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Wirtschaft So lief der erste Tag im neuen Russen-Discounter
Mehr Welt Wirtschaft So lief der erste Tag im neuen Russen-Discounter
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19:02 29.01.2019
Eröffnung vom russischen Supermarkt „Mere“ im Einkaufszentrum Portitz in Leipzig. Quelle: Hendrik Schmidt/dpa
Leipzig

Schon kurz vor 9 Uhr bildet sich am Dienstagmorgen eine Schlange vor dem neuen russischen Lebensmitteldiscounter im Norden von Leipzig. „Mere“ heißt der Laden, der beim Treff Portitz eröffnet und mit Tiefpreisen seine Kunden anlocken will. In Russland ist der Discounter Torgservis schon verbreitet, in Deutschland wurde mit „Mere“ nun der erste Laden der Tochterfirma TS-Markt eröffnet.

Der Raum, der einst zu Aldi gehörte, ist minimalistisch gehalten: Überall stehen Paletten mit den ordentlich aufgereihten Waren. Auf den ersten Blick wird teilweise nicht klar, was auf den Paletten steht, da die Inhalte in Kartons verpackt sind. Die meisten Waren sind Lebensmittel, ansonsten bietet der Laden Haushaltswaren und Drogerieartikel an.

Keine Informationen freigeben

Die Produkte kämen nicht nur aus Russland, sondern würden europaweit importiert oder direkt aus Deutschland kommen, wie die Personalmanagerin Julia Gradwohl mitteilt. Was allerdings auch das einzige ist, über das Gradwohl Auskunft geben kann. „Es gehört zu unserer Firmenphilosophie keine Informationen preiszugeben“, erklärt die Managerin. Eine Kassiererin wehrt derweil Journalisten ab, die wissen wollen, was das erste gewesen sei, das verkauft wurde. Die Mitarbeiter sollen auf die Personalmanagerin verweisen.

Der russische Discounter Torgservis hat am 29. Januar 2019 in Leipzig seine erste Filiale in Deutschland eröffnet.

„Ich habe die Eröffnung in der Zeitung verfolgt und bin heute zum Stöbern hier“, erzählt Dascha Koch. Die 29-Jährige Kundin stammt selbst aus Russland und hält eine gelbe, volle Tüte in der Hand. Sie habe 4 Euro für den gesamten Inhalt ausgegeben - darunter auch eine kleine Pfanne. „Ich lege nicht viel wert auf Marken. Bei Lebensmitteln schon, aber auf meinen Mülltüten muss nicht unbedingt etwas Besonderes draufstehen“, erklärt Koch.

Damenbody für 17 Cent

Dass eine volle Tüte 4 Euro kostet, wundert nicht, denn die Kunden sehen überall kleine Preise. 17 Cent kostet beispielsweise ein Damenbody, der in der Nähe der Kasse angeboten wird. Aber auch Lebensmittel werden verkauft: Milchprodukte, Dosen mit russischen Gerichten und Getränke. Das Angebot nehmen die geschätzt hundert Kunden an, die den Laden zur Eröffnung am Morgen besuchen. Durch die breiten Gänge schieben sie ihre Einkaufswägen, die mit den Angeboten gefüllt sind.

Lebensmittel seien Qualitätsprodukte, die nicht unter Wert verkauft werden dürften, heißt es in einer Pressemitteilung der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätte (NGG). „Die Kosten für Mensch und die Umwelt seien enorm“, wenn zu Tiefpreisen Milch, Fleisch oder Fisch verkauft werde. So seien unter anderem die Arbeitsplätze in der Ernährungsindustrie in Gefahr.

Filialen seien bloß Randphänomene

Nach Berichten des MDR-Magazins rechne Juniorprofessor Erik Maier von der Handelshochschule Leipzig dem Lebensmitteldiscounter geringe Chancen auf dem deutschen Markt zu. Es sei unmöglich Discountern wie Aldi oder Lidl Konkurrenz in Deutschland zu machen. Wenn Filialen, wie der TS-Markt, bleiben würden, dann seien diese bloß Randphänomene, so der Fachmann für Handel- und Multi-Channel-Management.

Weitere 100 Läden der Kette sollen folgen. Wie sich diese bei den niedrigen Preisen aber halten wollen, darauf könne Gradwohl keine Antwort geben.

Weiterlesen:
„Mere“: Was hat es mit dem russischen Discounter auf sich?

Von RND/Nicole Grziwa

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