Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Wirtschaft Wohl kein Bahnstreik am Wochenende
Mehr Welt Wirtschaft Wohl kein Bahnstreik am Wochenende
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:14 20.02.2015
Zum Wochenende müssen Reisende wohl noch nicht mit einem Bahnstreik rechnen. Quelle: dpa
Berlin

Die Lokführergewerkschaft GDL lässt die Bahnkunden weiter zappeln. Sie nennt noch immer keinen konkreten Zeitpunkt für ihren angekündigten nächsten Bahnstreik. Zum Wochenende aber müssen Reisende wohl noch nicht mit einem Ausstand rechnen. Es gebe keinen neuen Sachstand seit den Beschlüssen der Tarifkommission und des Vorstands vom Mittwoch, erklärte am Freitag ein Sprecher der Gewerkschaft in Frankfurt. Da die GDL allerdings versprochen hatte, Fahrgäste rechtzeitig zu informieren, dürfte ein Streik an diesem Wochenende eher unwahrscheinlich sein.

Auch die Deutsche Bahn teilte keinen neuen Sachstand mit. Eine Sprecherin verwies auf Aussagen vom Donnerstag, als Personalvorstand Ulrich Weber angekündigt hatte: „Ja, wir reden miteinander, wir sind in Kontakt.“ Das bundeseigene Unternehmen werde sich bemühen, den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen, hatte er versprochen. Dass es grundsätzlich neue Streiks geben soll, hatte die GDL am Mittwoch beschlossen. Sowohl den Starttermin als auch die geplante Dauer ließ sie aber zunächst offen. Es wäre der mittlerweile siebte Ausstand im laufenden Tarifkonflikt.

Der Fahrgastverband Pro Bahn forderte angesichts der zuletzt erfolglosen Verhandlungen den Einsatz eines externen Vermittlers. „Für die Fahrgäste ist die ganze Situation alles andere als lustig“, sagte Verbandssprecher Gerd Aschoff der „Passauer Neuen Presse“ (Freitag). Viele Menschen fragten sich, „ob bei diesem Tarifstreit überhaupt noch jemand durchblickt, und wünschen sich einen Schlichter“. Das sei zwar rechtlich problematisch, räumte Aschoff ein. „Aber eine Moderation, eine Mediation - das wäre schon vorstellbar.“ Als mögliche Kandidaten nannte er den früheren Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi, Karl Heinz Daehre, den früheren Verkehrsminister von Sachsen-Anhalt, oder Ex-EKD-Chef Nikolaus Schneider.

Auch der Vorsitzende des Beamtenbunds, Klaus Dauderstädt, brachte in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ eine Schlichtung ins Spiel. Der Deutsche Bahnkunden-Verband hatte am Donnerstag im „Münchner Merkur“ bereits gefordert, künftig Fahrgastvertreter bei Tarifgesprächen miteinzubeziehen.

Die Lokführer hatten im Herbst bereits sechs Mal gestreikt und dabei die Dauer des Ausstands stets verlängert. Der Zugverkehr wurde bundesweit stark eingeschränkt. In der vorigen Woche erklärte die GDL die Tarifverhandlungen abermals für gescheitert. Zur Begründung hieß es, die Bahn sei von ihrer Zusage aus dem Dezember abgerückt, dass die GDL eigenständig und unabhängig von der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) verhandeln dürfe. Über inhaltliche Forderungen der GDL nach kürzerer Arbeitszeit und 5 Prozent mehr Geld wurde noch nicht gesprochen.

Wie bezahlt die GDL den Lokführerstreik?

Wie lange eine Gewerkschaft wie die GDL streiken kann, ist unter anderem abhängig davon, wie gut ihre Streikkasse gefüllt ist. Die GDL zahlt jedem streikenden Mitarbeiter pro Tag jetzt 75 Euro. Der Satz wurde inzwischen erhöht, wie Sprecher Stefan Mousiol berichtet - in der Vergangenheit hatten die Streikenden 50 Euro bekommen. Als die Lokführer im November die Arbeit niederlegten, kostete das die Gewerkschaft täglich rund 150 000 Euro.

Doch woher stammt das Geld? Die etwa 34 000 Mitglieder der GDL zahlen einen Monatsbeitrag von rund 0,6 Prozent ihres Bruttoeinkommens - mindestens 7, maximal 28 Euro. Damit schafft sich die Gewerkschaft ein finanzielles Polster, von dem sie ihre Leistungen bezahlt. Ein Teil davon fließt in die Streikkasse. Wie viel Geld dort liegt, ist aber ein gut gehütetes Geheimnis. Ansonsten könnten die Arbeitgeber schließlich ausrechnen, wie lange die Gewerkschaft noch streiken kann - und ob es besser wäre, auf die Forderungen einzugehen oder zu warten, bis das Geld ausgeht. Zusätzliche Unterstützung erhält die GDL vom Deutschen Beamtenbund, in dem sie selbst Mitglied ist. Die Dachgewerkschaft zahlt ihren Mitgliedern pro Tag maximal 50 Euro für jeden Streikenden.

dpa/afp

Mehr zum Thema

Es ist wieder soweit: Bei der Bahn wird gestreikt. Von Dienstag an bis zum Sonntagmorgen soll es Zugausfälle in Personenverkehr geben. Passagiere sollten aber schon jetzt ihre Rechte und Möglichkeiten kennen, falls sie dann am Bahnsteig stehenbleiben. Eine Übersicht.

04.05.2015

Für die Kunden der Deutschen Bahn bleibt die Reiseplanung unsicher. Dem Verkehrskonzern droht weiterhin ein Streik der Lokführer - es scheint aber auch möglich, dass die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) den Ausstand noch abbläst.

22.02.2015
Wirtschaft Chef der Lokführergewerkschaft - Weselsky verteidigt Streiks bei der Bahn

Einen Tag nach der Streikankündigung der Lokführer im Konflikt mit der Deutschen Bahn hat GDL-Chef Claus Weselsky den genauen Zeitpunkt und die Dauer des Streiks weiter offen gelassen. Die Lokführergewerkschaft werde "rechtzeitig" informieren, sagte er am Donnerstag im ZDF. Die deutsche Wirtschaft warnt vor einem längeren Streik.

19.02.2015
Wirtschaft Einziger börsennotierter Fußballverein - Borussia Dortmund bleibt auf Wachstumskurs

Deutschlands einziger börsennotierter Fußballverein Borussia Dortmund bleibt auf Wachstumskurs, hat im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2014/15 (30.6.) aber weniger Gewinn erzielt. Der Umsatz stieg um 13,7 Millionen auf 150,2 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr.

20.02.2015

Ein Vermittler soll im festgefahrenen Tarifstreit zwischen der Deutschen Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL die verhärteten Fronten aufbrechen und so den drohenden Streik der Lokführer abwenden. Das hat der Fahrgastverband Pro Bahn vorgeschlagen.

20.02.2015

Auf Europas Automärkten liefen die Geschäfte lange schlecht. Doch 2014 konnten die deutschen Hersteller auch auf dem Heimatkontinent wieder mehr Umsatz einfahren. Hat die Erholung Bestand?

20.02.2015