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Wirtschaft Frust in Tüten
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19:06 07.02.2014
Von Lars Ruzic
Quelle: dpa/Symbolbild

Eine Tüte davon trinkt jeder Erdenbürger pro Jahr – rein rechnerisch zumindest. Die „Capri-Sonne“ ist seit 45 Jahren ein Kassenschlager, wird heute in mehr als 120 Ländern verkauft. Und hat aus dem einstigen schwäbischen Familienbetrieb Wild den Aufstieg zu einem milliardenschweren Zulieferer für die Nahrungsmittelindustrie ermöglicht. Markenzeichen: Der leicht labberige Standbodenbeutel, bei dem einem die Flüssigkeit schon entgegen spritzt, wenn man sich beim Einstechen des Strohhalms ungeschickt anstellt.

Vielleicht deshalb ist für die meisten Menschen die Verpackung weit mehr mit dem Namen „Capri-Sonne“ verbunden als der süße – Verbraucherschützer sagen: allzu süße – Inhalt. Kein Wunder also, dass der Wild-Konzern den Standbodenbeutel mit aller Kraft als seine Innovation verteidigt. Patentrechtlich ist er zwar nicht geschützt, markenrechtlich – zumindest in Deutschland – aber schon.

Ein Konkurrent aus dem Schaumburger Land kann das nicht verstehen. „Am Standbodenbeutel ist nichts Schützenswertes, in anderen Sortimenten ist er längst gang und gäbe“, sagt Werner Gerdes, Geschäftsführer von Riha Wesergold. Der Saftspezialist aus Rinteln will deshalb seine Ende 2013 im Landgericht Braunschweig kassierte Niederlage gegen Wild nicht kampflos hinnehmen. Man habe Berufung am Oberlandesgericht (OLG) eingelegt, berichtet Gerdes. Damit läuft der Streit weiter. Ob es aber tatsächlich zu einer mündlichen Verhandlung am OLG kommt, dürfte nach Angaben eines Gerichtssprechers erst im Sommer feststehen.

Das Landgericht hatte argumentiert, dass der „Capri-Sonne“-Produzent, die Wild-Tochter SiSi-Werke – mit den selbststehenden Beuteln „eine Sonderstellung und somit eine Bekanntheit bei den Verbrauchern erlangt“ habe. Dies sei ein wichtiger Markenkern und beruhe gar nicht so sehr auf dem Produktnamen, sondern vielmehr auf der besonderen Gestaltung der Getränkeverpackung. Da die Beutel des Konkurrenten Riha in Form und Größe nahezu identisch seien, herrsche große Verwechselungsgefahr.

Das halten die Rintelner für Quatsch – schließlich hätten ihre Produkte doch ganz andere Namen. Außerdem hat Riha inzwischen eher ausländische Märkte im Visier. Dort gilt der Markenschutz längst nicht überall. Das deutsche Geschäft hat Wild dem Rintelner Familienkonzern – immerhin größter Saftproduzent Deutschlands – nämlich nachhaltig verhagelt.

Die Schaumburger hatten die Schwaben gleich doppelt provoziert. Nicht nur, dass sie die gleiche Verpackung verwendeten, verkauft wurden die Standbodenbeutel auch noch beim Discountprimus Aldi – gut ein Fünftel billiger als die „Capri-Sonne“. Wild sah seine Hochpreisstrategie in Gefahr, bekämpfte Riha vor Gericht und bandelte gleichzeitig mit Aldi an. Heute sind es die Schwaben, die für den Discounter das Süßgetränk zum Niedrigpreis liefern – freilich ohne dabei „Capri-Sonne“ auf die Tüte zu schreiben.

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