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Wirtschaft Stichprobe: Jeder dritte Baby-Tee enthält Giftstoffe
Mehr Welt Wirtschaft Stichprobe: Jeder dritte Baby-Tee enthält Giftstoffe
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08:29 14.02.2017
Ein Tee trinkendes Baby. Quelle: dpa
Mainz

In jedem dritten Kräutertee für Babys waren bei einem Test krebserregende Pflanzenstoffe enthalten. Die Laboruntersuchung wurde vom ZDF-Verbrauchermagazin „WISO“ in Auftrag gegeben, wie die Redaktion mitteilte.

Demnach wurden in 5 der 17 getesteten Kräuter-Babytees sogenannte Pyrrolizidinalkaloide (PA) nachgewiesen. Laut Bundesamt für Risikobewertung (BfR) können diese pflanzlichen Gifte den Organismus schädigen und sind möglicherweise krebserregend. Die Tees stammten von Discountern, Apotheken und Drogerien.

In den vergangenen Jahren sind pflanzliche Giftstoffe immer wieder in Tees und anderen Naturprodukten wie Honig und Pollenpräparaten gefunden worden. „Die Meldungen häufen sich, weil die Nachweismethoden besser werden“, erklärte Thomas Efferth, Professor am Lehrstuhl für Pharmazeutische Biologie an der Universität Mainz.

Alle belasteten Produkte sind Bio-Tees

Die Pyrrolizidinalkaloide seien meist nicht in den Teekräutern selbst enthalten, sondern im Unkraut auf den Feldern. „Wenn das versehentlich mitgeerntet wird, landen Spuren der Giftstoffe auch in Lebensmitteln“, sagte er. In den meisten Fällen könnten die Giftstoffe später noch in technologischen Verfahren extrahiert werden.

Bei allen fünf belasteten Tees handelte es sich um Bio-Produkte. Besonders Säuglinge und Kleinkinder reagieren empfindlich auf schädliche Stoffe. Deshalb hätten PAs in Babytees „überhaupt nichts verloren“, sagte ein Kinder-Gastroenterologe dem „WISO“-Magazin.

Im Allgemeinen seien die Giftstoffe jedoch nur in hoher und langer Dosierung für Menschen gefährlich, sagte Efferth. „Wenn Sie ab und an mal eine Tasse trinken, ist die Gefahr gering einzuschätzen.“ Verlässliche festgelegte Grenzwerte gebe es nicht.

Hersteller stoppt Verkauf der betroffenen Tee-Charge

Jedes Heilkraut könne Nebenwirkungen besitzen, erklärte der Fachmann. Deshalb sei es umso wichtiger, die Qualität der Produkte regelmäßig genau zu untersuchen. „Dann sind Heilkräuter wirksame und gute Lebensmittel.“

In der Stichprobe sei der Sidroga Säuglings- und Kinderteee am stärksten mit PA belastet gewesen, berichtete die „WISO“-Redaktion. Daraufhin sei das Produkt noch einmal untersucht worden, teilte der Hersteller mit. „Das Ergebnis war unauffällig.“ Die beanstandeten Messwerte hätten sich nicht bestätigt.

Trotzdem habe das Unternehmen den Verkauf der betroffenen Charge präventiv sofort gestoppt, erklärte Sidroga. „Eine akutes Risiko“ gebe es deshalb nicht. Der Tee könne „mit Sicherheit“ weiter getrunken werden.

Auch die Hersteller Alnatura, Sonnentor und die H & S Tee-Gesellschaft reagierten. Die Produkte seien noch einmal untersucht worden. Dabei seien deutlich niedrigere Werte als von „WISO“ gemessen oder „keinerlei Hinweise auf PA“ gefunden worden.

Gleichwohl seien „zahlreiche Maßnahmen vor und nach der Ernte eingeleitet“ worden, „um das Auftreten von PA-haltigen Beikräutern auf dem Feld zu minimieren“, teilte Alnatura der „WISO“-Redaktion mit.

Von dpa/RND/wer