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Wirtschaft Streit im Deutsche-Bank-Prozess eskaliert
Mehr Welt Wirtschaft Streit im Deutsche-Bank-Prozess eskaliert
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11:50 09.12.2015
Selbst die Verteidiger verloren die Fassung: Die Angeklagten Josef Ackermann (vorn)und Jürgen Fitschen am Dienstag im Gerichtssaal. Quelle: dpa
München

Eiszeit zwischen der Deutschen Bank und der Münchner Staatsanwaltschaft: Monatelang haben sich Verteidiger und Ankläger im Strafprozess gegen den Ko-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, gefetzt. Doch am Dienstag eskalierte der Streit vor dem Landgericht München derart, dass die Deutsche Bank ihre Kooperation mit der Staatsanwaltschaft aufkündigte und eine Entschuldigung verlangte. Selbst Fitschens Verteidiger verlor die Fassung: „So etwas habe ich noch nie erlebt“, schimpfte er in einer Prozesspause. „Für diese Staatsanwaltschaft sollte man keinen Finger mehr rühren.“

Auslöser waren neue Vorwürfe. Die Bank, so der Verdacht der Staatsanwaltschaft, bereite Mitarbeiter womöglich gezielt auf Zeugenaussagen in dem laufenden Prozess gegen Fitschen und Co. vor. „Mock Trial“ heißt diese Praxis in den USA: Gerichtsprozesse werden zur Ausbildung oder Vorbereitung auf ein Verfahren wie ein Theaterstück mit verteilten Rollen einstudiert. Die Münchner Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Deutsche Bank dies schon mit dem früheren Bank-Chef Rolf Breuer durchgespielt hat, als dieser vor vier Jahren vor dem Oberlandesgericht München aussagen sollte. In dem Zivilprozess ging es um milliardenschwere Schadensersatzforderungen des Medienunternehmers Leo Kirch, der Breuer und die Bank sein Leben lang für die Pleite seines Medienimperiums verantwortlich gemacht hatte. Die Anklage ist überzeugt davon, dass Breuer die Richter damals belog, um die Forderungen abzuwehren. Fitschen, sein Vorgänger Josef Ackermann und zwei weitere sollen dabei mit Breuer an einem Strang gezogen haben. Seit April stehen alle fünf in München vor Gericht.

Aus Sicht der Verteidiger ist der Prozess gegen die Top-Banker ein Skandal - die Anklage entbehre jeder Grundlage. Die Staatsanwaltschaft räumt einen rauen Ton in dem Verfahren ein. „Hier wird scharf geschossen, das mag sein“, sagte Stephan Necknig.

Richter Peter Noll mahnte zur Ruhe. Eigentlich wollte er den Fall noch vor der Weihnachtspause beenden, musste sich wegen immer neuer Beweisanträge der Staatsanwaltschaft aber von dem Zeitplan verabschieden. Die Ankündigung der Deutschen Bank, nicht mehr mit der Staatsanwaltschaft zu kooperieren, könnte das Verfahren weiter verzögern.

Von Daniela Wiegmann

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