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Wirtschaft Diese Baustellen muss VW-Chef Müller anpacken
Mehr Welt Wirtschaft Diese Baustellen muss VW-Chef Müller anpacken
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00:15 01.05.2016
Von Stefan Winter
Vor diesen Baustellen stehen VW-Konzernchef Matthias Müller und VW-Markenchef Herbert Diess (Bild, links oben): Rückruf, USA, Unternehmenskultur, Partnerschaften, Elektroantrieb. Quelle: dpa
Wolfsburg

Ein "Jahr des Übergangs" habe begonnen, sagte Matthias Müller. Der VW-Chef versuchte am Donnerstag den Spagat zwischen Vergangenheitsbewältigung und Aufbruchstimmung. "Mit den Software-Manipulationen bei Dieselmotoren wurden Regeln gebrochen und ethische Grenzen überschritten", sagte er, aber "Volkswagen ist trotz allem ein starkes, quicklebendiges Unternehmen". Nach den Turbulenzen 2015 werde dieses Jahr allerdings "nicht minder anspruchsvoll".

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Witter rechnet mit deutlich schwarzen Zahlen

Die Bilanz am Ende dieses Jahres soll erheblich besser aussehen als die am Donnerstag präsentierte. "Wir gehen davon aus, dass wir 2016 mit Gewinn abschneiden werden", sagte Finanzvorstand Frank Witter. Alle absehbaren Sonderlasten wurden in die Bilanz 2015 gepackt und führten zu einem Verlust von 1,6 Milliarden Euro.

So wurden für technische Nachbesserung und den – nur für die Vereinigten Staaten geplanten – Rückkauf von Dieselautos 7,8   Milliarden Euro zurückgestellt. Die weltweiten Rechtsrisiken werden auf 7  Milliarden Euro geschätzt. Für dieses Jahr erwartet Witter nichts annähernd Vergleichbares. Er rechnet mit stabilen Verkäufen, maximal 5 Prozent Umsatzrückgang und deutlich schwarzen Zahlen. Auf dem Weg liegen aber Baustellen:

  • Rückruf: Nach wie vor sollen alle deutschen Diesel-VW mit manipulierter Software bis zum Jahresende nachgebessert werden. Die Aktion könnte aber auch bis 2017 hineinreichen, weil sich die Genehmigung der Passat-Maßnahmen verzögert. Deshalb wird nun der Golf vorgezogen und in den nächsten Wochen in die Werkstätten gerufen. Am Erfolg der Passat-Umrüstung hat VW-Markenchef Herbert Diess keine Zweifel: "Der Passat wird uns gelingen."
  • USA: Nachdem ein amerikanischer Richter die Vereinbarung von VW mit den Umweltbehörden grundsätzlich gebilligt hat, hofft man darauf, bei der Justiz glimpflich davonzukommen. Müller traf am Rand der Hannover Messe US-Präsident Barack Obama – "für zwei Minuten". Er habe sich für die Abgasmanipulationen entschuldigt und seine Verantwortung für die Arbeitsplätze betont – in der "Hoffnung, dass Amerika uns eine Brücke baut".
  • Unternehmenskultur: Eine "neue, von Offenheit, Mut und Kooperation geprägte Denkweise" strebt Müller an. Sein Vorstandskollege Diess hat bei der Marke VW Verantwortliche für Baureihen benannt, die von der Entwicklung bis zum Vertrieb viel Entscheidungsfreiheit haben. Dies sorgt im Moment allerdings auch für einige Unruhe.
  • Partnerschaften: Mit Gemeinschaftsprojekten tat sich der Volkswagen-Konzern immer schwer. Das soll sich mit dem Kulturwandel ändern. Für Vernetzung und autonomes Fahren brauchen die Autobauer die Kompetenz der Internetkonzerne. Deshalb öffne sich VW für Partnerschaften und Beteiligungen. Einige Gespräche seien weit fortgeschritten, Apple und Google seien aber nicht dabei.
  • Elektroantrieb: "Wir wollen das Elektroauto zu einem neuen Markenzeichen von Volkswagen machen", sagt Müller. Bis 2020 sollen mehr als 20 E-Modelle hinzukommen. Eine entsprechende Plattform wird entwickelt.

Als US-Präsident Barack Obama am Wochenende in Hannover war, hat VW-Chef Matthias Müller die Gelegenheit genutzt und sich persönlich bei ihm für den Diesel-Skandal entschuldigt. Die Reaktion des Amerikaners machte dem Manager Mut.

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