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Wirtschaft Flohmärkte gibt es auch im Internet
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13:45 15.06.2017
Schöne alte Dinge kann man auch im Internet verkaufen – wenn man sich vorab informiert. Quelle: iStockphoto
Berlin

Alte Handys, Kleidung, Erinnerungsstücke und Bücher, Bücher, Bücher. Einer repräsentativen Umfrage zufolge horten mehr als 80 Prozent der Deutschen Sachen zu Hause, die sie eigentlich gar nicht mehr brauchen. Doch wohin bloß mit all dem Kram, wenn es mal ans große Aufräumen geht?

Der Gang auf den Flohmarkt erfordert Planung und Organisation. Und selbst wer Kisten für karitative Einrichtungen packt, muss sie später auch tatsächlich noch wegbringen. Viel bequemer ist es dann doch, einfach zu Hause sitzen bleiben zu können und den Krempel – beziehungsweise die Schätze – per Mausklick loszuwerden. Über Online-Auktionen, Kleinanzeigen oder auf einem von zahlreichen Ankaufportalen im Netz.

Rund zehn Prozent der Internetnutzer haben einer von den Verbraucherzentralen in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage zufolge schon einmal etwas an Internethändler wie rebuy, zoxs oder momox.de verkauft. Diese nehmen gebrauchte Bücher, Filme, Kleidung oder Elektronikartikel für einen bestimmten Preis entgegen und verkaufen sie später selbst im eigenen Shop weiter.

Die Marktführer verdienen gut

Für die Händler lohnt sich das Geschäft. Marktführer momox etwa meldete für das vergangene Jahr einen Umsatz von 150 Millionen Euro. Seit seiner Gründung vor elf Jahren ist das Berliner Unternehmen stetig gewachsen. An mittlerweile zwei Standorten in Deutschland nehmen heute rund 1000 Mitarbeiter täglich Pakete mit Büchern, CDs, Computerspielen und Kleidung entgegen. Von diesem Erfolg hat Firmengründer Christian Wegner wohl kaum zu träumen gewagt, als er 2004 eher zufällig ein günstiges Buch aus dem Antiquariat kaufte und es später gewinnbringend online wieder los wurde. Die Geschäftsidee war geboren.

Auch der Handel mit gebrauchten Smartphones ist lohnenswert. Internethändler wie das Unternehmen Asgoodasnew nehmen Altgeräte in Zahlung, reinigen sie, beseitigen kleinere Mängel und löschen sämtliche Daten. Danach werden die gebrauchten Handys in den hauseigenen Onlineshops wieder zum Verkauf angeboten.

Die Stiftung Warentest hat im letzten Jahr sieben verschiedene Ankaufplattformen untersucht und dort testweise gebrauchte Smartphones verkauft. Auf den drei ersten Plätzen landeten dabei die Internethändler Clevertronic, Zoxs und Asgoodasnew. Alle drei boten den besten Service und zahlten die höchsten Preise. Das Unternehmen Asgoodasnew war sogar so fair, für das unter Wert beschriebene Smartphone im Nachhinein noch mehr zu zahlen.

Doch nicht alle Nutzer der Ankaufplattformen sind mit dem Service zufrieden. Deutschlandweit häuften sich zuletzt bei den Verbraucherzentralen Beschwerden über die Onlinehändler. Viele ärgerten sich darüber, dass ihnen die Portale am Ende weniger Geld zahlten als vereinbart, in manchen Fällen wurden Waren der Verbraucher auch ohne ihr Wissen von den Anbietern entsorgt.

Verbraucherschützer üben Kritik

Das Marktwächterteam der Verbraucherzentrale Brandenburg hat darum das Geschäftsmodell von zwölf Plattformen bundesweit unter die Lupe genommen und teils gravierende juristische Mängel in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen festgestellt. So räumte sich eine Plattform ein, den abgesprochenen Preis um 20 Prozent reduzieren zu dürfen, um die Geschäftsabwicklung zu beschleunigen. Andere Anbieter legten eine Frist von lediglich zwei Tagen fest, in denen Verbraucher dem neu vorgeschlagenen Preis widersprechen können.

