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Lebensmittelhandel im Internet kein Erfolg

Amazon Fresh und Co. Lebensmittelhandel im Internet kein Erfolg

Der Onlinehandel spielt beim Lebensmittelkauf bislang kaum eine Rolle. Viele glaubten, der Start des Lebensmittellieferdienstes Amazon Fresh würde dies ändern. Doch bislang hat sich diese Erwartung nicht erfüllt.

Die Umwälzung im Lebensmittelhandel ist ausgeblieben. Bisher ist Amazon Fresh mit seinen grünen Kühltaschen nur in Berlin, Hamburg und München am Start.

Quelle: dpa

Düsseldorf. Als der Internetgigant Amazon im vergangenen Jahr seinen Lebensmittellieferdienst Amazon Fresh in Deutschland startete, hielt der Lebensmittelhandel den Atem an. Die Sorgen waren groß. Niemand wusste, wie dramatisch der durch den US-Konzern ausgelöste Wandel sein würde.

Doch nicht einmal ein Jahr später sind die größten Ängste offenbar verflogen. Der Siegeszug des Onlinehandels im Geschäft mit Hackfleisch, Tomaten und Mineralwasser ist vielleicht nicht abgesagt, aber doch aufgeschoben. „Im Lebensmittelhandel ist eine Ernüchterung zu beobachten, was das Onlinegeschäft angeht“, beobachtet E-Commerce-Experte Kai Hudetz vom Kölner Institut für Handelsforschung (IFH). „Viele haben einen Gang zurückgeschaltet, was den Ausbau ihrer Internetaktivitäten angeht.“

Die Erwartung, dass durch den Start von Amazon Fresh der Onlinehandel mit Lebensmitteln unheimlich an Fahrt gewinne, habe sich nicht erfüllt. Das Branchenfachblatt „Lebensmittel-Zeitung“ beschreibt den Trend mit den Worten: „Zwei Schritte vor und einen zurück“.

Tatsächlich scheinen die großen deutschen Handelsketten ein wenig die Lust verloren zu haben. Beim Internetvorreiter Rewe stagniert die Zahl der vom Lieferservice abgedeckten Regionen seit geraumer Zeit bei 75. Statt das Netz weiter zu verdichten, testet Rewe lieber in gut 50 Läden Servicestationen, bei denen der Kunde per Internet bestellte Waren selbst abholt.

Die Konkurrenz ist überschaubar

Konkurrent Edeka beschränkt sich mit dem von Tengelmann übernommenen Lieferdienst Bringmeister auf Berlin und München. Die zur Schwarz-Gruppe gehörenden Handelsketten Lidl und Kaufland haben das mit viel Ehrgeiz gestartete Onlinegeschäft mit Lebensmitteln sogar wieder weitgehend aufgegeben. Ein Lieferservice im Lebensmittelbereich lasse sich „auf Sicht nicht kostendeckend betreiben“, hieß es bei Kaufland. Aldi lässt in Deutschland ganz die Finger von dem Thema.

Selbst Amazon legt beim Ausbau seiner Lebensmittelaktivitäten in Deutschland bisher ein eher geruhsames Tempo vor. Bisher ist Amazon Fresh nur in Berlin, Hamburg und München am Start. Doch wuchs die Zahl der angebotenen Artikel immerhin von mehr als 85 000 beim Start in Berlin auf inzwischen mehr als 300 000 in München.

Die Kunst ist es, im richtigen Moment auf den Zug aufzuspringen

„Die Händler stehen vor einem Dilemma: Wer zu früh in den Onlinehandel einsteigt, verliert Geld. Wer zu spät kommt, verliert Marktanteile. Die Kunst ist es, bereit zu sein, um auf den Zug aufzuspringen, wenn er losfährt. Aber nicht vorher. Das Anschieben kostet im Moment noch unheimlich viel Geld“, meint Hudetz.

Tatsächlich liegt der Marktanteil des Onlinehandels bei Lebensmitteln nach wie vor bei nur rund einem Prozent. Die durch ein dichtes Ladennetz verwöhnten Deutschen erweisen sich als schwierige Kunden für die Onliner. Woran es den Internetsupermärkten vor allem fehlt, ist Stammkundschaft. „Das Marktpotenzial des Onlinehandels mit Lebensmitteln wurde von vielen überschätzt“, glaubt Handelsexperte Hudetz. Bei den meisten Verbrauchern fehle die Bereitschaft, die Kosten für den teuren Lieferservice zu bezahlen.

„Der Onlineanteil beim Verkauf von Lebensmitteln kann in den nächsten zehn Jahren 10 Prozent erreichen“, sagt E-Commerce-Experte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein. „Wie es heute aussieht, wird sich Amazon mindestens 50 Prozent davon sichern. Wenn Rewe und Edeka nicht bald wieder Gas geben, könnten es sogar 80 Prozent werden.“

Von dpa/RND