Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Wirtschaft Horror-Szenario: Großbritannien flugfreie Zone
Mehr Welt Wirtschaft Horror-Szenario: Großbritannien flugfreie Zone
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:26 11.07.2017
Ein Bild mit Symbolkraft am Londoner Flughafen Heathrow. Quelle: EPA (Archiv)
Brüssel

Der Stichtag heißt 1. September 2018. „Wenn wir bis dahin keine Rechtssicherheit haben, beginnen wir, Flüge in ganz Europa und in die USA zu streichen.“ Es ist ein gespenstisches Szenario, das Ryanair-Chef Michael O’Leary am Dienstagnachmittag im Verkehrsausschuss des Europäischen Parlamentes, malt. Und er steht nicht alleine. „Wir brauchen sobald wie möglich klare Regeln, damit wir planen können“, betont auch Franck Goldnagel, Direktor des größten französischen Flughafens Paris-Charles de Gaulle. „Heathrow wird leer“, bekräftigt auch der Chef des britischen Flughafens nahe der Hauptstadt, John Holland-Kaye.

Die Vorstellung scheint undenkbar. Doch der Vizepräsident der US-amerikanischen Flugvereinigung „Airlines for America“, Sean Kennedy, ging zum Wochenstart sogar noch weiter: „Ohne Abkommen wird es am Tag Eins des Brexits keine Flüge zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien geben. Der Luftverkehr zwischen der EU-27 und der Insel kommt zum Erliegen.“ Der Grund: London falle aus allen geltenden Verträgen mit den europäischen Ländern. Auch das sogenannte Open-Skies-Abkommen, das den Luftverkehr zwischen dem amerikanischen Kontinent und Großbritannien regelt, muss neu ausgehandelt werden. Ryanair-Chef O’Leary: „Dann können die Briten noch nach Schottland oder mit der Fähre nach Irland fahren. Mehr geht nicht.“

50 Prozent der regionalen Flughäfen bekämen Umwälzungen zu spüren

Die Spitzenvertreter der Branche präsentierten sich in Brüssel aufgewühlt. „Der Brexit und seine Auswirkungen auf den Flugverkehr sind ein dramatisches Ereignis für ganz Europa“, erklärte der Vizepräsident der Lufthansa-Group, Thomas Kropp. Es drohten „einschneidende und gefährliche Folgen“. Tatsächlich geht es aber nicht nur um den Luftverkehr selbst, sondern alle Beteiligten, die von solchen Auswirkungen betroffen wären. So rechneten die Experten vor, dass bis zu 50 Prozent der regionalen Flughäfen und Landeplätze in Europa die Umwälzungen zu spüren bekämen. Vor allem die als Niedrigpreis-Flieger bekannten Gesellschaften wie Ryanair und Easyjet würden ihre Prioritäten ohne einen erfolgreichen Abschluss eines Abkommens zwischen der EU-27 und Großbritannien neu ordnen. Das führe dazu führen, dass bisherige Verbindungen gestrichen oder verlagert werden müssten. Auch die kleineren Flughäfen in Deutschland könnten in Schieflage geraten. Mehr noch: Willie Walsh, Geschäftsführer des IAG-Konzerns, eines Zusammenschlusses mehrere europäischer Linien, befürchtet weitergehende Einschnitte für große Hersteller wie Airbus und die Zulieferer. „Flugzeuge, die man 2019 braucht, werden 2018 bestellt – und wir wissen heute nicht, ob wir die dann noch mit Flügeln bekommen. Denn die werden von englischen Betrieben zugeliefert.“

Die fast schon flehentliche Bitte der Fachleute an diesem Dienstag im EU-Parlament lautet: „Geben Sie uns möglichst bald verbindliche Regeln und lassen Sie es nicht geschehen, dass der heutige offene Markt am Himmel eingeschränkt wird“, so Heathrow-Chef Holland-Kaye. Doch es scheint schwierig, dieser Bitte nachzukommen. Denn dazu müsste der Luftverkehr aus den Binnenmarkt-Verhandlungen ausgenommen und vorgezogen werden. Das hat die EU bisher strikt abgelehnt. Erst wollen Brüssels Unterhändler die Trennung Londons von der Union aushandeln. Die anderen Fragen sollen erst nach dem März 2019 drankommen.

Von RND/Detlef Drewes

Air Berlin hat einen neuen Steuermann im Aufsichtsrat. Das Kontrollgremium von Deutschlands Krisen-Fluggesellschaft übernimmt ab sofort Gerd Becht. Das frühere Bahn-Vorstandsmitglied Gerd beerbt damit Vorgänger Joachim Hunold.

11.07.2017

Der Essener Konzern Thyssen-Krupp plant einen Jobbau in den nächsten drei Jahren: In der Verwaltung sollen von 18.000 Mitarbeitern bis zu 2500 Menschen gehen. Das Unternehmen will so 400 Millionen Euro bis zum Ende des Geschäftsjahres 2019/20 einsparen. Doch auch andere Konzernbereiche sind vom Sparkurs betroffen.

11.07.2017

Die elektrische und magnetische Strahlung von Hochspannungsleitungen kann Auswirkungen auf die Gesundheit haben, wenn die Grenzwerte nicht eingehalten werden. Studien legen einen Zusammenhang zu Erkrankungen nahe. Dem will das Bundesamt für Strahlenschutz jetzt nachgehen.

11.07.2017