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00:15 12.04.2016
Auch Tiere können sich berauschen. Mit ganz unterschiedlichen Substanzen. Delfine etwa bevorzugen das Gift des Kugelfisches. Quelle: dpa

Herr Ludwig, Sie haben mehr als 20 Bücher mit skurrilen Tiergeschichten veröffentlicht. Neuerdings beschäftigen Sie sich mit Tieren, die sich mit Drogen berauschen. Gibt es denn viele davon?
Mehr, als man denkt. Im Herbst sind zum Beispiel betrunkene Elche nichts Ungewöhnliches in Schweden. Die fressen vergorenes Obst, vertragen aber überhaupt keinen Alkohol. Immer wieder sieht man dort Elche, die in die Innenstädte torkeln oder sich auf Autobahnen legen.

Berauschen sich Tiere bewusst – so wie wir Menschen?
Einige schon. Rentiere zum Beispiel fressen gern Fliegenpilze, die sie selbst im Winter unterm Schnee gezielt ausgraben. Die sogenannten Magic Mushrooms enthalten bewusstseinserweiternde Substanzen, ähnlich LSD. Ein finnischer Kollege berichtete mir, wie das aussieht: Die Tiere schwanken, geben merkwürdige Geräusche von sich und schütteln heftig den Kopf. Oder nehmen wir Kängurus aus Tasmanien, dem größten Produzenten von legal angebautem Schlafmohn. Die Kängurus hüpfen – trotz der Zäune – in die Felder, um Mohnkapseln zu fressen. Und nach dem Konsum – schlafen die Kängurus dann ein?
Nein, sie hüpfen im Kreis. Es ist daraus schon eine Art von Känguru-Kornkreisen entstanden.

Der klingt kurios.
Noch kurioser geht es bei Delfinen zu, wenn sie Kugelfische kiffen.

Delfine kiffen Kugelfische?
Ja, die Fische enthalten ein starkes Nervengift, Tetrododoxin genannt, – auf Menschen wirkt das tödlich. Die Delfine knabbern ganz vorsichtig am Fisch herum, das versetzt sie in einen tranceartigen Zustand. Das machen aber nur männliche Delfine, die noch Junggesellen sind. Die lassen den Kugelfisch von Schnauze zu Schnauze kreisen – wie einen Joint.

Wie geht es dem Kugelfisch dabei?
Wenn die Delfine bekifft sind, lassen sie sich an die Oberfläche treiben – und der Kugelfisch kann schnell abhauen.

Drogen sind Gifte – ist der Konsum nicht auch für Tiere schädlich?
Auf jeden Fall. Wenn sie eine Überdosis nehmen, können sie sich vergiften und sterben. Für Tiere ist es besonders riskant, wenn sie durch den Rausch nicht mehr ihren natürlichen Instinkten folgen können. Das gilt gerade beim Thema Alkohol, das eine große Rolle in der Tierwelt einnimmt.

Zur Person

Bestsellerautor und Tierexperte: Mario Ludwig, geboren 1957, ist einer der erfolgreichsten und bekanntesten Naturbuchautoren Deutschlands. 20 Bücher, in denen er sich unterhaltsam mit den Phänomenen der Natur auseinandersetzt, hat der Biologe bisher veröffentlicht.  Mit seinen „Unglaublichen Geschichten aus dem Tierreich“ landete er in den deutschen Bestsellerlisten. Als Experte wird Ludwig häufig als Gast in TV-Talkshows und anderen Fernseh- und Hörfunksendungen eingeladen. Zweimal wurde er für das „Wissenschaftsbuch des Jahres“ nominiert. Außerdem und ist er als Dozent, Vortragsredner und Interviewpartner gefragt. Seit 1998 wohnt und lebt Mario Ludwig zusammen mit seiner Frau, einer Rechtsanwältin, in Karlsruhe.

Wer trinkt da gern?
Viele Affen sind große Alkoholfans. In Kapstadt in Südafrika beispielsweise schleichen sich Paviane in die Weinberge und zupfen die saftigen, reifen Trauben von den Reben – am liebsten sind ihnen Chardonnay- und die süßen Spätburgunder-Früchte. Wenn Affen den Trester fressen, taumeln sie danach durch den Weinberg und schlafen ihren Rausch an einem schattigen Plätzchen aus. Die Winzer amüsiert allerdings weniger.

Gibt es so was auch in Deutschland?
Hierzulande machen sich Igel gern über die Bierfallen in den Gemüsebeeten her. Die stellt man ja eigentlich wegen der gefräßigen Nacktschnecken auf. Auch die vollgesogenen Schnecken zählen mittlerweile zu den Lieblingsspeisen der Igel. Sie können mehrere Kilo verputzen – wie Schnapspralinen. Das kann verheerende Folgen haben: Besoffene Igel vergessen auch, sich einzurollen, und sind dann leichte Beute.

Gibt es Tiere, die mehr Alkohol vertragen als andere?
Frankfurter Wissenschaftler haben herausgefunden, dass etwa Singvögel, die Alkohol über Beeren aufnehmen, umgerechnet alle acht Minuten eine Flasche Wein trinken, ohne besoffen zu werden. Dafür sorgt das Enzym Alkoholdehydrogenase, das bei Singvögeln in der 14-fach höheren Konzentration vorkommt als bei einem durchschnittlichen Deutschen. Das hat die Natur so eingerichtet. Wie viel Tiere vertragen, kommt aber auch auf ihre Größe und ihr Körpergewicht an.

Interview: Sonja Fröhlich

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