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Wirtschaft „Ohne Not in die Insolvenz getrieben“
Mehr Welt Wirtschaft „Ohne Not in die Insolvenz getrieben“
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07:06 10.09.2014
Von Albrecht Scheuermann
Die „Pride of Paris“ ist ein stolzes Schiff, aber den Geldanlegern brachte sie nur Verdruss.
Hannover

Doch die von ihnen eigens zu diesem Zweck gegründete Kommanditgesellschaft verfügt nur über ein Minikapital: Der Komplementär hat gerade einmal 300 Euro eingezahlt, der Kommanditist nur 100 Euro - das war’s. Hannelore Jongedijk, Vorsitzende Richterin am Landgericht Hannover, war damit am Dienstag nicht zufrieden. Sie verwies auf ein Urteil aus Düsseldorf, wonach die Klage einer vermögenslosen Gesellschaft sittenwidrig sei. Klägeranwalt Vinzenz Bödeker aus Frankfurt versicherte: „Es ist genug Geld da, um das Verfahren durch mehrere Instanzen zu führen.“ Die Richterin wollte sich mit Worten aber nicht begnügen, nun müssen die Kläger nachweisen, dass sie über ausreichend Mittel verfügen.

Dieser Auftakt ist ungewöhnlich, aber ungewöhnlich sind auch andere Einzelheiten des Prozesses vor der 7. Kammer für Handelssachen des hannoverschen Landgerichts. Dass Anleger mit Schiffsfonds viel Geld verloren haben und dann vor Gericht ziehen, kommt zwar öfter vor, aber in diesem Fall liegen die Dinge etwas anders als üblich. Die Nord/LB hat die Fonds weder aufgelegt noch vertrieben - sie war lediglich Kreditgeberin.

Dennoch werfen die Kläger Norddeutschlands größter Bank vor, sie geschädigt zu haben. Anwalt Bödeker fuhr im Gerichtssaal schwere Geschütze auf: „Die Nord/LB hat beide Fonds ohne Not in die Insolvenz getrieben.“ Er deutete sogar an, dass die Bank dafür nicht ganz koschere Motive gehabt habe, was der Nord/LB-Anwalt „schärfstens“ zurückwies.

Bei dem Rechtsstreit geht es um die beiden weitgehend baugleichen Schiffe „Pride of Paris“ und „Pride of Madrid“. Das Hamburger Emissionshaus Ownership hatte den Bau in Auftrag gegeben und dafür Ende 2006 bei mehreren Hundert privaten Anlegern insgesamt etwa 18 Millionen Euro eingeworben. Die Nord/LB steuerte 28 Millionen Euro als Darlehen bei. Wie in diesem Geschäft üblich bekam sie zur Absicherung ein Pfandrecht an den Schiffen.

Schon vor dem Bau war klar, dass die Schiffe an die Bremer Beluga-Reederei verchartert werden sollten. Dann kam jedoch die weltweite Schifffahrtskrise und die Pleite der Beluga-Reederei Anfang 2011 - die Einnahmen brachen weg, die Kreditraten an die Bank flossen nicht mehr wie vereinbart. Es folgten längere Verhandlungen zwischen Ownership beziehungsweise den Anlegern und der Nord/LB über eine neue Finanzierung, die letztlich scheiterten. Die Bank stellte die Kredite fällig, und die Fonds gingen im Sommer 2012 in die Insolvenz. Die Schiffe wurden später versteigert, wobei eine der Nord/LB genehme Gesellschaft den Zuschlag bekam und auch neue Kredite erhielt.

Die Anleger der beiden Schiffe gingen leer aus, weil der Versteigerungserlös nicht einmal die Kredite ganz abdeckte. Viele von ihnen haben ihre Altersvorsorge zumindest teilweise auf diese Fonds aufgebaut, sie wollen sich mit dem Verlust nicht abfinden.

Anlegeranwalt Bödeker warf der Bank vor, sich nicht an Vereinbarungen und Zusagen gehalten zu haben. Hätte sie anders reagiert, wäre der Schaden vermeidbar gewesen, meint er. Schließlich seien die Fonds durch die Beluga-Pleite „unverschuldet“ in Not geraten. Wie sich heute zeige, könnten sie trotz der Marktkrise weiterhin profitabel fahren.

Nord/LB-Anwalt Markus Eichhorst aus Hamburg sieht den Fall ganz anders. „Es gab einen erheblichen Tilgungsrückstand, deshalb war die Bank zur Kündigung berechtigt.“ Dies gelte genauso wie für jeden Hauseigentümer, der mit seinen Kreditraten in Rückstand gerate. Alle Versuche, mit der Gegenseite zu einer Einigung zu kommen, seien gescheitert. Die Schiffseigner hätten sich nicht an Vereinbarungen gehalten und dadurch das Vertrauen zerstört. Einen Vergleich lehnten Kläger und Bank ab. Richterin Jongedijk will nun am 28. Oktober ihr Urteil sprechen.

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