Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Wirtschaft Strom-Discounter tricksen weiter
Mehr Welt Wirtschaft Strom-Discounter tricksen weiter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:37 06.02.2015
Stromdiscounter locken mit Kampfpreisen - doch im Kleingedruckten der Verträge kann sich viel Ärger verbergen. Quelle: Jens Büttner
Bonn

Am Preiskampf hat sich auch nach der breiten Berichterstattung über die spektakulären Pleiten der Vorkasse-Stromanbieter Teldafax und Flexstrom nichts geändert. Vor allem um die hohen Boni für Neukunden, die Anbieter als Köder für den Wechsel nutzen, gibt es häufig Streit.

Manche Firmen versuchen später, sich um die Zahlung der Sonderrabatte zu drücken, wie der Energierechtsexperte Jürgen Schröder von der Verbraucherzentrale NRW berichtet. Versorger beriefen sich auf wenig nachvollziehbare Ausschlussgründe oder gaukelten den Kunden mit intransparenten Rechnungen vor, sie hätten den Nachlass bekommen.

2 von 49 Anbietern als fair getestet

„Viele Billigstrom-Anbieter machen im ersten Vertragsjahr zunächst keinen Gewinn, bitten den Kunden aber in den Folgejahren kräftig zur Kasse“, heißt es in einer Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney von Ende 2012. Damit sich das Geschäft am Ende rechne, würden den Kunden nach dem ersten Jahr lange Anschlusslaufzeiten untergejubelt oder die Preise im zweiten Jahr stark erhöht, fand die Stiftung Warentest 2014 heraus. Nur 2 von 49 Billigstrom-Tarifen bezeichneten die Tester in der Untersuchung als fair.

Aktuell konzentrierten sich viele der Beschwerden auf wenige Firmen, darunter eine Unternehmensgruppe aus Köln, sagt Schröder. Den Anbieter mit einem Geflecht von Unternehmen und Marken haben die Verbraucherschützer wegen der aus ihrer Sicht windigen Praktiken erst abgemahnt, dann beim Landgericht Köln verklagt (Az.: 31 O 514/2014).

Auch die Bundesnetzagentur ermittelt gegen ein Unternehmen aus dieser Gruppe. Grund seien unter anderem zahlreiche Beschwerden über verspätete Abrechnungen, sagte ein Sprecher der Bonner Behörde. Damit werde den Kunden eine fristgerechte Kündigung erschwert. Bei dem Unternehmen war auf Nachfrage niemand zu erreichen.

Die ausgefeilten Tricks der Strom-Discounter

Die Tricks sind zuweilen ausgefeilt: Ein Versorger bot beispielsweise in einer „Weihnachtsaktion“ seinen Kunden 50 Euro für eine vorzeitige Vertragsverlängerung zu gleichen Konditionen. Wer unterschrieb, musste danach aber feststellen, dass der Neukunden-Bonus von 25 Prozent nicht mehr gewährt wurde, berichtet die Verbraucherzentrale. Der Versorger interpretierte die Vertragsverlängerung nämlich als Tarifwechsel, der den Bonus hinfällig mache.

In einem anderen Fall erhöhte ein Versorger nach dem Abschluss des Vertrags, der einen 25-Prozent-Bonus vorsah, die Preise. Als der Kunde deshalb kündigte, wurde er vorzeitig aus seinem Tarif abgemeldet - genau einen Tag, bevor er seine zwölf Monate als Kunde voll und damit den Bonusanspruch erworben hatte.

Ein anderer Kündigungstermin sei wegen „vorgegebener Funktionsabläufe“ nicht möglich, argumentierte der Versorger. Dieser Fall landete bei der bundesweiten Schlichtungsstelle Energie der Branche unter Leitung des ehemaligen Bundesverwaltungsrichters Jürgen Kipp. Der Vermittler sah den Kunden im Recht.

Eine gängige Methode zum Abkassieren sind nach Beobachtung von Verbraucherschützern auch überhöhte Abschlagzahlungen und verspätetes Erstatten von Guthaben. Wegen solcher Praktiken hat das OLG Düsseldorf einen Billigstrom-Anbieter Mitte Dezember 2014 verurteilt (Az.: I-20 U 136/14). Das Unternehmen darf Abrechnungsguthaben künftig nicht mehr nach und nach mit Monatsabschlägen verrechnen, sondern muss sie unverzüglich und vollständig ausbezahlen.

Der Teufel steckt im Kleingedruckten

Verbraucherschützer kritisieren auch die komplizierten Firmenkonstruktionen mancher Billiganbieter. Welches der oft zahlreichen miteinander verbandelten Unternehmen denn nun der Vertragspartner ist, gehe nur versteckt aus dem Kleingedruckten der Allgemeinen Geschäftsbedingungen hervor. So wüssten Verbraucher häufig nicht, wem sie ihre Kündigung schicken sollen - und sogar Anwälte hätten in einem Streitfall die falsche Firma verklagt.

Skeptisch wird generell der Abschluss von Versorgungsverträgen an der Haustür gesehen - nach einer Studie der Unternehmensberatung Kreutzer-Consulting in mehr als einem Zehntel der untersuchten Neuabschlüsse gängige Praxis. Schröder warnt: Dabei fehle natürlich die Möglichkeit eines gründlichen Preis- und Leistungsvergleichs.

dpa

Wirtschaft Einnahmen immer angeben - Steuerhilfe für die Helfer

An Profit denken Ehrenamtliche wohl zuletzt, wenn sie Sportmannschaften trainieren, im Seniorenheim vorlesen oder bei der freiwilligen Feuerwehr helfen. Doch ein paar Euro gibt es häufig trotzdem, und die können sogar ein Fall für die Steuererklärung werden.

06.02.2015

Der sportliche Niedergang und der Kursverlust der Aktie weisen eine gewisse Ähnlichkeit auf: Bei den Fans von Borussia Dortmund wird aus der echten Liebe so langsam echte Wut, bei den Aktionären aus der Hoffnung auf fette Kursgewinne die Sorge vor schmerzhaften Verlusten.

Albrecht Scheuermann 05.02.2015

Gestärkt von Rekordwerten setzt sich der Autobauer Daimler ehrgeizige Ziele. Umsatz und Ergebnis im Kerngeschäft sollen 2015 „deutlich“ gesteigert werden – dafür setzt der Konzern allerdings auch weiterhin den Rotstift an.

05.02.2015