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Wirtschaft Netzentgelte sollen gerechter verteilt werden
Mehr Welt Wirtschaft Netzentgelte sollen gerechter verteilt werden
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17:10 30.06.2017
In Ost- und Norddeutschland wird viel Ökostrom produziert, gleichzeitig sind die Netze aber unzureichend ausgebaut und teurer als anderswo. Quelle: dpa
Berlin

Stromkunden sollen künftig überall die gleichen Netzentgelte zahlen, egal wo sie wohnen. Das geht aus einem Gesetz hervor, das der Bundestag am Freitag verabschiedet hat. Verbraucher in Ost- und Norddeutschland können dadurch mittelfristig mit niedrigeren Preisen rechnen – denn hier sind die Netzentgelte durch den großen Anteil Ökostrom bisher höher. Im Westen und Süden könnte es dagegen teurer werden. Die schrittweise Anpassung soll 2019 in Kraft treten und dann in Jahres-Schritten erfolgen, so dass Anfang 2023 bundesweit ein einheitliches Niveau erreicht wird.

Die große Koalition hatte die Neuregelung vor allem den neuen Ländern zugesagt. Union und SPD verständigten sich dann am Dienstag praktisch in letzter Minute noch auf einen Zeitplan für die Angleichung der Netzentgelte. Diese machen rund ein Viertel der Stromkosten aus. Die Netzkosten fallen pro Kunde umso höher aus, je dünner ein Versorgungsgebiet besiedelt ist.

Wirtschaft bemängelt zögerliche Umsetzung

Der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK) bedauerte, das Netzentgeltmodernisierungsgesetz greife nur Ausschnitte einer gänzlich zu modernisierenden Systematik auf. Die Reform schaffe nun aber immerhin „auch für die Anlagenbetreiber in der Industrie Investitions- und Planungssicherheit“, hieß es.

Die Wirtschaftskammern haben mit Lob und Kritik reagiert. „Wir hätten uns eine schnellere Umsetzung gewünscht“, erklärte der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Suhl, Ralf Pieterwas. Derzeit seien die Netzentgelte im Osten teilweise mehr als doppelt so hoch wie im Westen. Gerade kleinere und mittlere Betriebe könnten die jährlichen Preissteigerungen nicht komplett kompensieren oder an die Kunden weitergeben, sagte Pieterwas. Deshalb sei auch der Zeitplan bis 2022 ärgerlich.

Von ang/RND/dpa