Maike Lück, Rechtsreferentin im Marktwächterteam der Verbraucherzentrale Brandenburg, hält das für unzulässig: „Das Schweigen des Verbrauchers wird hier als Einverständnis gewertet.” Gesetzlich erforderlich sei es hingegen, noch einmal ausdrücklich darauf hinzuweisen, was passiere, wenn der Verbraucher sich nicht zurückmelde.“ Diesen Anforderungen kamen die Anbieter auf ihren Plattformen nicht nach.

Auch zu der Entsorgung der Waren informierten die Plattformen nach Ansicht der Brandenburger Marktwächter nicht ausreichend. Demnach gehen nach Ablauf einer bestimmten Rückmeldefrist Waren ins Eigentum des Ankauf-Anbieters über und werden gespendet oder entsorgt, ohne dass der Verbraucher Bescheid weiß. „Eine solche Eigentumsaufgabe widerspricht genau der Intention des Verbrauchers seine Ware zu verkaufen”, so Lück. „Das Schweigen darf daher nicht einfach als Zustimmung gewertet werden.”

Fünf Ankaufplattformen haben die Marktwächter seither abgemahnt, vier von ihnen eine Unterlassungserklärung unterzeichnet. Ein Anbieter ist mittlerweile nicht mehr im Netz zu finden. Nach Ansicht von Maike Lück und ihren Marktwächter-Kollegen könnten Verbraucher mit kurzen Filmen über die Arbeitsweise der Plattformen informiert werden, manche Portale blenden bereits kurze Infotexte dazu ein, wie der vorgeschlagene Preis zustande kommt. Diese ersten Verbesserungen begrüßt Lück. „Allerdings zeigen unsere Erfahrungen, dass für viele Verbraucher insbesondere die Preisgestaltung schwer nachvollziehbar ist.” Darum sei das Marktwächterteam weiterhin im Gespräch mit den Händlern, um gemeinsam eine verbraucherfreundliche Lösung zu finden.

Es ist lohnend, Angebote zu vergleichen

Das Prinzip für den Verkauf von gebrauchten Sachen ist bei allen Ankaufportalen gleich: Auf der Webseite des Anbieters wird der Barcode eingegeben oder über die App direkt eingescannt. Daraufhin macht der Händler einen Preisvorschlag. Oftmals bieten die einzelnen Plattformen für denselben Artikel unterschiedlich viel Geld, darum lohnt es sich mehrere Angebote miteinander zu vergleichen.

Wer mit dem vorgeschlagenen Preis zufrieden ist, schickt seine Artikel zum Portal. Ab einem Verkaufswert von 10 bis 30 Euro übernehmen die Ankäufer die Versandkosten. Vor Ort wird die Ware noch einmal auf etwaige Mängel überprüft. Ist der Internethändler mit der Qualität zufrieden, überweist er das vorab versprochene Geld innerhalb weniger Tage bis Wochen oder er schlägt einen anderen Preis vor.

Das kann passieren, wenn der eingeschickte Artikel nicht seiner Beschreibung entspricht. Vergilbte Buchseiten, zerkratzte Smartphone-Displays oder andere nicht benannte Mängel erlauben es den Ankäufern den Preis für das Produkt zu senken oder die Annahme zu verweigern. Dann geht die Ware meist versandkostenfrei an den Verkäufer zurück. Und der steht wieder vor der Frage: Wohin eigentlich mit dem ganzen Kram?

Seriöse Ankaufplattformen finden

Erfahrungsberichte lesen: Auf der Seite http://de.reclabox.com/ können Nutzer unter anderem von Ankaufplattformen ihrem Ärger Luft machen. Häufen sich Beschwerden über ein bestimmtes Ankaufportal, sollte man besser die Finger davon lassen.

Kleingedrucktes studieren: Ob und unter welchen Bedingungen der ursprünglich angezeigte Preis verändert werden kann, lässt sich in den AGB finden. Dort steht auch, was passiert, wenn der Händler die Ware doch nicht haben will.

Schnell reagieren: Wer auch nach Versand der Ware auf Mails und andere Kontaktaufnahmen des Internethändlers achtet, verpasst keine möglichen Fristen und spart sich dadurch Ärger.

Von Alena Hecker/RND

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