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15:42 04.02.2014
"Wir geben ihrem Schwarzgeld ein Zuhause – Ihre Steuerfahndung"  ist auf dem Sparschwein des niedersächsischen Finanzministeriums zu lesen. Quelle: dpa (Archiv)
Berlin

Immer wieder geraten Prominente wegen mangelnder Steuerehrlichkeit in die Schlagzeilen. Das legt den Schluss nahe, dass die Reichen für Steuerbetrug besonders anfällig sind. Doch Experten sehen das anders.

„Was Sie nicht sagen können, ist, dass Reiche ehrlicher oder unehrlicher wären als Arme“, erläutert Prof. Erich Kirchler, einer der führenden Steuerpsychologen. „Reiche haben natürlich mehr Möglichkeiten, Steuern zu hinterziehen.“ Die Möglichkeiten seien das Entscheidende – und nicht etwa die Einkommenshöhe. Ganz nach der Devise: Gelegenheit macht Diebe.

Thomas Eigenthaler, Bundesvorsitzender der Deutschen Steuer-Gewerkschaft, stimmt zu: „Es wird im Moment ein bisschen viel moralisiert, wenn ich so an den Fall Alice Schwarzer denke. Wir sollten da alle vorsichtig sein. Es gibt viele Leute, die Steuerdelikte begehen – Reiche und Arme.“

Alles eine Frage der Perspektive

Wer fest angestellt ist und sein Einkommen direkt über den Arbeitgeber versteuert, hat kaum Möglichkeiten zum Steuerbetrug. Bei Nebeneinkünften und bei freiberuflicher Tätigkeit sieht es schon anders aus. Da schleusen auch viele Durchschnittsverdiener regelmäßig Beträge an der Steuer vorbei. Deutschland liegt mit einer geschätzten Schattenwirtschaft von 15 Prozent international im mittleren Bereich. Die USA, Österreich und die Schweiz bewegen sich zwischen 8 und 10 Prozent.

„Diese tägliche Schwarzarbeit findet in den Medien nur keinen Niederschlag“, gibt Kirchler zu bedenken. Deshalb sei sie in der Öffentlichkeit nicht so präsent. „Die kleinen Sünden werden toleriert.“ Nun kann man sich natürlich auf den Standpunkt stellen: Ein kleiner Handwerker, der mal schwarz abrechnet – Schwamm drüber! Aber ein Investmentbanker, der viele Millionen in die Schweiz schafft – das ist etwas anderes. Denn der hat doch nun wirklich genug.

Dazu aber sagen Psychologen: Alles eine Frage der Perspektive! Prof. Bernd Weber, der am Center for Economics and Neuroscience in Bonn Zusammenhänge zwischen Psychologie und Wirtschaft erforscht, sieht keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen dem Handwerker und dem Investmentbanker. „Ein Investmentbanker vergleicht sich eben nicht mit einer Verkäuferin, sondern mit Menschen ähnlichen Einkommens. Dies erklärt sehr gut, wieso objektiv und absolut hohe Einkommen und Vermögen eben relativ gesehen nicht als so hoch wahrgenommen werden.“ Vom Standpunkt eines Arbeitslosen aus betrachtet, kann auch ein Handwerker ein Großverdiener sein.

Das Steuersystem vereinfachen

Thomas Wenzler, Autor des Ratgebers „Die Selbstanzeige“, hat aus seiner Praxis als Anwalt für Steuerrecht den Eindruck gewonnen, dass es immer Steuerhinterzieher geben wird – selbst wenn der Steuersatz bei einem Prozent läge und der Betreffende ein Riesenvermögen auf dem Konto hätte. „Das ist meine Erfahrung. Wir werden immer Menschen haben, deren Gier so groß ist, dass sie versuchen, auch da noch herumzukommen.“

Allerdings haben Studien gezeigt, dass ein als gerecht empfundenes Steuersystem die Steuerehrlichkeit fördert. Kirchler erläutert: „Wenn Menschen den Eindruck haben, nicht fair behandelt zu werden, versuchen sie, diese Fairness selbst wieder herzustellen.“ Weitere Faktoren, die Steuerehrlichkeit fördern, sind demnach: Das Steuersystem darf nicht zu kompliziert sein, denn das fördert Misstrauen. Und man darf nicht den Eindruck haben, dass alle anderen schummeln, nur man selbst nicht. Denn der ehrliche Dumme – der will nun wirklich niemand sein.

dpa

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