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Wirtschaft Deutschland droht ein doppelter Blackout
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00:15 28.02.2015
Von Jens Heitmann
Sonnenfinsternis am 20. März gefährdet die Stromversorgung: Solaranlagen mit der Kapazität von 20 AKW werden an- und abgeschaltet. Quelle: Friso Gentsch
Hannover

Noch heikler sei jedoch der Moment, wenn die Sonnenstrahlen gegen Mittag wieder mit voller Kraft auf die Solaranlagen treffen, heißt es bei den Unternehmen. „Das wäre so, als wenn auf einen Schlag 20 Atomkraftwerke ans Netz gehen“, sagt ein Beteiligter. „Die Mengen müssen wir jeweils ausgleichen.“ Gelinge das nicht, sei die Stabilität der Versorgung bedroht. Mit anderen Worten: Ein Blackout wäre möglich.

„Nie dagewesene Herausforderung“

Der Verband europäischer Stromnetzbetreiber spricht von einer „nie dagewesenen Herausforderung“. Seit knapp einem Jahr bereiten sich die Unternehmen auf das Ereignis vor.

Mit einer Gesamtleistung von mittlerweile 38.000 Megawatt deckt die Solarenergie hierzulande an manchen Sommertagen bereits mehr als die Hälfte der Verbrauchsspitzen zur Mittagszeit. Normalerweise wächst die von den Paneelen eingespeiste Leistung allmählich an - eine Sonnenfinsternis wirkt jedoch wie ein Schalter, mit dem eine gewaltige Strommenge Energie erst ab- und später ebenso plötzlich wieder angeknipst wird. „Das ist ein echter Stresstest“, sagt eine Sprecherin des Netzbetreibers Tennet.

Risiko für Deutschland am größten

Bei unvorhergesehenen Notfällen helfen sich die Unternehmen sonst gegenseitig; doch in diesem Fall muss sich jeder selbst der Nächste sein, weil eine Sonnenfinsternis kein regionales Ereignis ist. Für Deutschland sei das Risiko am größten, weil hier etwa die Hälfte der in Europa installierten Fotovoltaikanlagen steht - vor allem im Süden. Die Netzbetreiber haben sich darauf verständigt, dass jeder die Folgen des Abfalls und Anstiegs der Solarstromproduktion in seiner „Regelzone“ beherrschen muss: Amprion im Westen, Transnet im Süden, 50 Hertz im Osten und Tennet in einem breiten Streifen von der dänischen bis zur österreichischen Grenze, in dem auch Hannover liegt.

Tennet ist vorbereitet, rechnet aber mit Problemen

Die Unternehmen sehen der Herausforderung gespannt entgegen. Sie haben bereits konventionelle Kraftwerke akquiriert, die im Notfall einspringen sollen. Zudem habe man die Mitarbeiter in Netzleitstellen und Schaltwarten „für diese besondere Situation“ geschult und deren Zahl erhöht, heißt es bei Tennet. Dennoch könne es am Tag der Sonnenfinsternis schwierig werden, die an- und abschwellende Einspeisung der Solaranlagen aufzufangen.

Die Lösung: ein bewölkter Himmel

Nervös machen die Netzbetreiber die freien Stromhändler und die übrigen Kraftwerkseigentümer. Sie fürchten, dass sich beide in den kritischen Vormittagsstunden womöglich nicht an die vereinbarten Produktionsfahrpläne halten. Eigentlich sind diese dafür verantwortlich, Angebot und Nachfrage von Strom auf der Basis von viertelstündlichen Intervallen auszugleichen. Nehmen mehrere Marktteilnehmer diese Pflicht nicht ernst genug, könnte dies eine ungewollte Kettenreaktion auslösen. Die Lösung für alle Probleme am 20. März wäre ein bewölkter Himmel, heißt es. Die Sonnenfinsternis hätte dann keinen Einfluss darauf, wie viel Strom die Solaranlagen ins Netz einspeisen.

Schaltleitung in Lehrte ist vorbereitet

Als letztmals in Teilen Westeuropas das Licht ausging, waren dafür zwei Mitarbeiter der Schaltleitung in Lehrte verantwortlich. Die beiden Ingenieure hatten im November 2006 eine Höchstspannungsleitung ausgeschaltet, um die Überführung eines Kreuzfahrtschiffes von der Meyer-Werft in Papenburg zur Nordsee zu ermöglichen. In der Folge kam es zur Überlastung einer Nachbarleitung, die sich automatisch abschaltete. Kaskadenartig fielen im Anschluss weitere Leitungen aus: Für anderthalb Stunden waren 15 Millionen Menschen ohne Strom. Damit sich ein Fehler dieser Art bei der Sonnenfinsternis am 20. März nicht wiederholt, hat der Netzbetreiber Tennet die 20 Mitarbeiter intensiv geschult. Die Kontrolleure in Lehrte und anderenorts müssen dafür sorgen, dass Erzeugung und Verbrauch von Strom im Gleichgewicht bleiben und die Frequenz im Netz immer bei 50 Hertz liegt. Die Männer an den Monitoren agieren heute wie Makler, die aktiv eingreifen, wenn sich Ungleichgewichte abzeichnen. Man tue immer das, was physikalisch notwendig sei, heißt es.

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