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17:30 14.10.2016
Immer eine gute Idee: Mit diesem Slogan wirbt Kaiser’s Tengelmann. Nun droht dem Unternehmen die Zerschlagung. Quelle: dpa
Mühlheim an der Ruhr

Auch nach dem Abbruch der Gespräche zu einer Lösung für die angeschlagene Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann gibt es noch Hoffnung auf eine Rückkehr an den Verhandlungstisch. „Wir gehen noch nicht davon aus, dass die Gespräche zu Ende sind“, erklärte eine Verdi-Sprecherin. Derzeit liefen noch Kontakte zwischen der Gewerkschaft und den Beteiligten, in erster Linie den konkurrierenden Lebensmittelketten Edeka und Rewe.

Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger kritisierte unterdessen das überraschend bekanntgegebene Aus für die Gespräche. „Wir können nicht nachvollziehen, dass die Gespräche vorzeitig beendet wurden beziehungsweise für gescheitert erklärt worden sind“, sagte sie.

Wirtschaftsminister Gabriel bringt Schlichter ins Spiel

Das Bundeswirtschaftsministerium bekräftigte unterdessen den Appell von Ressortchef Sigmar Gabriel (SPD) an die beteiligten Unternehmen, sich ernsthaft um eine Einigung zu bemühen. Die Verantwortung liege jetzt erst einmal bei den Beteiligten. Außerdem meldete sich Gabriel am Freitag noch einmal zu Wort: „Ich finde, man muss auch noch einmal die Idee erörtern, ob nicht ein Schlichter helfen kann“, sagte der SPD-Politiker in Berlin. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und er seien „sehr erschrocken“ über das drohende Scheitern der Beratungen gewesen. Rewe-Chef Alain Caparros schlug seinerseits Gabriel als Schlichter vor.

Gibt es doch noch eine Zukunft: Offenbar wird hinter den Kulissen an einer tragbaren Lösung für die 16.000 Mitarbeiter gesucht. Quelle: dpa

Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub räumte nach Informationen des WDR in einem Brief an die Mitarbeiter eine letzte Chance für die Suche nach einer Lösung ein. „Ich habe deshalb noch einmal an Rewe, Markant und Norma appelliert, das Wohl von 16.000 Menschen und ihrer Angehörigen über ihre wirtschaftlichen Interessen zu stellen und den Weg frei zu machen für die Übernahme durch Edeka“, zitierte der Sender aus dem Schreiben.

Rewe könnte Kaiser’s Tengelmann als Ganzes übernehmen

Einem am Ende der Verhandlungen von Rewe vorgelegten letzten Angebot bescheinigte der Kartellrechtler Maxim Kleine von der Kanzlei Norten Rose Fulbright zumindest theoretisch gewisse Umsetzungs-Chancen. „Es ist ein gangbarer Weg, aber ein riskanter Weg“, sagte er. Rewe hatte zuletzt angeboten, Kaiser’s Tengelmann als Ganzes mitsamt der Schulden zu übernehmen und alle Arbeitsplätze abzusichern. Doch Haub hatte diesen Weg als rechtlich nicht gangbar zurückgewiesen.

Der Betriebsratsvorsitzende der Kaiser’s-Tengelmann-Region Nordrhein, Rainer Schroers, berichtete von einer „maßlosen Enttäuschung und Verärgerung“ unter den Mitarbeitern. „Jetzt macht sich auch zusätzlich noch Angst breit“, sagte er. Die Hoffnungen seien mit einem Schlag zerstört worden.

Tausende Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel

Tengelmann-Eigentümer Haub hatte erklärt, mit der Zerschlagung zunächst bei dem Kaiser’s-Filialnetz der Vertriebsregion Nordrhein beginnen zu wollen. Die „Verwertungsphase“ der Vertriebsregionen München und Berlin solle zeitverzögert starten. Vor allem in den vorwiegend in Nordrhein-Westfalen gelegenen Filialen wird mit dem Verlust von Tausenden Jobs gerechnet.

Von RND/dpa

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