierten Schutzspitze kam indes auch im Westen keiner, sondern erst die Firma Roth, die 2004 mit der Herstellung eigener Zuckertüten begann. Mit dieser Spitze wird die Tüte vor dem Umknicken bewahrt.

Erich Kästner hätte diese Erfindung wohl geholfen. Er kam sich bei seiner Einschulung zu Ostern 1906 in Dresden vor „wie ein Zuckertütenfürst“, schrieb der Schriftsteller in seinen Kindheitserinnerungen „Als ich ein kleiner Junge war“. Es habe damals „kleine, mittelgroße und riesige Zuckertüten“ gegeben. Seine eigene habe ihm „bis zur Nasenspitze“ gereicht. „Ich trug meine Tüte wie eine Fahnenstange vor mir her.“ Doch dann sei er an einer Stufe gestolpert „und dabei brach die Tütenspitze ab (...) Schließlich hielt ich nur noch einen bunten Kegelstumpf aus Pappe in den Händen, ließ ihn sinken und blickte zu Boden. Ich stand bis an die Knöchel in Bonbons, Pralinen, Datteln, Osterhasen, Feigen, Apfelsinen, Törtchen, Waffeln und goldenen Maikäfern. (...) Welch ein Überfluß!“

dpa

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